der Logos (Freie Themen)

Ranma, Donnerstag, 25. Oktober 2018, 03:14 (vor 23 Tagen) @ Taurec625 mal gelesen

Hallo!

Er ist zudem einem naiven persönlichen Gottesbild vorkultureller Wüstennomaden ausgeliefert, in dem Gott als handelnde Person auftritt und sich über Zeichen äußert. Das weiterentwickelte, sehr viel vernünftigere Gottesbild, in dem er als ein die Welt unpersönlich durchwirkender "Logos" erscheint und das mit Wissenschaft und Rationalität durchaus vereinbar ist, ist ihm fremd. In einem solchen Gottesbild ist überdies unerheblich, ob Daniel eine Fälschung ist.

Mit diesem Gottesbild fällt es dem modernen Europäer leicht zugleich an Gott zu glauben und sich trotzdem wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zu verschließen. Aber ist es in einem solchem Gottesbild, mal weitergedacht, nicht gleichfalls unerheblich, ob überhaupt ein Gott existiert? Er braucht nicht vorhanden sein, wenn Er sich sowieso nicht äußert? Man braucht Ihn höchstens noch, um der Schöpfung einen Sinn zu geben. Aber auch dafür braucht man Ihn nur, falls man überlegen will, worin der Sinn der Schöpfung bestehe. Sonst wäre auch der Punkt egal. Irgendwelche Vorschläge zum Sinn der Schöpfung?

Falls der durchwirkende Logos jedoch Menschen erschiene, könnten sie Ihn dann überhaupt von einem als Person auftretendem Gott unterscheiden? Es sollte Ihm sogar möglich sein als ein gesamter Pantheon aufzutreten? Sogar falls Er in klar nichtmenschlicher Form aufträte, neigte der Mensch dann doch, spätestens in einer lange danach verfaßten Beschreibung des Ereignisses, zur Anthropomorphisierung, also der Zuschreibung menschlicher Züge zu was auch immer. So wie die germanischen Götter Donar und Wotan nichts anderes als Donner und Wind sind.

Angesichts der wahrscheinlichen Identität des biblischen Moses mit dem Gegen-Pharao Amun-masesa, der gegen Sethos II. rebellierte könnte der biblische Ausdruck Elohim das gesamte ägyptische Pantheon bezeichnen. Immerhin steht der Ausdruck so klar im Plural, daß die Bibelautoren für die Stellen, an denen Elohim spricht, den Pluralis majestatis erfanden. Damit dokumentiert die Bibel eine Weiterentwicklung vom Polytheismus über den Henotheismus (der alttestamentarische Gott behauptet nie, daß andere Götter nicht existierten, sondern verbietet nur, die anzubeten) zum Monotheismus und Pantheismus (dem neutestamentarischen Logos). Wobei der Monotheismus, der einen einzigen Gott behauptet, der überall sein soll, aber nicht teil davon und nicht alles durchdringend, wohl eher eine spätere Erfindung der Kirche ist, damit sie gewisse Aussagen verdammen kann. Also solche Aussagen wie die Kanye Wests, er selbst sei Gott. Aber der darf so etwas in unserer Gesellschaft, weil er reich ist. Für den Pantheisten unproblematisch, nur ging in dem Medienecho leider seine kurz davor gemachte Ankündigung unter, daß er Präsident der USA werden wolle. Ein auch interessantes, jedoch ganz anderes Thema. Darum höre ich jetzt auf, bevor ich noch mehr abschweife.

Gruß,
Ranma


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