Hoffmann-Aussagen (Schauungen & Prophezeiungen)

dziamdzia @, Sonntag, 07. Oktober 2018, 14:43 (vor 748 Tagen) @ Taurec4480 mal gelesen
bearbeitet von dziamdzia, Sonntag, 07. Oktober 2018, 14:50

Grüß Gott,

Ich habe mal versucht, die Aussagen in einen Kontext zu bringen um ein klareres Bild zu zeichnen, und dieses Bild abzugleichen mit den derzeitig erkennbaren Entwicklungen.

Hoffmann:
„Das Dritte, was ich in den 70er Jahren gesehen habe, war, daß zwischen den Jahren 2007 und 2011 durch eine neue Währung,
mit der alle Länder Europas zu tun haben – mit Ausnahme der Schweiz –, eine Verzettelung entstehen wird."

Der Begriff Verzettelung ist ein bemerkenswerter Volltreffer, denn besser kann man eine Währung nicht beschreiben, die einerseits so billig ist, dass Deutschland als profitabelste Volkswirtschaft damit alle anderen Euro-Staaten mit konkurrenzlos preisgünstigen Produkten kaputt-exportiert, sie andererseits aber nicht teurer werden darf (durch steigende Zinsen), weil sonst die Südstaaten ihre Schulden nicht mehr bedienen könnten. Das ist doch mal ein perfekter Teufelskreis.

Allerdings: Wenn sie das in den 70ern schon gesehen hat, war es jahrzehntelang falsch, und ist es heute noch, denn NOCH ist der Euro eine der stabilsten Währungen der Welt. Die beschriebene Inflation wird also erst noch kommen und die Initialzündung war vermutlich die 2008er Krise.

Hoffmann:
"‚Es wird eine Abwertung des Geldes geben, und zwar unterschiedlich, in den verschiedenen europäischen Ländern.’
Ein unterschiedlicher Geldwert bei ein und derselben Währung, dem Euro? ‚Ja’. "

"Ich habe Bilder gehabt, woraus ich den Schluß ziehe, daß die Bundesregierung in ganz kurzer Zeit eine uneinheitliche Abwertung des Geldes beschließt, ‚uneinheitlich’ – damit ist gemeint, daß wenn der Euro in Deutschland nur noch 60 Cent wert ist, dann ist der Euro in Frankreich 70 Cent, in Italien 30 Cent wert.“"

Das wirkt erstmal unerklärlich: wie soll es bei einer Einheitswährung zu unterschiedlicher Inflation kommen können?
Jedoch ist eine uneinheitliche Inflation im Euro-Raum prinzipiell möglich, da in jedem Land
die nationale Zentralbank (bei uns die Bundesbank) das Zentralbankgeld und die Geldnoten ausgibt.
Eigentlich darf dies nur auf Weisung der EZB erfolgen.
Nach der Lehmann-Pleite wurden jedoch Notmaßnahmen beschlossen, die es den nationalen Zentralbanken erlauben, auch an den Beschlüssen des EZB-Rates vorbei Zentralbankgeld zu schöpfen, indem sie "nach eigenem Ermessen" Kredite gegen Sicherheiten ausgeben.

https://www.files.ethz.ch/isn/146549/kd508-509.pdf
https://www.cesifo-group.de/DocDL/sd-2016-06-meyer-eurogeldschoepfung-2016-03-24.pdf
https://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jahr/2012/8/nationale-geldschoepfung-zersetzt-den-euroraum/

Zitate

"So hat der
EZB-Rat im Februar 2012 einigen nationalen Zentralbanken die Befugnis übertragen, Anforderungen
für notenbankfähige Sicherheiten in eigenem Ermessen festzulegen. So werden inzwischen auch
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen als Sicherheit bei einigen nationalen Zentralbanken
akzeptiert (EZB 2012c). Unter diesen neuen Richtlinien für die Vergabe von Zentralbankgeld konnten die Geschäftsbanken – insbesondere diejenigen, die auf den Zugang zum Eurosystem angewiesen sind – deutlich mehr Sicherheiten einreichen und sich so höhere Beträge an Zentralbankgeld beschaffen"

Im Klartext kann eine Bank in Italien einen Kredit an irgendein halbbankrottes Unternehmen als Sicherheit(!) bei der italienischen Zentralbank hinterlegen und kriegt dafür bares Geld ausgehändigt.
Von dieser Möglichkeit wird umfassend Gebrauch gemacht:

"Seit dem Beginn der Finanzmarktturbulenzen geht die Geldschöpfung in den Defizitländern deutlich über das Niveau hinaus, das für binnenwirtschaftliche Zahlungsvorgänge benötigt wird. Der Anteil der liquiditätszuführenden Geschäfte der nationalen Zentralbanken
in Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien, Belgien und Frankreich (GIIPSBF) am Gesamtvolumen der Refinanzierungsgeschäfte im Euroraum ist im Mai 2012 auf rund 800 Mrd. Euro gestiegen. Damit fragten die Geschäftsbanken in diesen Ländern etwa 90% der
gesamten Zentralbankgeldmenge im Euroraum nach
"

Dies ist auch die Erklärung für die explodierenden Target2 Salden - die nationalen Notenbanken der Südländer schöpfen unbegrenzt Geld und gehen damit in Deutschland auf Einkaufstour. Wir erhalten im Gegenzug Target-Forderungen, die beim Zerfall der Eurozone sofort wertlos werden:

"Die übermäßige Kreditschöpfung in den Defizitländern ist die Ursache dafür, dass es zu einer dauerhaften Zahlungsbilanzfinanzierung kommt, die maßgeblich über das Target2-System abgewickelt wird.

Bemerkenswert in dem Beitrag ist auch der Vergleich mit der Rubel-Zone, Zitat:

"Den Extremfall einer solchen nationalen Geldschöpfung innerhalb eines Währungsraumes markiert das Auseinanderbrechen der Rubelzone in den Jahren 1992–1993 (Kasten 5)."

Damals war es Russland, welches mit in den übrigen GUS-Staaten aus der Druckerpresse gezaubertem Geld geflutet wurde und dafür Rohstoffe lieferte. Die Leistungsbillanzunterschiede wurden immer größer (analog zu den heutigen Target2-Salden) und Russland verschärfte schließlich als Selbstverteidigung die Regeln, das frisch gedruckte Geld nur noch bei Vorliegen entsprechender Guthaben der nationalen Notenbank anzunehmen. Ein halbes Jahr später verließen die GUS-Staaten den Währungsverbund und führten eigene Währungen ein.

Es ist nämlich so, dass die Anreize für Defizitländer, den Währungsraum zu verlassen, mit der Zeit immer größer werden, während das Drohpotenzial der Überschussländer gegen Null sinkt.
Italien z.B. behielte beim Austritt Autos, Maschinen, Dienstleistungen usw. als reale Werte, und Deutschland behielte einen wertlosen Schuldschein in Form der Target2-Salden. Eher als dass deutsche Politiker den Totalverlust realisieren und ihren Wählern erklären müssen, warum der
Euro nach Billionen von Rettungsgeldern nun doch zerbricht, wird man sich in Berlin allerdings die Augen zuhalten und ahnungslos tun, wenn die Italiener und Griechen auf ihrem Grund und Boden beliebige Staatsdefizite monetarisieren.

Die unterschiedlichen Inflationsraten resultieren aus den unterschiedlichen Standards für die Sicherheiten, die die nationalen Zentralbanken
zur Ausgabe des Geldes fordern:

"Im Ergebnis stehen der monetären Basis des Währungsraums mehr und mehr Wertpapiere der Defizitländer als Sicherheiten gegenüber, so dass insgesamt eine Verschlechterung der Geldqualität im gesamten Euroraum droht. Für den Wert des Geldes ist nicht die Gütermenge entscheidend, die ihr gegenübersteht, sondern der Wert der Aktiva, die hinter ihr stehen."

Während deutsche Zentralbankkredite durch relativ werthaltige Sicherheiten gedeckt sein dürften, sind es in den Defizitländern dann eben faule Kredite von Zombie-Unternehmen, die als Sicherheit eingereicht werden können um einen weitere Zyklus der Kreditexpansion zu fahren.
Wie sich das Geld im Euroraum verteilt ist aber schwer vorher zu sagen. Beispiel: Eine italienische Geschäftsbank reicht einen (notleidenden) Kredit an ein Unternehmen bei der Zentralbank als Sicherheit ein und erhält dafür frisches Geld. Dieses leiht sie einem anderen Unternehmen, welches damit eine Rechnung wiederum eines anderen Unternehmens begleicht. Der Unternehmer ist froh sein Geld erhalten zu haben, und bringt es auf die Bank. Aus Wissen um die desolate Lage der italienischen Wirtschaft kauft er, nachdem er ausreichend angespart hat, in Deutschland eine Eigentumswohnung, die er vermietet. Damit sich die Investition zu Lebzeiten für ihn noch lohnt, erhöht er die Miete.

Ein Teil des Geldes wird durch Kapitalflucht in Deutschland landen, vor allem in deutschen Immobilien, und auch hierzulande die Inflation hoch treiben. Die Statistiker müssen dann halt ihre Hedonistik bemühen um diese wieder schön zu rechnen.
Gemäß dem Motto "wenn einer was tut was ein anderer nicht will, ist das eine Vergewaltigung - wenn alle tun, was niemand will, ist das Demokratie!" ist das doch eine sehr demokratische Lösung der Euro-Krise.

Richtig losgehen könnte die Inflation, wenn wir vielleicht in 2 Jahren eine Rezession haben. Dann wird in den Südländern noch mehr gedruckt und die dafür hinterlegten Sicherheiten werden noch schlechter sein.

Hoffmann:
"Ich habe aber meinen Klienten, die zu mir gekommen sind im Rahmen der Sitzung, immer wieder geraten, das
Geld nicht als Geld zu lassen, sondern in Sachwerte zu investieren."

Immobilien sind bereits in guter Lage unerschwinglich und Gold hat, solange es keine goldgedeckten Währungen mehr gibt, keinen intrinsischen Wert.
Zumal sie ja von Immobilien inzwischen wieder abrät! In welche Sachwerte soll man heute also investieren? Interessant wäre, was sie zu russischen Aktien sagt. Wenn Fr. Hoffmann in Russland einen Aufschwung sieht während Europa jahrzehnte lang durch eine Krise taumelt, wären Aktien stabiler russischer Unternehmen exakt die Art von Sachwert, in die man jetzt investieren muss.

Hoffmann:
"Schon 2020 soll man (wie von privater Seite aus einer Hoffmannsitzung an mich herangetragen wurde – ich gebe damit hoffentlich nicht zuviel preis, weil es von allgemeinem Interesse ist) nichts unterschreiben, was mit Häuslichkeit oder Geld zu tun habe, weil es "die falsche Zeit" hierfür sei."

Also die falsche Zeit für Grundschulddarlehen - das kann eine Warnung vor staatlicher Enteignung oder vor einer Immobilienblase sein.

Ein Kollege von mir hat neulich stolz erzählt, dass er für seinen Neubau nun bereits 550.000€ bezahlt hat, 30.000 kämen bestimmt nochmal für Gartengestaltung dazu, und dass er mit Mitte 50 dann noch 100.000€ Restschuld haben wird - so läuft es derzeit überall in Deutschland.
Jetzt nehmen wir mal an, 2020 gibt es eine dicke Rezession und diese Leute verlieren alle ihren Job. Die Kredite werden notleidend, und jede Bank wird die Immobilie so schnell wie möglich verkaufen wollen solange die Preise noch hoch sind. Da das massenhaft passiert, sinken die Preise aber nun dramatisch, und machen noch mehr Kredite notleidend. Mein Kollege könnte dann, auch wenn er die Raten noch bezahlen kann, einen freundlichen Brief der Bank erhalten wo sie darauf hinweist, dass die zur Besicherung des Kredits im Grundbuch eingetragene Immobilie ja nun nur noch die Hälfte am Markt wert sei, und freundlich um Überweisung der fehlenden Sicherheit bittet und andernfalls droht, den gesamten Kredit fällig zu stellen.

Es könnte aber auch sein, dass der Immobilienmarkt aufgrund der Nullzinsen immer weiter heiß läuft, und der Staat die Immobilienbesitzer (teil)enteignet. Das könnte über Zwangshypotheken, Deckelung der Mieten oder auf kommunaler Ebene durch Grundsteuer oder Anliegerbeiträge
erfolgen. Auch dazu ein Beispiel, hautnah erlebt: Die Stadt lässt eine Straße inklusive Kannalisation zerfallen indem sie einfach Jahrzehnte nichts investiert. Am Ende ist die Substanz so marode, dass die Buslinie sich weigert, ihre Busse noch länger über die von Kratern zerfurchte Straße zu fahren. Fachleute bescheinigen, dass eine Sanierung nicht mehr möglich ist. Die nun notwendige Komplett-Erneuerung legt die Stadt in Form von Beiträgen auf die Anlieger um. Je nach Wohnfläche wird jeder Anlieger mit mehreren 10.000€ zur Kasse gebeten.

Ein Modell was in Zukunft noch Schule machen könnte, und gegen das man sich als Hausbesitzer
absolut nicht wehren kann: "Ach Sie haben keine 100.000€? Na dann nehmen Sie doch einen Kredit auf!"
Wer zu alt ist um noch einen Kredit zu kriegen, muss dann eben verkaufen.

https://www.youtube.com/watch?v=9gVLUOvzKhs

Das ist auch nichts anderes als Enteignung, und diese hintervotzige Tour, dass der Staat seiner Aufgabe, die Infrastruktur zu erhalten nicht mehr nachkommt (für die er ja bereits Steuern kassiert!), und die entstehenden Erneuerungs-Kosten auf Immobilien-Besitzer abwälzt, ist viel bequemer als dass irgendein Politiker sich vor die Kamera stellt und eine Zwangshypothek verkündet. Wer würde so eine Partei noch wählen?

Die Formulierung "Häuslichkeit und Geld" lässt mich aber eher vermuten, dass die Gefahr im Kredit selbst liegt und nicht in staatlicher Enteignung.

„Dann habe ich noch eine dritte Sache gesehen, die mir auch sehr unlogisch erscheint, wo ich [aber] trotzdem sage: Ich habe gesehen, daß in etwa 18 bis 20 Jahren von jetzt [2010] an in Rußland eine Situation einsetzt, politisch und wirtschaftlich, wo dieses Land einen Aufschwung macht, fast wie ein Einwanderungsland, wie Amerika zur Zeit der Jahrhundertwende, wo aus Deutschland, aus Irland, von überall her Menschen nach Amerika gegangen sind, um ihr Glück zu machen. Und wenn ich mir überlege, daß das Land sehr große Bodenschätze hat, ist es logisch vorstellbar. Aber Rußland ist ein dicker brauner, schwerfälliger Bär, und vom Logischen her bin ich ganz unsicher und denke, wie sollen die Menschen, die in dieses Land einwandern
und ihr Glück machen wollen, und einen Aufschwung bringen, wenn das Land in der Struktur so starr ist?“

Russland backt wirtschaftlich kleine Brötchen, ist aber bemerkenswert stabil. Trotz Sanktionen und obwohl 2015 die transatlantisch-dominierte deutsche Presse schon jubelte, dass "Pleite-Putin" nun bald das Geld ausgehe, macht der Staat wieder Überschüsse, hat Devisenreserven im Wert von 450Mrd USD und niedrige Arbeitslosigkeit. Nur macht das noch kein Einwanderungsland aus Russland. Das Wachstum ist gering und die Wirtschaft nach wie vor auf Öl, Gas und
Metalle konzentriert. Die naheliegenste Erklärung wäre ein weitreichender Zusammenbruch in den EU-Staaten. Möglicherweise steht uns ein jahrzehnte langes Siechtum mit hoher Inflation, hohen Steuern und Abgaben und stetig schwindender Lebensqualität bevor, während sich die Dinge in Russland langsam aber stetig und stabil verbessern. Die westliche Welt balanciert auf einem stetig wachsenden Schuldenturm, der nur durch Inflation entschärft werden kann. Welcher Leistungsträger will in 10 Jahren in Deutschland leben, wenn er mit Rekordsteuern ausgepresst wird, gleichzeitig die Schulden und Straßen aussehen wie in Liberia, es keine Aussicht auf auskömmliche Rente gibt, das Sparen für's Alter wiederum durch hohe Inflation verunmöglicht
wird und zudem aufgrund der Migrationskrise die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist? Dann wird ein langsam aber stetig und stabil wachsender schlafender Riese wie Russland auf einmal hoch attraktiv. Einfach nur weil das Land *stabil* ist und eine Zukunft hat, die nicht nur als Müllablade-Halde für die Probleme der Gegenwart dient.

Zusammenfassend kristallisiert sich aus den 4 Aussagen "verzettelte Einheits-Währung", "ungleichmäßige Euro-Inflation", "Gefahr durch Hauskredite" und "Russland wird Einwanderungsland" ein Szenario für die Euro-Zone heraus, was bemerkenswert konkret und speziell ist und sich gut mit den aktuellen Entwicklungen deckt. Gerade die Aussage mit der ungleichmäßigen Inflation ist so originell und konkret, dass ich das als deutlichen Hinweis für den Wahrheitsgehalt der Schauung betrachte.


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