neue Seifenblasen (Schauungen & Prophezeiungen)

Sagitta @, Sonntag, 23. September 2018, 17:21 (vor 848 Tagen) @ Taurec1743 mal gelesen

Guten Abend!

Der von Taurec, Ulrich (und BB) zitierte Luzzatto als Quelle für die angeblichen 'Betrügeereien' des Pater Pio schreibt im Vorwort zu seinem Buch:

Diciamolo sin dall'inizio, forte e chiaro: qui, non si tratta di stabilire una volta per tutte se le piaghe sul corpo di padre Pio siano state vere stigmate, ne se le opere da lui compiute siano stati veri miracoli. Chi cercasse in questo libro la risposta
- affermativa o negativa - a domande di tal genere, farà bene a chiuderlo subito.

Mir liegt die italienische Ausgabe von 2007 vor; dort findet sich das Zitat auf Seite 9, etwa in der Mitte. Auf das Deutsch ist das:

Sagen wir es von Anfang an, laut und deutlich: hier es geht nicht darum, ein für alle Mal festzustellen, ob die Wunden am Körper von Pater Pio von Padre Pio wahre Stigmata waren, noch ob die Werke, die er getan hat, wahre Wunder gewesen sind. Wer in diesem Buch die Antwort - ob bestätigend oder verneinend - auf solche Fragen sucht, der täte gut daran, es sofort wieder zu schließen.

In einer Verteidigung gegen Angriffe, die sein Buch auslöste, legt Luzzatto erneut den Finger an diese Stelle, un dzwar mit fast denselben Worten:

Il libro non aspira a stabilire una volta per tutte se quelle di Padre Pio siano state vere stigmate, o se Padre Pio abbia compiuto veri miracoli. Perché non è questo il terreno sul quale deve misurarsi uno studioso di storia.

Das Buch zielt nicht darauf ab, ein für allemal festzustellen, ob es sich bei den Stigmata von Padre Pio um echte Stigmata handelte oder ob Padre Pio wahre Wunder vollbrachte. Denn das ist nicht das Feld, auf dem ein Geschichtswissenschaftler sich messen muss.

(Corriere della Sera, 30.10.2007)

Wenn nun ein Autor selbst sein Buch nicht so verstanden wissen will, dass es Betrügereien beweisen soll, dann frage ich mich, warum Leser des Buches das nun ganz anders interpretieren sollen.

Die kritischen Einwände direkt zu Pater Pio, die Luzzatto in seinem Buch zusammenträgt, sind im außerdem nicht selbst recherchierte sondern altbekannte, die zudem auch von anderen Historikern besprochen wurden, teils schon vor Luzzatto, teils im Nachgang zu seinem Buch. Ich muss mich deswegen nicht im Detail mich damit auseinandersetzen sondern kann auf diese Werke (etwa von Francesco Cas­telli, Sa­verio Gaeta, Andrea Tornielli u.a.) verweisen sowie auf den Bericht der Kommission zur Heiligsprechung von Pater Pio.

Luzzatto hält Pater Pio für einen der einflußreichsten Italiener des 20. Jahrhunderts. Es könnte (in meinen Worten) durchaus sein, dass heute mehr Italienerinnen zu ihm beten als zur Gottesmutter Maria - und mehr Pilger nach San Giovanni Rotonde gehen als nach Lourdes und Fatima zusammen genommen. Luzzatto schreibt (im Artikel im Corriere), dass die Geschichte um Pater Pio ein "fenomeno di immensa portata spirituale e temporale", also ein Phänomen von immenser spiritueller und weltlicher Bedeutung sei. Und Luzzatto tritt an, diese beeindruckende historischen Bewegung zu erklären. Dabei arbeitet er heraus, dass es weniger Pater Pio war als eben eine klerikal-faschistische Bewegung, die sich um Pater Pio (als Kristallisationskeim) herum entwickelt und das heutige Bild von ihm aufgebaut hat. Der spontane Verlgeich, der mir hierzu einfällt, ist Adolf Hitler, insofern dieser aus ebenfalls sehr einfachen Verhältnissen stammend einen Aufstieg und eine geschichtliche Wirkung ausgelöst hat, wie sie nicht oft gesehen werden. Insofern ist die Einschätzung, dass Pater Pio ein Betrüger gewesen sei, auch ein wenig lächerlich: etwa wie wenn man sagte, Adolf Hitler sei ein Betrüger gewesen. Oder Ernst Karl Frahm. Oder Gerhard Zigarre Gasprom habe die SPD betrogen - und Angela Merkel das deutsche Volk etc. etc.

Man sollte vielleicht eher die Frage stellen, warum Menschen sich so leicht betrügen lassen - oder gar betrogen sein wollen.

Was nun - anderer Punkt ... - Transzendenz ist, dazu kann jeder die Auffassung haben, die er für richtig hält. Ich selbst verstehe darunter Wirkmächte, auf die wir keinen Zugriff haben, die unsere Wirklichkeit aber umfassend determinieren. Das Gravitationsgesetz beispielsweise legt fest, dass materielle Körper einander anziehen, und es gilt offenbar 17 Milliarden Lichtjahre entfernt genauso im Universum, vermutlich auch 17 Millarden Jahre in der Zukunft noch. Niemand kann das ändern, noch sehen wir dieses Gesetz irgendwo geschrieben. Und diese Art Sachverhalt nenne ich transzendent. Genauso wie es nun physikalisch-transzendente Wirkmächte gibt, so gibt es sie auch in anderen Bereichen der Wirklichkeit, beispielsweise auch in allen zeitlichen Entwicklungen, etwa auch in der menschlichen Geschichte.

Pater Pio gehört zu jenen Menschen, die unter einer Neptun/Pluto-Konjunktion geboren wurden (hinzu kommt, dass 'bei ihm' weitere drei Planeten in der Nähe dieser Konjunktion sich befinden). Seine Körperlichkeit, seine seelische Entwicklung und seine öffentliche Wirksamkeit stehen deswegen stark unter jenen transzendenten Einflüssen, die (gemäß astrologischen Prinzipien und Zuordnungen) durch die Zeitstrukturen und Wirkqualitäten von Neptun und Pluto symbolisiert werden. *) Ein Studium seines Lebenslaufes unter diesen Gesichtspunkten ist außerordentlich lehrreich.

Manche Menschen leben derartige, das persönliche Schicksal prägende astrologischen Konstellation aktiv, andere dagegen 'passiv', d.h. die ersteren erschaffen neue geschichtliche Realitäten, die anderen konsumieren oder erleiden sie: Die einen, wie etwa Madonna, grölen und masturbieren auf der Bühne, die anderen schauen als zahlende Gäste zu - und finden das cool und geil. Die zahlenmässigen Verhältnisse zwischen den Aktiven und den 'Passiven' folgen dabei der Bevölkerungsstatistik, wenn man diese astrologisch betreibt. Führer werden zu anderen Zeitpunkten geboren als Geführte, Heilige zu anderen Zeiten als Betrüger. Von den je ersteren gibt es eher weniger, die letzteren sind recht zahlreich (entsprechend der astronomischen Verteilung der Konstellationen). Ich mache, nebenbei bemerkt, hierbei nochmals auf die Konstellationen 2019/2020 aufmerksam sowie auf ihre biographische Ausrollung bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts (für diejenigen, die unter diesen Konstellationen geboren werden).

@Ulrich und betreffend "Die Prophezeiungen von Johannes XXIII":

Dieses in der italienischen Version 1976, auf Deutsch dann 1982 erschienene Büchlein vom Autor Pier Carpi enthält einen Text, den der Autor Carpi nicht selbst geschrieben hat (leicht feststellbar durch einen Vergleich mit seinen anderen veröffentlichten Werken), sondern der ihm übergeben wurde. Er hat diesen Text nur editiert und kommentiert. Ich schätze diesen Text sehr, sein Herausgeber und dessen Kommentare sind für mich dagegen praktisch irrelevant, weswegen ich wohl auf Deine Fragen nicht eingehen brauche. Denn Du hast vor langer Zeit einmal diese Haltung gegenüber dem Text selbst passend ausgedrückt: Carpi rein in die Tonne, Prophezeiungen raus aus der Tonne. Wenn Du diese Deine Meinung inzwischen geändert hättest, wollte ich keinen Ehrgeiz entwickeln, Dich umzustimmen - sondern wünsche Dir nur ein langes uns glückliches Leben, damit Du ggfs. in 30 Jahren nochmals auf den Text und seine 'Erfüllung' zurückblicken kannst.

Irgendwer hat hier auf dem Forum vor ein paar Tagen nach einer Schau mit Jahreszahlen (2018/2019) gefragt. Für die auch zeitlich beeindruckend präzise Proph.John.XXIII ist es der Beginn jener Phase, die sehr lapidar so beschrieben wird:

Europa hat Durst. Es wird Blut in den Straßen haben.

Daran anschließend wird die wie folgend umschriebene Phase kommen:

Die Brüder des Ostens und des Westens werden sich gegenseitig umbringen und bei dem Überfall ihre eigenen Kinder töten.

Ich wünsche allseits einen schönen Sonntag Abend und eine gute neue Woche!

SGT

*) wer über die allgemeine Wirkung von NE/PL oder UR/NE in geschichtlichen Prozessen mehr erfahren will, findet Anregungen dazu auf einer Tagung Ende Oktober 2018:

http://www.kosmobiologische-akademie.de/tagungen/


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