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Die "jungen Teufel" mit zeitgenössischer Vorlage (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 21. September 2018, 09:38 (vor 850 Tagen) @ Einhorn1875 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Freitag, 21. September 2018, 09:48

Hallo!

Aber da hier ein eindeutiger Zusammenhang zu einem "Kurier" besteht, muss es dafür eine Erklärung geben. Und für mich ist nun die naheliegende Lösung, dass es sich um Sammlung von Prophezeiungen aus einer Begegegnung des Autors mit Irlmaier handelt, die zu einem Artikel aufbereitet werden sollte aber vorher jemandem vorgelegt wurde, der USA-betreffende Aussagen zensiert hat.

Das ist kaum die nächstliegende Lösung, da eine Begegnung mit Irlamier in keiner Weise erwähnt, geschweige den nachgewiesen wurde. Freilich hätte man gern einen Bericht aus erster Hand, statt des hundertsten Zusammenstöpselns bekannter Quellen. Einen solchen Hintergrund einfach zu behaupten, weil man ihn glauben will, ist indes nicht zielführend.

Ein daraus redigierter Artikel ist nie entstanden, oder nie erschienen. Was für mich sehr interessant war, ist der Hinweis von Anastasia auf das Datum im US-Format, 10.Dezember 1945, und das erste Erscheinungsdatum des "Donau-Kurier" am 11.Dezember 1945, einen Tag später.

Merkwürdig und diese Sache eigentlich unwahrscheinlich machend wäre der Umstand, das kein Deutscher das Datum auf die ungwohnte US-Art angeben würde, selbst wenn er einen Text abschriebe. Bei dem Punkt zwischen "10" und "45" scheint es sich mir eher um eben dies, einen etwas fester aufgedrückten Punkt zu handeln, nicht um ein Komma.
Wenn es aber dazu führt, irgendwo eine Zeitung aus dem Archiv zu fischen, um festzustellen ob der Artikel darin enthalten ist, meinetwegen.

Was spricht dagegen, dass dieser Artikel über Irlmaier, das "Schmankerl" der Erstausgabe sein sollte, und der Termin auf der Prophezeiungssammlung der Abgabetermin des daraus erstellten Artikels war? Natürlich gibt es auch andere Auflösungen, aber mit der kann ich gut leben.

Leben kann ich mit allerhand Dingen. Sie sollten aber nicht wild aus der Luft gegriffene Spekulationen sein, die ein Problem letztlich nicht lösen.

Für die vermutete nachträgliche Einfügung von ex eventu Aussagen kann ich mich nicht erwärmen. Cui bono? Nichts wurde publiziert, der Text verbrachte offensichtlich Jahrzehnte in Schubladen. Und diese angeblich eingefügten Texte sind nur jene, die sich auf Dinge beziehen, die zwischen 1945 und Mitte der Siebziger Jahre, dem Zeitpunkt der übergabe durch "Rudolf" and die Mutter von Mica, geschehen sind.

Es handelt sich ausnahmslos um Stellen, die in keiner anderen Irlmaierquelle verifiziert sind. Würde es sich tatsächlich um Irlmaierprophezeiungen handeln, wäre wenigstens eine derer von einem der unzähligen Zeitzeugen erwähnt worden. Das spricht geradezu für eine nachträgliche Einfälschung.
Ohne weitere Hintergrundinformationen können wir über die Entstehung und die Beweggründe nichts aussagen. Spekulationen und Festlegungen, um das Problem als irgendwie gelöst zu postulieren, sind müßig.

Würde die Übergabe in der heutigen Zeit erfolgen, würde die verblüffende Aussage: "von jungen Teufeln die sie Kinder nennen wird es wimmeln", die erst jetzt Sinn macht durch die Probleme mit den "Unbegleiteten Minderjährigen", natürlich auch zu den vermeintlichen "Fälschungen" gehören.

Die Aussage macht nicht jetzt erst Sinn. Du biegst schlicht die augenblickliche Zuwanderersituation darauf passend hin, machst aus jungen Männern, die ausnahmslos über das Kindesalter hinausgewachsen sind und sich oftmals als jünger ausgeben, als sie tatsächlich sind, mutwillig "junge Teufel, die sie Kinder nennen".
Ursache ist der übliche Zirkelschluß des freimütig glauben Wollenden:
1. Es handelt sich um eine Prophezeiung, die (so ist es beschlossen) einen wahren Kern haben muß.
2. Man sucht nach einer Bestätigung im Äußeren, da es als echte Prophezeiung (so ist es beschlossen) auch zwingend eine Bestätigung geben muß.
3. Man greift sich den nächstbesten Umstand heraus, interpretiert ihn um, biegt daran herum und erlangt die magische Bestätigung, die "nur so und nicht anders" paßt.

Ich würde die Teufelsaussage des Kuriers, heutige Übergabe vorausgesetzt, sicher nicht deswegen in die Tonne treten, schlichtweg weil es einfach sachlich nicht paßt.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit handelt es sich auch hier um eine Schöpfung des Volksmundes, der in der Gegenwart beobachtete Verfallserscheinungen zu Vorzeichen der Apokalypse umdeutet. Man wird wohl in der zeitgenössischen Prophezeiungsliteratur Beispiele für das Motiv und die Grundidee finden, nicht zwingend eine wörtliche Vorlage.

So etwa bei Helena Aiello, veröffentlicht auf Deutsch von Josef Stocker in "Der dritte Weltkrieg und was danach kommt", nämlich im Jahre 1978, zur Zeit der Übergabe des Kuriers.

Aussage angeblich vom 16. April 1954:
"Die Regierungen der Völker haben sich wie inkarnierte Dämonen erhoben, und während sie von Frieden sprechen, bereiten sie den Krieg mit den verheerendsten Waffen vor, um Völker und Nationen zu vernichten.
Sie sind undankbar geworden gegen mein heiligstes Herz, und, meine Gnade mißbrauchend, haben sie die Erde in einen Schauplatz von Verbrechen verwandelt. Zahlreiche Ärgernisse bringen die Seelen zum Ruin… insbesondere die Jugend. Aufgewühlt und zügellos im Genuß der Freuden der Welt, sind sie entartet in Verderbnis und Sünde."

Hier finden wir gleich zwei Elemente des Kuriers sinngemäß (nämlich als Ideen!) enthalten:
1. "Der Teufel wird ganze Regierungen gründen."
2. "[...] von jungen Teufeln die sie Kinder nennen wird es wimmeln."

⇒ Es handelt sich mitnichten um eine der wenigen vertrauenswürdigen Aussagen in einem Kanon prophetischer Endzeitmotive, sondern um den üblichen frömmelnden Sermon, der aus die Gegenwart der Textentstehung abgeleitet und darauf zurückprojiziert wurde.

Die Grundlage sind zeitgenössische Beobachtungen der Älteren aus dem traditionell-christlichen Milieu, nachdem mit zunehmender Amerikanisierung die spätbürgerliche Kultur Europas in eine Reihe sich abwechselnder Subkulturen aufgelöst wurde, die ihr Rebellentum produzieren: Beatniks und Hipster ab Mitte der Fünfziger, Hippies in den Sechzigern, die damit einhergehenden Studentenrevolten, Rocker- und Motorradclubs usw.

Denn das wäre ja so offensichtlich, dass es nachträglich eingefügt wurde, weil es ja so perfekt passt. Wie man auf diesem Gebiet, wenn eine Prophezeiung eingetroffen ist, grundsätzlich mistrauisch sein kann und zuerst vermutet, dass diese erst nachträglich erstellt wurde und damit Betrug ist, ist mir schleierhaft.

Daß es sich um eine eingetroffene Prophezeiung handeln würde, ist ein schlichtes selbstbezügliches, sich selbst an sich selbt beweisendes Glaubenspostulat. Weil es sich um eine echte Schauung (nicht Prophezeiung) handeln muß, greift man sich irgendeinen äußeren Umstand heraus und hat einen vermeintlich objektiven Beweis. In Wirklichkeit liefert die Prophezeiung nur das Interpretationsschema, um äußere Umstände in ihrem Sinne und zu ihrer Scheinbestätigung umzudeuten. Die Grundlage des Arguments ist nicht äußerlich, sondern liegt in der Aussage selbst, läuft in einem Zirkelschluß auf sich selbst zurück. Das wird natürlich dadurch begünstigt, daß es sich nicht um die Beschreibung eines Schauungsbildes handelt, über dessen Eintreffen im Äußeren es bei hinreichender Genauigkeit wenig Zweifel geben kann, sondern um eine diffuse und interpretierbare, moralische Wertung. Davon ausgehend findet man immer irgend etwas mehr oder weniger passendes.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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