Avatar

Abschrift des "Kuriers": Schriftbild und Schreibgerät (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 20. September 2018, 15:01 (vor 851 Tagen) @ Taurec1806 mal gelesen

Hallo!

Nach eingehender Betrachtung des Scans sollte man folgendes in Betracht ziehen:

1. Die Linienführung der Schrift entspricht nicht einem Füllfederhalter, wie er um 1945/50 in Gebrauch war: keine in Abhängigkeit von Winkel/Haltung wechselnden Strichbreiten, keine (aber auch nicht eine einzige!) Verwischung oder Verlaufen der Tinte, keine Tintenflecken etc. Hingegen weist die Schrift alle Merkmale eines späteren Kugelschreibers auf.

Geschichtes des Kugelschreibers: "Das Problem des Klecksens bekam erst der Franzose Marcel Bich in den Griff. Unter dem Namen BIC brachte er Ende 1950 seinen Kugelschreiber auf den Markt und läutete damit endgültig das Zeitalter des Kugelschreibers als Massenprodukt ein."

⇒ Anhand dessen läßt sich die Abschrift keinesfalls auf vor 1960 datieren!

2. Schriftbild: Ohne ein Graphologe zu sein, scheint mir die Schrift an sich nicht die eines Mannes zu sein, wie bei einer von Rudolf übergebene Abschrift zu erwarten wäre.
Mica: "[...], diese Blätter wurden ihr von unserem Nachbarn, der leider schon verstorben ist, ausgehändigt."

Die Schrift ist gleichmäßig, weist kaum Schwankungen auf und wenig charakteristische Eigenheiten, die das "System" durchbrechen, was mir mehr für eine Frau zu sprechen scheint, wohingegen Männer eher zur "Sauklaue" neigen. Diese Überlegung ist allerdings mit allerlei Unwägbarkeiten behaftet, weil Charakter und Schriftbild allenfalls im Durchschnitt zwischen den Geschlechtern variieren, individuell aber in beide Richtungen Ausreißer möglich sind: extrem häßlich schreibende Frauen und eine Schulmädchenschrift aufweisende Männer.

3. Schriftart: Es handelt sich nicht um die Sütterlinschrift oder die ältere deutsche Kurrentschrift, weist aber Anleihen am Sütterlin auf. Wikipedia läßt sich entnehmen, daß Sütterlin ab 1935 durch die "Deutsche Volksschrift" ersetzt wurde, das als Variante des Sütterlins bis 1941 gelehrt und schließlich durch die lateinischen Schreibschrift bzw. "deutsche Normalschrift" ersetzt wurde. Vermutlich hat die schreibende Person in dieser Übergangszeit zu schreiben gelernt.

⇒ Es dürfte sich um eine Frau handeln, geboren frühestens um 1930, welche diese "Abschrift" gegen Ende der Siebziger erst getätigt hat.

Die Blätter könnten von Rudolf an Micas Mutter ausgehändigt worden sein. Dann wäre aber Rudolf eher nicht der Schreiber gewesen, sondern vielleicht dessen Frau?
Es wäre auch denkbar, daß Micas Mutter selbst die Schreiberin war. Dann wäre Micas Angabe falsch. Möglicherweise hätte die Mutter eine Vorlage Rudolfs abgeschrieben, die ihrerseits Abschrift eines älteren Textes gewesen sein könnte usw...

Der Satz, "ein heiliger Papst wird kurz über die Erde gehen", der sich zweifelsohne auf Johannes Paul I. bezieht, datiert die Niederschrift fühestens auf Anfang Oktober 1978.

Es handelt sich keinesfalls um eine Abschrift, die um 1945/50 unmittelbar nach der Vorlage eines Zeitungsartikels oder (dann konfiszierten) Entwurfs getätigt wurde.

Bestenfalls lag ein zum Zeitpunkt der Abschrift schon um die 30 Jahre alter Text vor, der mit Zusätzen erweitert wurde.
Schlechtestenfalls gab es überhaupt keinen Artikel als Vorlage und der Text wurde aus Prophezeiungsliteratur über Irlmaier und eigenen Ideen zusammengebastelt.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


gesamter Strang:

RSS-Feed dieser Diskussion