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Überlegungen und Varianten zum unbekannten Kurier '45 (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 20.09.2018, 09:05 (vor 859 Tagen) @ Einhorn (1920 Aufrufe)

Hallo!

BBouvier hat mir in unserem E-Mail Verkehr einen Link auf Ihre Betrachtungen über die sog. Kurier-Abschrift gegeben, deren Ursprung ja einige Fragen aufwirft. Mir ist in ihr besonders das am Ende stehenden "dann konfisziert" aufgefallen. Wie soll denn das bei einer gedruckten Zeitung gehen? Meine Erklärung ist, dass es sich nur um die Abschrift eines Entwurfs für einen "Kurier" handelt, geplant für die Ausgabe vom 12.05.4. Dieser Entwurf wurde den Amis vorgelegt, die die letzten Passagen zensiert oder gestrichen haben. Aus welchen Gründen auch immer wurde dieser Entwurf dann nicht publiziert, weshalb auch sonst niemand von diesem Kurier-Artikel etwas weiß. Was halten Sie von dieser Lösung?

Die Variante wäre durchaus möglich, wenn es tatsächlich in der Nachkriegszeit einen "Originalkurier" geben würde. Sollte es sich beim 12.10.45 nicht um das geplante oder tatsächliche Erscheinungsdatum handeln, sondern um das Datum der handschriftlichen Abschrift, die wiederum als Vorlage für die vorhandenen Scans gedient hätte, wäre die Suche nach der Zeitung, die zudem nicht "Kurier" sondern ganz anders heißen könnte, noch vergeblicher als ohnehin schon.

Mir scheint aber, daß mindestens ein Bestandteil des Textes erst in den Sechzigern (frühestens) entstand, wie ich hier bereits ausführte.

Streicht man alle mutmaßlich erst später hinzugekommenen Passagen bleibt für den Ursprungstext folgendes übrig:

So groß die Not jetzt ist, so groß in 20 Jahren der Überfluß. Schmalz und Butter wird verderben, das Brot verworfen wie die Würste. Die Krämer stehen unter der Tür und rufen, kauft doch was ab.
Die Flüsse wird man aus ihren Betten nehmen, weil man ihre Kraft eine Zeitlang wird brauchen.
Man wird immer hochmütiger werden und dem Herrgott alle Ehre nehmen wollen. So wird man falsche Sterne unter den echten schieben. Die jungen Menschen werden fest ihre Herzen halten müssen, daß man sie ihnen nicht raubt um Geld.
Die Großen der Welt werden schnell wechseln. Ein heiliger Papst wird kurz über die Erde gehen. Man wird alle Ordnung durchbrechen wollen.
Durch Deutschland wird ein eiserner Zaun gehen, mitten durch, wer ankommt stirbt.
Alles wird im Westen ungehorsam gegen Gott, die Bischöfe streiten untereinander und mit dem Papst. Der Klerus wird vielfach vor die Hunde gehen. Im Osten wird viel Märtyrerblut fließen und im Keller viel, viel gebetet, mancher kniet im Keller und betet, denn man für einen Glaubensfeind hält.
Prag wird viel mitzumachen haben, wie die Ungarn. Prag wird aber ganz verschwinden in Rauch und Flammen aufgehen.
Straßen werden gebaut und jeder Lehrling hat sein Auto. Das Benzin, halt das Öl wird aus der Erde gesaugt, so wird sie innen trocken und rissig. Ich sehe viele Erdbeben.
Der Teufel wird ganze Regierungen gründen.
Betet, haltet die Gebote, Gott ist nahe. An einem Tag wie jeder andere höre ich seinen Schritt...
Amerika wird ihre eigenen Präsidenten ermorden. Die Schwarzen werden die Macht bekommen, die solange im Staub waren. Sittenlosigkeit, Verbrechen wird drüben als Originalität bezeichnet werden.
Ich sehe die Wolkenhäuser in sich zusammenstürzen. Amerika wird im Osten dauernd Kriege führen und nie mehr siegen. Gott hat sich abgewandt.
Rußlands Menschen, beten immer um Änderung, Beelzebub zieht nach China. Man wird alle Planeten besuchen um zu sagen, Gott wohnt nicht dort. Doch die Planeten spucken sie aus. Denn es sieht dort aus, wie auf der Welt, bevor Gott sie schuf.
Die Rotjacken kommen über Böhmen, nach Europa. In Westdeutschland. treffen drei Heereszüge aufeinander. Sie kommen in Abständen aus dem Osten. Dort steht dann Mann an Mann.
Zuerst wird die Stadt mit dem eisernen Turm sich selbst anzünden und Revolte mit der Jugend machen. der Stunk geht um die Welt. Bei Aachen ist die größte Schlacht der Weltgeschichte. Der Boden in Westdeutschland wird durch eine Kraft 10 Meter tief verbrannt. Aus dem Sande der Wüste Afrikas steigen die großen Vögel auf mit Todeseiern ohne Männer.
Ein Räuberfürst im Süden wird gegen Rußland antreten und großen Schaden machen.
Die Mutter Gottes wird viel kommen und warnen. Seuchen werden sein, die niemand kennt und helfen kann.
In Asien, in Indien und Lateinamerika wird eine Hungersnot ohne Grenzen sein, die Menschen werden ausgerottet durch eine fremde Kraft.
Viele gute Führer werden ermordet bis zum Krieg, denn nur Gott gewinnt.
England wird für alles bestraft. Ich sehe ein großes schwarzes Kastl, da sitzt niemand drinnen, dann Feuer, dann Rauch und es war England.
Die Hungersnot wird schrecklich, aber nicht lang. Schauet, daß eure Fenster und Türen gut schließen, denn man kann seinen besten Freund nicht einlassen sonst geht der giftige Rauch und Atem herein. Die Toten werden haufenweise davon auf den Straßen liegen. Die Bauernhäuser leer sein und das Vieh brüllen, da es niemand tränkt. In einer eisigkalten Nacht wird Donner ertönen, dann schließt Tür und Fenster, es bleibt 3 Tage finster wie in der tiefsten Nacht, die Kräfte des Himmels werden erschüttert sein. Habe ein geweihtes Licht zur Hand. Alte und Todkranke werden ihre Gesundheit erlangen wenn sie Gott entsprachen, die anderen sterben. Jetzt ist alles von den Bomben hin, dann gegen das Ende zu, werden die neuen Häuser wie die Pilze aus der Erde schießen, aber alle werden sie leer, von jungen Teufeln die sie Kinder nennen wird es wimmeln. Gehet gerade den Weg, wenn Amerika...... dann konfisziert,“

Alle herausgestrichenen Stellen sind im Grunde in der Zeit, in der die materiell vorhandene Abschrift entstand (spätestens Ende der Siebziger) erklärbar und stellen keinen Nachweis für Präkognition dar. Solange nicht das Gegenteil erwiesen ist, muß man von nachträglichen Hinzufügungen bzw. vaticniīs ex eventūs ausgehen.

Interessanterweise sind die verbliebenen (nicht durchgestrichenen) Stellen überwiegend nichts, was nicht zur Hauptirlmaierzeit (um 1950 herum) so oder ähnlich nicht bereits veröffentlicht worden wäre. Man wird für die meisten Sätze ein vergleichbares Beispiel in der Adlmaier- bzw. davon abhängigen Literatur finden.
Es kann daher durchaus sein, daß dieser Teil tatsächlich irgendwann in der Nachkriegszeit veröffentlicht wurde, aber wohl eher näher an 1950 als an 1945.

Eine Ausnahme scheint mir die grün markierte Stelle "Ich sehe die Wolkenhäuser in sich zusammenstürzen." zu sein. Dafür gibt es im 20. Jahrhundert kein Beispiel.

Möglichkeit 1: Es handelt sich tatsächlich um ein präkognitives Element über die WTC-Zerstörung.

Möglichkeit 2: Es ist ebenfalls ein vaticinium ex eventum und wurde erst kurz nach dem 11. September 2001 in die Abschrift eingefügt, die am 28. März 2002 veröffentlicht wurde. Unwahrscheinlich, weil dann Mica selbst in die Fälschung involviert wäre.

Möglichkeit 3: Der Satz stammt aus den Siebzigern, stellt aber ein Plagiat aus Bekhs 1976 veröffentlichten "spinnaden Schuster" alias Johann Kristl dar:

„Der ‚spinnade Schuster‘ hatte bereits anfangs dieses Jahrhunderts gesagt: Er sehe in der nächsten Umgebung hohe, himmelhohe Hauser (wir würden sie heute ‚Wolkenkratzer‘ nennen), Häuser mit Dutzenden von Fenstern übereinander. Er sehe aber auch einen Krieg, Verheerung und Blutvergießen. Erst ‚danach‘ sei Frieden. Auf die Frage, wann dieses ‚Danach‘ sei, antwortete der, Schuster: ‚Dann, wenn dort, wo ich die hohen Häuser sehe, wieder ebene Erde ist. Erst müssen die hohen Häuser verschwinden. Danach wird Frieden sein.‘“

Die "konfiszierte" Stelle (merkwürdige Wortwahl) soll sich offenbar auf die USA beziehen und unangenehme Aussagen enthalten. Leider war BBouviers Bekannter "L.", der einen Hang zum Fabulieren hat, welcher die Grenze zur Vertrauensunwürdigkeit deutlich überschreitet, keine zielführende Spur.
Es ist durchaus möglich, daß es diese Stelle in ausformulierter Form niemals gab und sie vom Fälscher lediglich andeutungsweise, als implizierende Negativform eingefügt wurde. Je nachdem, wann man die Entstehungszeit ansetzt, ergeben sich mehrere Möglichkeiten für den Grundgedanken eines Fälschers:

Entstehung 1945/50:
Wir sollen "gerade den Weg gehen" (uns nicht auf die amerikanische Seite ziehen lassen), wenn Westdeutschland in das atlantische Bündnis eingefügt wird oder wenn sich die USA in den Koreakrieg verwickeln. Dazu könnte der Satz passen: "Amerika wird im Osten dauernd Kriege führen [...]".

Entstehung um 1965 oder kurz darauf, nach amerikanischem Eintritt in den Vietnamkrieg, in welche Zeit auch die anderen Stellen passen:
Wir sollen uns aus dem amerikanischen Abenteuer des Vietnamkrieges heraushalten. Dazu paßt ebenfalls der Satz: "Amerika wird im Osten dauernd Kriege führen [...]"

Entstehung nach 1975, nach Ende des Vietnamkriegs und vor Übergabe der Abschrift durch "Rudolf":
Wir sollen uns auch weiterhin aus amerikanischen Abenteuern heraushalten, da sie den Zenit ihrer Macht, erkennbar durch den jüngst verlustigen Vietnamkrieg, überschritten hätten. Dazu paßt ebenfalls der Satz, "Amerika wird im Osten dauernd Kriege führen [...]", insbesondere der Nachsatz: "[...] und nie mehr siegen".

Entstehung nach dem 11. September 2001 und Beginn des Afghanistankrieges am 7. Oktover 2001, kurz vor Veröffentlichung des Textes durc Mica im Prophezeiungsforum:
Wir sollen uns aus den jüngsten amerikanischen Abenteuern heraushalten, wenn wir ihnen nicht in den Untergang folgen wollen.

In jedem Falle handelte es sich natürlich nicht um originalen Irlmaierwortlaut. Dies ist unwahrscheinlich wie auch die (bei Irlmaier noch unwahrscheinlichere) Variante, daß in der konfiszierten Stelle tatsächlich eine valide Schau über künftiges Weltgeschehen beschrieben wäre / sein sollte.

Um irgendeine diese Varianten zu validieren, wäre es dringend nötig, eine Originalvorlage aus der Zeit 1945/50 einzusehen oder die Existenz einer solchen wenigstens auszuschließen. Leider fehlt hierzu im Augenblick jeglicher Ansatzpunkt. Es ist jedenfalls nicht damit getan, irgendwelche kaum bekannten Lokalzeitungen aus Archiven zu fischen, weil es ohne Kenntnis des Erscheinungsdatums und des Namens der Zeitung höchstens einen Zufallstreffer geben könnte.

Möglicherweise könnte die Kenntnis, in welchem Umfelde der Überbringer "Rudolf" verkehrte, welchem Beruf er nachging, mit welchen Leuten er zwischen 1945 und 1980 zu tun hatte, Aufschluß geben, in welcher Richtung zu graben wäre. Das müßte Mica aufklären.
Es wäre möglich, daß Rudolf oder eine seiner Bekanntschaften entweder im Zeitungsgeschäft tätig oder im Prophezeiungsmilieu unterwegs war, so daß sich daraus entweder der Text eines echten Zeitungsartikels oder die Fiktion eines solchen ergibt.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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