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Woher Irlmaier den Gekreuzigten mit den Wundmalen übernommen hat (mit Nachsatz an Randomizer) (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 09.09.2009, 11:30 (vor 4240 Tagen) (7220 Aufrufe)
bearbeitet von Forumsleitung, Mittwoch, 09.09.2009, 11:57

Hallo!

Maria Beatrix Schuhmann (gestorben 1887) war eine stigmatisierte Seherin und lebte in Pfarrkirchen bei Altötting, war also beinahe eine Nachbarin Irlmaiers.

20 Jahre vor ihrem Tode hatte sie die folgende Vision:
"Sie sah am Himmel in einem hellen Licht ein stark glänzendes Kreuz, woran der noch mit größerer Helligkeit glänzende Leib des Gekreuzigten hing. Hernach zeigte sich auf der Brust des Erlösers das alle anderen Lichterscheinungen überstrahlende Bild des göttlichen Herzens. Zugleich mit diesem Bild am Himmel bemerkte sie auf Erden eine Schlacht und einen weißgekleideten Fürsten, der an der Spitze einer kleinen Heldenschar vor dem Kreuz betete. Die Soldaten warfen die Waffen weg und liefen dem Herzen Jesu zu."

Quelle: Maier, Wilhelm: Marie Beatrix Schuhmann. Passau 1914.
Von mir zitiert nach einer Neuauflage des alten Buches von Alfons Konzionator von 1920 "Der kommende große Monarch" (St. Andrä Wördern 1992).

Irlmaier sagte:
"Am Himmel kommt ein Zeichen, der
Gekreuzigte mit den Wundmalen, und alle werden es sehen."

"Während oder am Ende des Krieges sehe ich
am Himmel das Zeichen, der Gekreuzigte mit den Wundmalen, und alle
werden es sehen. Ich hab es schon dreimal gesehen, es kommt ganz gewiß."

Dasselbe taucht auch bei Kugelbeer auf:
"Ein Kreuz erscheint am Himmel. Das ist das Ende der Finsternis Die Erde ist
ein Leichenfeld wie eine Wüste."

Meine Vermutung: Ebenfalls geklaut.

Stephan Berndts Argument, Irlmaier habe nicht geklaut, weil Adlmaier schreibt, "ich sehe", ist meines Erachtens nicht zu halten.
Die Ähnlichkeit der Aussage mit der Schuhmanns und die räumliche Nähe zu ihrem Wohnort, so daß Irlmaier mit ziemlicher Sicherheit von ihr wußte, bringt mich zu der Ansicht, daß Irlmaier nie im Leben dieses Bild selbst gesehen hat.
Meines Erachtens hat Adlmaier Aussagen Irlmaiers in seinem Heftchen so formuliert, daß man den Eindruck bekommt, eine Aussage Irlmaier ginge auf eine eigene Schau zurück. Adlmaier gibt wohl nicht Irlmaiers Wortlaut wieder.

Damit wird jede mechanische, physikalische Deutung dieses Kreuzes obsolet, weil es sich ursprünglich um eine religiöse Erscheinung handelt, also ein symbolisches Bild.
(Da fällt mir beispielsweise Detlefs Idee mit dem Kreuz des Südens ein. Das haut so nicht hin.)

Der weißgekleidete Fürst erinnert an die Birkenbaumsage in der mündlichen Fassung auf dem Stande von 1849, also bevor Schuhmann ihre Vision hatte:
"Dieser Fürst wird von Mittag kommen. Er
trägt ein weißes Kleid mit Knöpfen bis unten hin. Er trägt ein Kreuz auf der
Brust, reitet auf einem Schimmel und steigt von der linken Seite auf das Pferd,
weil er mit einem Fuße hinkt. Dieser Fürst wird so kühn sein, daß ihm
niemand widersteht. Er wird Friedensstifter sein.
Groß ist seine Strenge. denn er wird alle Tanzmusik und üppige
Kleiderpracht abschaffen. Morgens wird er in der Kirche zu Bremen Messe
hören. (Andere sagen: Er wird Messe lesen.) Von Bremen wird er nach der
Haar (eine Anhöhe bei Werl) reiten; dort wird er seine Ruhekissen fordern
und mit seinem Perspektive nach der Gegend des Birkenbaumes sehen und die
Feinde betrachten. Darauf wird er an Holtum (einem Dorfe bei Werl)
vorbeireiten. Bei Holtum steht ein Kruzifix zwischen zwei Lindenbäumen; vor
diesem wird er niederknien und eine Zeitlang mit ausgestreckten Armen beten.
Darauf wird er seine Soldaten, die weiß gekleidet sind, in das Treffen führen,
und nach blutigem Kampfe Sieger bleiben. An einem Bache, der von Abend
nach Morgen fließt, wird das Hauptmorden sein. Wehe! Wehe Budberg und
Söndern in jenen Tagen. Nach dem Kampfe wird der siegreiche Feldherr in
der Kapelle zu Schafhausen an der Haar eine Anrede halten."

Denkbar, daß Schuhmann das Buch von Theodor Beykirch, eine populäre Prophezeiungssammlung jener Zeit, kannte und den weißen Fürsten von dort übernommen hat.

Wir sollten uns jedenfalls grundsätzlich mit der Vorstellung anfreunden, daß viele Motive in den Schauungen lediglich abgeschrieben sind, bzw. maßgeblich von älteren Vorlagen und Vorstellungen beeinflußt sind. Gleichlautende Formulierungen oder einander entsprechende Symbole sind kein Indiz für Deckung, sondern für Abkupfern.

Gruß
Taurec

Post scriptum:
So langsam sollte Randomizer mal mit seiner Gegenüberstellung von Irlmaier und dessen Vorlagen fertig werden, denn mittlerweile finden wir die Sachen selbst heraus.
Ich zitiere vom 4. Mai diesen Jahres:

@taurec: falls ich den geplanten irlmaier-aufsatz bis zum herbst nicht
fertig haben sollte, poste ich dann die versprochene gegenüberstellung bei
dir im forum, grundsätzlich wäre mir aber
die abhandlung in papierform wesentlich lieber.

Herbst haben wir nun bald: Randomizer, wie schaut es denn nun aus?

Mit dem Lindelied sind wir intern auch schon ein bedeutendes Stück weiter und das kann ich nicht ewig, auf ihn Rücksicht nehmend, für mich behalten. Spätestens, wenn ich mein Buch herausbringe, muß ich die Erkenntnisse selbst veröffentlichen. Das Lied der Linde ist wegen seiner Popularität zu wichtig, um von mir ausgespart werden zu können.
Die Zeit läuft!


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


Gesamter Strang: