Sehr schöne Zusammenstellung (Freie Themen)

Ranma (らんま), Montag, 07. Mai 2018, 04:27 (vor 991 Tagen) @ Taurec2899 mal gelesen

Hallo!

Wenn BBouvier früher argumentierte, das Prophezeiungsszenario sei nun wahrscheinlicher geworden, weil die Bundeswehr demontiert und ein widerstandsloser Durchmarsch erst jetzt richtig möglich wäre, basierte dieses Urteil auf der damaligen Leichtgläubigkeit, welche Prophezeiungen pauschal für wahr hielt, so daß im Denken nur deren Richtigkeit noch weiter bestätigende Gedanken in Frage kamen.
Derart geistig verengt gerät so mancher in einen vom Wahn umfächelten Zustand, in dem nur eine singuläre "Wahrheit" wahrgenommen wird (und verrennt sich dann z. B. in Sackgassen-Einbahnstraßen-Theorien wie die "Langzeitstrategie", die man nicht richtig bewerten kann, weil sie augrund des naiven Prophezeiungsglaubens ebenfalls wahr sein muß).

Ausgerechnet BBouvier leichtgläubig, geistig verengt und vom Wahn umfächelt?

Vielmehr ist es wohl so, daß in die damalige Interpretation wohl auch zeitgenössische echte Schauungen einflossen, die ein konventionelles und in Zukunft durchaus mögliches militärisches Engagement Rußlands in Nord- und Mitteleuropa zeigen, welches aber in die apokalyptische Endschlachtdoktrin mißinterpretierend eingebaut wurde.

Und darum sollten sie nun aus der Doktrin herausgelöst und neu betrachtet werden.

Beispiele:

  • BBs Hauptmann: „Schau eines befreundeten Offiziers von 1973. Damals 29, Hauptmann ‚S‘. Mir berichtet 1973. Er sieht sich selbst, aber ich meine, er sieht das eher durch die Augen eines Anderen: In Skandinavien sind die Russen eingefallen und er wird dorthin per Schiff verlegt. Er ‚weiß‘, dort wird er im Kampf fallen. Sagt mir 1973: ‚Wenn es mal soweit ist, dann mach ich das nicht, das ist mein Tod.‘“

Nach Skandinavien ist es von Deutschland aus schon ein paar Kilometer. Diese Schau dürfte daher zum Arktiskrieg der 2040er gehören.

[*]Ein zur Schauungszeit dreizehnjähriger Bauernjunge: „In diesem Bild ist Sommer. Gutes Wetter. Ein ansteigender Wiesenhang direkt vor ihm, mit nur ein paar Dutzend Schritten bis zur Horizontlinie. Weit kann er nicht sehen. Nur das Stückchen ansteigender Wiese vor ihm. Er sitzt im Turm seines Panzers. Es ist Krieg. Seine Einheit befindet sich, Richtung Feind gesehen, am Hinterhang in gedeckter Aufstellung und wartet auf den Befehl, die paar Meter vorzurollen bis zur Sichtlinie. Dann wird es losgehen. Hinter dem Hang ist der Feind oder nähert sich. Darüber weiß er nichts. Bis zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht im Gefecht. Besonders aufgeregt schien er nicht gewesen zu sein.“

Das verrät nur, daß Panzer mit aus Menschen bestehenden Besatzungen noch in Gebrauch sein werden.

[*]Erna Brandt (wohl vor 1955): „Ich sah russische Panzer in Rottenburg (Neckar) einmarschieren. Es war an einem trüben Tag, die Straßen waren feucht, Nebel lag über der Landschaft, aber es gab weder Regen noch Schnee. Als ich aufwachte, hatte ich noch immer das unheimliche Rasseln der Panzer im Ohr. Auch hörte ich das Donnern herannahender Flugzeuge.“

Panzer und Flugzeuge. Keine Schlacht, eher ein widerstandsloser Durchmarsch.

[*]Adolf Schwär in einigen seiner zusammenhanglosen Einzelszenen: „Ich sah eine Menge Leute beieinanderstehen, Deutsche und Franzosen, nachher in Gliedern zu Kompanien. Ich fuhr mit dem Mistkarren an ihnen vorbei. Nachher mußten die jungen Leute einrücken bei etwas Hochwasser. Auch sah ich Polen darunter. Die Ähren standen hoch, so Ende Juni.“
„Zunächst stürzte eine schwere Bombe vor meine Füße. Ich war furchtbar erschrocken und glaubte nicht, daß ich davonkommen würde. Dann war ich in einer Kaserne. Es wurde mobil gemacht, aber es waren wenig Mannschaften da. – Dann sah ich große Massen von feindlichem Militär auf uns zukommen. Auf die feindlichen Truppen wurde nicht geschossen. Nachher waren wir mitten unter ihnen. Männer mit langen Säbeln, in russischer Kleidung. Sie hatten nichts mit uns. Sie kamen von Osten in drei bis vier Kolonnen. Ich reiße ein MG hoch, aber es fällt niemand um. Dann ruft es noch laut: ‚Somit besteht jetzt eine unabhängige Volksrepublik!‘“

Besonders interessant wegen der bisher übersehenen Stellen. Deutsche und Franzosen und Polen rücken zusammen ein. Während des Kalten Krieges völlig unvorstellbar gewesen. Das feindliche Militär macht Schwär anhand der russischen Kleidung als feindlich aus. Die eigenen Truppen schießen nicht auf die Russen. Die Russen tun auch den deutschen Truppen nichts. Ist das etwa Krieg? Sieht nicht danach aus. Jedenfalls nicht nach einem Krieg, in dem die Russen den Deutschen feindlich gegenüberstünden.

[*]Russische Besatz in einem Dorf nahe Duisburg: „Der Mann lebt in einem kleinen, linksrheinischen Zeilendorf. Jenes wird in der Vision von einer versprengten Gruppe feindlicher Soldaten ohne reguläre Vorgesetzte heimgesucht, welche darin über mehrere Wochen plündern, vergewaltigen und die Bevölkerung terrorisieren.
Die Russen setzen sich dabei im letzten Hause am Ende des Dorfes fest. Das ist taktisch sinnvoll, um zu verhindern, von Widerständlern umzingelt zu werden. Dieses von militärischen Laien schwerlich zu erfindende Detail spricht für Echtheit der Schau.
Von dort aus terrorisieren die Russen die Bevölkerung, morden und vergewaltigen. Der Rechtsanwalt war derart geschockt ob seiner Schau, daß er in der ganzen Umgebung Fluchtziele und Verstecke auskundschaftete.“

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Letzteres, womöglich irrig als "Beweis" für die bösen Russen gewertet, und andere Blitzvisionen (z. B. die "Fichten in Bogen", wo die Russen Panzer abladen) mögen sich durchaus im Rahmen künftiger Konflikte abspielen, aber unabhängig vom prophezeiten Überraschungsangriff.

Versprengte Truppen, von denen die Bevölkerung terrorisiert wird, sind im Krieg wohl eher normal. Daraus kann man nichtmal darauf schließen, auf welcher Seite die Truppen eigentlich stehen.

Daß die Deutschen je wieder Massenheere aufstellen, halte ich schon aus demographischen Gründen für ausgeschlossen.

Davon gehe ich auch aus. Trotzdem sollen die Verteidigungsausgaben in naher Zukunft steigen. Also dürften ein paar Veränderungen in Angriff genommen werden. Längerfristig dürfen menschliche Soldaten durch Roboter ersetzt werden. Während der 1990er galten Panzer schonmal als veraltet. In Zukunft würde man die nämlich alle durch Hubschrauber ersetzen. Vielleicht verschwinden die Panzer noch. Roboter tun sich bisher leichter damit, sich durch die Luft zu bewegen als entlang dem Boden. Mehr an solche Veränderungen denke ich bei der Frage wie lange ein Krieg noch so aussehen wird wie heute.

Gruß

乱馬


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