Avatar

Spengler verstehen (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 27. April 2018, 15:39 (vor 1000 Tagen) @ Sagitta3200 mal gelesen

Hallo!

Am schnellsten wird man mit dem Thema vertraut, wenn man selbst nach derartigen zyklischen Strukturen in der Geschichte sucht. Wie etwa Herr Spengler. Den also nicht nur nachlesen sondern bitte nachmachen und vertiefen!

Der Unterschied zwischen Dir und Spengler liegt darin, daß Spengler einen metaphysischen Ausgangspunkt hat, von dem her er die Geschichte als die Lebensläufe hoher Kulturen betrachten kann. Sein Grundgedanke ist die goethe'sche Urpflanze, die als die platonische Idee des Lebens selbst hinsichtlich seiner inneren Organisation und der Phasen seiner Entwicklung von der Geburt bis zum Tode dasteht und sich in vielfältigen Formen, aber stets nach dem gleichen Gesetze entfaltet.

Einen solchen metaphysischen Ansatz vermisse ich hingegen bei Deinen Zyklenspielereien. Du sortierst die Ereignisse in gleiche Intervalle ein, die sich wie ein (allerdings unsauberes) Uhrwerk wiederholen.
Bei Spengler haben die Hochkulturen eine Lebenserwartung, die ähnlich biologischen Arten um einen bestimmten Richtwert herum variiert, aber bei jedem Exemplar letztlich individuell ausfällt. Ein Jahrtausend ist unscharf genug. Es können mehr oder weniger Jahre sein. Auch endet die Entwicklung nicht in allen Lebensbereichen und bei allen Völkern in der selben Generation. Gleichsam können sowohl innerhalb einer Kultur die Lebensphasen bei verschiedenen Völkern und in verschiedenen Regionen etwas versetzt ablaufen, als auch zwischen Kulturen, deren Lebensläufe man per Analogie parallelisiert. Es ist ein Gesetz, aber kein Korsett. Die Relationen passen, aber nicht die absoluten Werte. Es sind lebend sich entwickelnde Organismen mit gleich dem Herzschlag variablem Takt, keine gleichgetakteten Roboter. Spenglers Ansatz ist organisch, Deiner ist anorganisch. Dir mag es vielleicht anders erscheinen, aber darauf läuft es letztlich hinaus, wenn man selbst dreijährige Zyklen unterscheidet.
Nicht zuletzt siehst Du Dich genötigt, durch die recht mechanische Wiederholung Deiner Zyklen irgendwelche gerade zufällig dann stattgefundenen Ereignisse an die Knotenpunkte zu setzen, die nicht durch eine höhere geschichtliche Logik miteinander verbunden sind. Wenn die Wirklichkeit nicht paßt, verfälschst Du einfach die Jahreszahlen. ;-)
Im spengler'schen Ablauf liegen an den Epochenwechseln hingegen Ereignisse, die logisch aufeinander aufbauen, z. B.: Im Kampf gegen die Fronde bemüht der Herrscher das städtische Volk gegen die Urstände und das Bauerntum. Die Feudalherrschaft endet, die reine Staatsform mit absolutem Herrscher und Volk beginnt. Am nächsten Epochenwechsel wird wiederum der Alleinherrscher durch das erstarkte Volk (Bürgertum) abgeschafft. In einer nächsten Umwälzung wird die bürgerliche Demokratie durch die Herrschaft des Arbeiters abgelöst usw. Es sind sinnvoll und gesetzmäßig sich auseinander entwickelte Lebensphasen, die sich nicht nur in Lebensbereichen (Politik, Religion, Kunst, Wissenschaft, Philosophie) gleichen, sondern auch zwischen den Hochkulturen.

Es hat also wenig Sinn, wenn Du Dich auf Spengler berufst und mir auch noch sagst, wie ich mit ihm umgehen soll, wenn Du selbst offenbar einen Ansatz pflegst, der mit ihm fundamental nicht vereinbar ist.
Hast Du ihn etwa selbst nicht gelesen oder nicht verstanden?

Spengler nachzumachen und zu vertiefen hieße etwa, auf dem Wege fortzuschreiten, den Ernst Jünger in "An der Zeitmauer" skizziert. Demnach beschreibt Spengler, um bei der Analogie der Pflanzen zu bleiben, den inneren Aufbau eines Baumes und seine Entwicklung, sieht aber ob der Betrachtung einzelner Organismen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Fragen der Standortgemeinschaften, warum bestimmte Baumarten an bestimmten Orten mit bestimmter Standortgunst in Gesellschaft mit anderen Organismen gedeihen, behandelt er nicht. Auf Hochkulturen übertragen müßte man sich fragen, warum zu bestimmten Zeiten der Geschichte Hochkulturen in bestimmten Erdregionen entstehen, ob und wie sie aufeinander aufbauen oder gar einander als "natürliche Feinde" behindern, mithin also die Frage stellen, welche innere Gesetzmäßigkeit sich in der Menschheitsgeschichte, als "Kulturwald" betrachtet, insgesamt vollzieht. Dieser Ansatz würde Spengler nicht widerlegen, sondern seine Idee einbegreifend durch ein weiteres Stockwerk im Lehrgebäude vervollständigen.
In Deinem Räderwerk mit wackelig ineinandergreifenden Zahnrädern sehe ich das nicht. Das gleicht mehr einer Maschine, die den Baum auseinandersägt, um dann die Ringe zu zählen, statt das Pulsieren der Lebensadern begreifen zu wollen, die an einem toten Baumfragment natürlich nicht sichtbar sind.

Ich mag mich täuschen. Vielleicht gibt es eine geistig-metaphysische Grundlage in Deinem System. Solange Du sie nicht darlegst, muß ich aber unterstellen, daß Du nur Muster suchst und vielleicht später eine Erklärung bemühst, statt zunächst eine Idee auszubilden, aus der heraus sich die Muster organisch ergeben. Auf Deinem Wege läuft man natürlich Gefahr, Scheinkorrelationen zu absurden Gebilden zusammenzufügen.

Wie vor einiger Zeit das beispielsweise Herr Theodor Henzler getan hat. *)
*) http://bewusstseinskultur.com/das-buch/

Das scheint mir auf den ersten Blick Spengler nicht unbedingt weiterzuentwickeln, sondern eine vereinfachte, auf archäologischen Befunden basierende Reproduktion zu sein.
Das kann durchaus interessant sein. Zu Spenglers Zeiten hatte man noch weniger Befunde, zudem war Spengler ein Laie mit lausigen archäologischen Kenntnissen, die mit ihm im Austausch stehende Fachleute oft den Kopf schütteln ließen.

Wegen Merkel aber schlage ich vor, einfach bis 2021 abzuwarten. Vielleicht fallen mir bis dahin ein paar weitere Voraussagen ein, so dass man sie alle auf einen Schlag beurteilen und von 'bloßen Behauptungen' unterscheiden könnte (wie viele sollten es denn sein, damit das statistisch gesehen 'durchgehen' mag?).

Ich vermute, daß Du diese in bequem ferner Zukunft liegende Ankündigung nicht wahr machst, weder Deine Behauptungen erläuterst, noch weitere Belege lieferst. Bei Dir muß man stets genau hinsehen und herausstellen, daß Du in der Regel nur schön umschriebene, klügelnde Andeutungen und Umschreibungen machst, die den unaufmerksamen Leser dazu verleiten, Wissen und Substanz zu unterstellen. Anders ist diese Aussage an Remi nicht zu deuten: "Dass ich Merkel bis 2021 als Kanzlerin sehe, ergibt sich mir aufgrund einer Kenntnis zyklischer Strukturen der Geschichte - der Einfachheit halber mag man das als Astologie bezeichnen, insofern es zwischen beiden Sichtweisen und Methoden gewisse Berührungspunkte gibt."
Weder erläuterst Du diese Kenntnis der zyklischen Strukturen, noch stellst Du die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur Astrologie heraus. Dem Leser ist nicht klar, ob diese Kenntnis tatsächlich eine ist oder nur eine Einbildung. Eine bloße Behauptung und Meinungsbekundung ohne Erläuterung ist eben nichts. So läßt sich auch, falls Merkel tatsächlich bis 2021 Kanzlerin bliebe, nicht bestimmen, ob Du einen roten Faden in der Geschichte gefunden oder nur zufällig richtig gelegen hättest.

Auch in Deiner Antwort gehst Du nicht weiter auf Deine Theorie oder meine Kritik ein, sondern vollziehst in Deiner typischen Art ein Ausweichmanöver, indem Du auf Spengler verweist und damit ein neues Thema beginnst.
Ich hätte ja gerne zur Erläuterung, damit dem Leser nachvollziehbarer wird, worum es geht, diesen Beitrag im Gelben verlinkt (der die Erklärung ebenfalls dem Forum verweigert und auf ein nie stattgefundenes, schön nicht zitierfähiges und damit sachlich unverbindliches Forumstreffen verlegt), aber leider sind die Bilder darin verschwunden (von denen ich annehme, daß sie im Wesentlichen denen entsprechen, die ich noch auf meiner Festplatte gespeichert habe und auf denen mein Beitrag basiert).

Oder auch ich schreibe mal ein Buch ...

Nicht, wenn ich's verhindern kann. ;-)

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


gesamter Strang:

RSS-Feed dieser Diskussion