OT Politik: Die Amerikanische Revolution und der Deutsche Michel (Freie Themen)

bollywood @, Mittwoch, 10. Januar 2018, 17:18 (vor 282 Tagen)2339 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Donnerstag, 16. August 2018, 11:39

Hallo liebe Freunde,

ich lese sehr viel. Besonders solche Sachen über Geschichte. Ich finde dieses Zeug faszinierend.

Gelegentlich schaue ich auch Fernsehen. Letztens erst war ich durch einen Unfall eine Zeit ans Bett gefesselt, da habe ich mir "Turn: Washington's Spies" in einem Durchlauf reingezogen.

Interessanter Weise kommt diese Serie mit relativ wenig "social engineering" aus. Selbstverständlich darf die "Starke Unabhängige Frau" nicht fehlen und auch die belesene Negersklavin und ihr Sohn bringen das nötige Opfer an den Zeitgeist, indem sie entscheidend zum Sieg der Rebellen unter Washington beitragen.

Darüber hinaus aber kämpfen heldenmütige (weiß-beige) Männer unter Einsatz ihres Lebens für ihre Überzeugungen. Tatsächlich wird das auch so dargestellt und das ist doch schon etwas in der heutigen Zeit.

Im Mittelpunkt der Serie stehen die Personen, aus denen der Culper Ring bestand, der durch seine Spionagetätigkeit zum gelingen der Revolution beigetragen hat.

Die weitere Handlung soll hier allerdings unbeachtet bleiben, mir geht es mehr um das Zeitgemälde, in welches sie eingebettet ist.

Folgende Dinge fand ich äußerst beachtenswert.

1. )Die "neuen" Amerikaner hatten eine feste Volks-Identität entwickelt, in deren Wahrnehmung sie sich nicht mehr als Untertanen der britischen Krone empfanden, sondern britische Soldaten als fremde und tyrannische Besatzungsmacht.

2.) Die zahlreichen unterschiedlichen Konfessionen der Bürger und die Aufklärung förderten die Lösung von der über Jahrhunderte fest verankerten Überzeugung, dass das Königsrecht göttlichen und daher unabänderlichen Ursprungs sei.

3.) Die Rebellen hatten eine kompetente und mutige Führung.

4.) Die Führung der Rebellen hatte Zugriff auf mutige Männer, die bereit waren, ihre Komfortzone zu verlassen. :-)

5.) Die gesamte Bevölkerung war bewaffnet.

6.) Bereits damals wurde eine psychologische Kriegsführung durch Pamphlete und Pressehuren betrieben.

Beachtenswert sind diese Dinge insbesondere dann, wenn man sie mit dem heutigen Deutschland oder gern auch anderen westeuropäischen Ländern kontrastiert. Nach meiner Wahrnehmung und verallgemeinernd sind dies im Folgenden:

1.) Es gibt keine Volks-Identität mehr. Der moderne Mensch fühlt weder dem Land gegenüber eine Verpflichtung, in dem er und die Seinen seit Generationen hausen, noch den Menschen gegenüber, mit denen er durch Sprache, Gebräuche und Gene eine tiefe Verbindung teilt. Alle sind nun einfach "Mensch". Dadurch gibt es keinen Nächsten mehr und auch keine Fremden. Selbst die Besetzung und Umerziehung durch amerikanische Besatzungstruppen, die bis heute anhält, wird durch die Deutschen unhinterfragt als gelungene Intervention zur Herstellung der "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" wahrgenommen.

2.) Es gibt eine Einheitsreligion die sich "Demokratie und Wissenschaft" nennt. Diese besagt, dass der moderne Mensch in der besten aller Zeiten lebt, diese Zeiten selbst geschaffen hat, mittels Demokratie selber für sein Schicksal verantwortlich ist und noch dazu sich selbst sein eigener Gott ist.

3.) Der westliche Dissident moderner Provenienz führt nicht. Er schreit in Internetforen den deutschen Michel an, er möge bitte doch endlich aufwachen und Kraft der "freiheitlichen-demokratischen Grundordnung" für Recht und Ordnung sorgen. Natürlich alles bitte streng rechtsstaalich und demokratisch und auch möglichst bitte immer ein anderer! Manch einer sogar möchte Deutschland retten, in dem er Horden von kulturfremden Wirtschaftsmigranten mit Wischmop und Zahnbürste auf den Dreck an deutschen Bahnhöfen zu hetzten gedenkt. :-)

4.) Der westliche Dissident hat Zugriff auf Männer, die sich entweder im Namen des Hedonismus zu Tode schuften oder mittels Television selbst lobotomieren.

5.) Die Bewaffnung des modernen Mannes besteht aus seinem Smartphone, Selfies und Facebook. Damit macht er Jagd nach "Freunden" die er Trophäen gleich in seiner Freundesliste zur Schau stellt.

6.) Die Eltern selbst haben mittlerweile die Rolle von Pamphleten und Pressehuren übernommen. Anstatt ihre Kinder zu schützen, liefern sie diese aktiv einem Zeitgeist aus, der sie mittels Dauerberieselung durch verblödende Fernsehsendungen zu einem sinnentleerten Streben nach zügellosem Konsum und Hedonismus verdammt. Sie zahlen sogar bereitwillig dafür.

Es sieht also ganz danach aus, als ob bald die Nacht anbricht für den faustischen Menschen und seine Kultur, ganz im Sinne Spenglers. Der Drops ist gelutscht, das Gemächt baumelt schlaff auf Kniehöhe (oder für Feministen: Die Hänger gehen bis zum Bauchnabel), das Gewebe entartet und wird vom Krebs zerfressen.

Alles das, was zu Erneuerung erforderlich wäre, ist nicht vorhanden. Das habe ich für mich als Lehre gezogen aus der Geschichte der amerikanischen Revolution.

Mit besten Grüßen

der lustige bollywood


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