Avatar

Widersprüchliche Spekulationen (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 10.01.2018, 11:40 (vor 1147 Tagen) @ Sagitta (4375 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 10.01.2018, 11:49

Hallo!

Es grenzt fast schon an Beleidigung, wenn Du mir Hübschers 'Große Weissagung' als Fachlektüre zur Malachias-Prophezeiung empfehlen möchtest. Denn dieses Buch ist (nicht nur) zu Malachias absolut nichtssagend.

Mitnichten. Es erlaubt, Malachias als Teil der übergeordneten europäischen (Endzeit-)Weissagungstradition zu erkennen. Ohne diesen Hintergrund kommt man auf jeden Fall zu falschen Schlüssen.

Ulrich:
"Thibaut meint belegen zu können, daß die "Malachias-Prophezeiung" in ihrem "historischen" ersten Teil zwar konkret auf Wappen oder Person der Päpste Bezug nimmt, in ihrem "prophetischen" zweiten Teil aber niemals dazu gedacht war, die Identität / Person der Päpste zu umschreiben, und schon gar nicht dem Zweck diente, einen "letzten" Papst definierbar zu machen, sondern vielmehr, die Etappen der Kirchengeschichte zu charakterisieren."

Mein Wortschatz (Croissant, Café au lait) reicht leider nicht, um mir eine Meinung zu bilden, ob Thibauts Thesen (zwar "echte" Prophezeiung, aber ohne prognostischen Wert bzgl. zukünftiger Päpste) stimmig oder abwegig sind."

Wobei wohl eher zu abwegig zu tendieren ist. Schon die Bildung einer Reihe mit den Päpsten vor 1590 darauf hin, daß jedes Motto einen Papst charakterisiert. Mich würde interessieren, wie er diesen Bruch plausibel anhand der Ratio, d. h. des Sinnes und Zweckes des Textes, der in einer Tradition mit älteren gleichartigen Vatizinienreihen steht und u. a. eine politische Fälschung für die Papstwahl 1590 darstellt, erklären will.
Auch bei den älteren Vatizinien handelt es sich keineswegs um mystische Charakterisierungen ganzer Epochen, sondern um Voraussagen zu einzelnen Personen.

Merkwürdig oder bezeichnend ist, daß er wie viele vor 2012 auf 2012 als Wendejahr kommt:

"Fr. Thibaut says that 2012 signifies the end of an era in the history of the Church, recalling how other eras have come and gone. The destruction of Jerusalem in A.D. 70 marked the close of an era, as did the fall of Rome in the fifth century. The fifteenth century saw the end of medieval Christianity with the Reformation. (p.22) The Revolutions of the eighteenth and nineteenth centuries as well as the World Wars of the twentieth century were events which manifested the judgment of God as well as signaling changes for the Church and the world. (pp. 88, 92, 96)Throughout such stages, the Church has been guided by the successors of St. Peter." (Quelle)

Blöd nur, daß 2012 nichts geschah, das auch nur ansatzweise an die oben genannten Wendepunkte erinnert. Der Übergang zu Franziskus ein Jahr später und das kirchengeschichtlich keineswegs einmalige Abdanken eines Papstes reicht dazu gewiß nicht aus. Seiner eigenen Ankündigung folgend wäre er nun widerlegt.

Ich gehe aber mal davon aus, daß Du das Buch wie immer selbst nicht gelesen hast. ;-)

Hier wird auch auf Philipp Neri als eigentlichen Autor verwiesen (was aber nicht ganz richtig ist; etwas näher kommt man an die Sache, wenn man dessen 'Oratorium' kennt).

Das solltest Du mal besser ausfüllen, statt nur einen diffusen Hinweis zu geben. Solange Du dies nicht tust, gehe ich bei Dir davon aus, daß Du solche Andeutungen nur zum Vortäuschen profunden Wissens machst, und eigentlich nichts oder weniger als gedacht dahinter ist.
Damit Du nicht wieder wortreich auf Nebengleise ausweichst: Wie weist das von Philippo Neri gegründete Oratorium auf die Autorschaft bezüglich der Malachiasweissagung hin?

Es gibt ferner Bezüge der Malachias-Prophezeiung zur Papstgalerie in der Basilika Sankt Paul vor dem Mauern (in Rom), auf die hier einst @Odin, leider sehr abschätzig, hingewiesen hat. Denn der Kern der Prophezeiung von Malachias sind inhaltliche Epochen der Papstgeschichte.

"Über den Säulen zieht sich ein langes Band von 265 Medaillons mit den Porträts der Päpste hin. Die Porträts von Päpsten vor dem 16. Jahrhundert sind Phantasiedarstellungen. Erst seit dem 16. Jahrhundert bilden realistische Porträts die Vorlage. Einer Legende nach kommt Christus wieder, wenn kein Platz mehr für ein weiteres Medaillon vorhanden ist. Als unter Johannes Paul II. nur noch drei freie Stellen vorhanden waren, wurden 25 weitere Plätze angelegt, sodass heute noch 26 Plätze zur Verfügung stehen."
(Quelle)

Die Basilika wurde erst im 19. Jahrhundert in der heutigen Gestalt errichtet. Nicht klar ist, ob in der ursprünglichen Version die selbe Anzahl freier Plätze vorhanden war.
Es ist aber möglich, daß entweder die Kirche in Anlehnung an die Malachiasprophezeiung gestaltet wurde oder daß sich der Malachiasfälscher an der (damaligen) Anzahl der Medaillons orientiert hat. Daß ein Zusammenhang besteht, läßt die Tatsache vermuten, daß die Portraits im 16. Jahrhundert von phantastischen zu realen Darstellungen übergingen. Wurde die Gallerie also etwa zeitgleich mit der Entstehung des Malachias errichtet?
Das bedeutet aber keine inhaltliche Stütze, welche für die Echtheit der Prophezeiung sprechen würde.

Wie kommst Du übrigens auf die Idee, daß überhaupt ein Zusammenhang bestünde?
Einerseits behauptet Du, Malachias enthielte keine Papstpersonen, sondern Epochen, andererseits weist Du auf eine Kirche hin, die Portraits einzelner Papstpersonen enthält.
⇒ Abermals einer der gerhard-/sagitta-/weinertypischen Selbstwidersprüche in ein und demselben Beitrag, die darauf hindeuten, daß er ablenkende Nebelbomben wirft, die nicht zusammenpassendes vermischen (oder schlicht nicht die Ahnung vom Thema hat, die er zu haben vorgibt).

Sehr eingehend hat sich Olaf Shom Kirtimukh mit dem Pseudo-Malachias befasst und darauf bauend einen Roman geschrieben, der (wenn ich mich richtig erinnere) in 2001 zum ersten Mal erschienen ist, unter dem Titel > La vigilia dell'Eternità <, und in dem ein Jesuitenpapst vorausgesagt wird. Es folgten dann 2004 und 2013 Neuauflagen unter dem Titel > Vigilia della Fine <.

Ein Roman kann wohl kaum als sachliche Auseinandersetzung mit dem Stoff herangezogen werden, der man Informationen entnimmt.

Und sie ist im Übrigen nur die Spitze eines Eisberges von weiteren umlaufenden Vatizinien und Traditionen. Letztere lassen sich mit ihr (quasi als Netz) ganz gut einfangen.

Die natürlich inhaltlich nicht übereinstimmen, sich aber aufeinander aufbauen. Das stützt eher, daß es sich bei Malachias um kein eigenständiges, geschweige den präkognitives Werk handelt.

Olaf Kirtimukh (ist ein Pseudonym für einen in Indien Geborenen, der aber wohl deutsche Wurzeln hat) verweist hierzu etwa auf das uralte "Caput nigrum" (römischer Volksmund), das in der Malachiasprophezeiung dediziert (!?) fehlt, und sieht es im Doppelpack Ratzinger/Bergoglio realisiert: Ratzinger hat einen Mohrenkopf im Wappen, und Bergoglio ist als Jesuit ein Vertreter des "Schwarzen Papstes" der Jesuiten.

Das hatten wir doch schon vor Jahren ausgeschlossen:
Wohl eher eine Phantasiegeschichte

"The alleged existence of these words, however, is not supported by any source, except for the aforementioned novel."

Da von Kirtimukhs Buch 2013 eine Neuauflage erschien, sollte zudem ausgeschlossen werden, daß er den "Caput Nigrum" erst 2013 anläßlich der Wahl Bergoglios ex eventu aus der Taufe hob. Hast Du eine ältere Auflage eingesehen? Ich kann mich nicht entsinnen vor 2013 von "Caput Nigrum" gehört zu haben.

Darf ich im Übrigen darauf hinweisen, daß Du auch hier Deiner eingänglichen Annahme selbst widersprichst, daß Malachias Epochen statt Personen enthielte? Wenn man sich auf Caput Nigrum kapriziert (wovon aufgrund der fehlenden Quellenlage dringend abzuraten ist), kann Thibaut nicht richtig liegen und vice versa.

Die Statuen von Benedikt und Ignatius stehen auf der Kolonnade des Bernini eigenartigerweise direkt nebeneinander, und hier muss man sich auskennen, um die Zusammenhänge zu verstehen (das vierte Gelübde der Jesuiten gilt der bedingungslosen Treue zum Papst, insofern also Ratzinger und Bergoglio nicht getrennt werden können, ein Jesuit mithin nur auf diese Weise 'frei' handeln und Papst sein kann).

Demach hätten schon vor 350 Jahren in Anlehnung an Deine behauptete Caput-Nigrum-Verbindung ein Jesuit und der Heilige Benedikt in Statuen gezielt nebeneinander platziert werden müssen. Das setzt voraus, daß Bernini bzw. seine Auftraggeber nicht nur der "Caput Nigrum", für den es keinen alten Beleg gibt, bekannt gewesen wäre, sondern daß er eben jenen und Gloria Olivae auch noch richtig als Papstnamen (Benedikt) und als Jesuitenpapst (Franziskus) gedeutet hätte. Das ist so unwahrscheinlich, daß man es auschließen kann.
Es fügt der Angelegenheit außerdem die völlig neue (denkbare) Dimension einer Kirchenverschwörung hinzu, die seit mindestens 350 Jahren auf die Abfolge Ratzinger (der seinen Namen entsprechend des "Plans" hätte wählen müssen) und Franziskus hingearbeutet hätte. Da wird es langsam aber sicher endgültig absurd.

Sehr viel wahrscheinlicher ist, daß Du von Deiner abwegigen Theorie ausgehend Dir rückwirkend per überbewerteten Scheinkorrelationen eine Bestätigung zurechtkonstruierst.

Was Du hier lieferst, sind allesamt keine Bestätigungen des Malachias, sondern Einflüsse, die Malachias nach seiner Veröffentlichung auf die Kulturgeschichte oder einzelne Autoren hatte, die natürlich selbst mehr irrational irgendeine Echtheit unterstellten. Keiner Deiner Einwürfe befaßt sich mit der ursprünglichen Feststellung, daß es sich um eine aus älteren Vatizinienreihen hervorgegangene politische Fälschung zur Beeinflussung der Papstwahl(en) 1590 handelt, deren Schluß wohl mehr zufällig genau in unsere Zeit reicht. Vielmehr spinnst Du ein widersprüchliches Geflecht aus Spekulationen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


Gesamter Strang: