Lindenlied: Hingerl, Konzionator und "der Erde Riß" (Schauungen & Prophezeiungen)

randomizer @, Sonntag, 31.12.2017, 03:48 (vor 1310 Tagen) @ IFan (3304 Aufrufe)
bearbeitet von randomizer, Sonntag, 31.12.2017, 03:59

Hallo IFan!

kein Zweifel an Deiner tiefgehenden Kenntnis und meistens guten Interpretation, aber selbst bei sorgfältigem Vorgehen kann einem einmal eine Ungenauigkeit unterlaufen. Hierzu möchte ich zählen [...]

Weitgehend stimmt das natürlich, aber "der Erde Riß" fehlt. "Das Krachen des Donners wird die Erde erschüttern" reicht nicht zur Erklärung, meine ich.

Dein Einwand ist berechtigt, diese Ungenauigkeit darfst Du mir aber nicht zum Vorwurf machen, sie wurzelt in den Quellen: Die Strophen des Lindenliedes folgen inhaltlich und chronologisch ja generell Konzionator, der Wortlaut ist bei vielen Versen zwingend, Konzionator als Vorlage ist folglich absolut unstrittig. Dagegen ist der Wortlaut "der Erde Riß" ungenauer und deutlich weniger zwingend, es gibt nun zwei Möglichkeiten:

  • hermeneutisch: Hingerl hat die glückliche Formulierung "der Erde Riß" nur zufällig und des Reimes wegen gewählt.
  • philologisch: Hingerl könnte sich in diesem Fall, angeregt durch Konzionators Literaturhinweis auf Seite 44, womöglich den französischen Original-Wortlaut Jahennys besorgt haben (Baron de Novaye: Demain...? Paris 1905), um "großer Riß" bzw. "Spaltung der Erde" von dort zu kennen.

Beides ist gut denkbar; die weiteren Aspekte haben Taurec und Ulrich in ihren Antworten ja schon erschöpfend ausgeleuchtet.

Viele Grüße!
randomizer


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