"The crimson milk of human blindness" * (Freie Themen)

Fenrizwolf @, Samstag, 02. Dezember 2017, 05:17 (vor 1143 Tagen) @ Baldur3802 mal gelesen
bearbeitet von Fenrizwolf, Samstag, 02. Dezember 2017, 05:29

Hallo!

In der Medizin würde man vermutlich von einer Superinfektion sprechen, d. h. der Organismus ist durch eine Virusinfektion so sehr geschwächt, daß sich eine bakterielle Infektion noch obendrauf setzt.

Manch ein Virus schafft es gar, auf seinen Wirt derart psychoaktiv zu wirken, daß es ihn zu selbstmörderischem Verhalten veranlaßt – Mäuse rennen Katzen furchtlos in die Fänge.

So lange genug einflußreiche Profiteure ein stabiles Gefüge mit der willfährigen, unmündigen Masse eingehen, ist jedes Wettern gegen einen kannibalistischen Globalkapitalismus vergeblich.

Die Profiteure sind meist identisch mit ideologisierten Funktionären, deren Identifikation mit den neuen Spielregeln um ein Vielfaches stärker sein dürfte, als jene der opportunistischen Arbeitstiere.

Durch ein Myzel an wechselwirkenden Abhängigkeitsmustern wird das Versagen der Gefolgschaft auch ein Sägen am Aste auf dem man endlich platzgenommen hat.

Die Verlockungen und Annehmlichkeiten waren einfach zu groß, die Indoktrination zu ausdauernd und allzu gegenwärtig, und der gesellschaftliche Druck zu drastisch, um nicht in die Falle zu gehen.

Auch wenn dieser Kollos wie aus einem Guß erscheint, sind die Fugen zwischen den Selbstgekrönten und ihren treuen Ergebenen, wie auch der duldsame Gehorsam, aus einem Stoff gemacht, der natürlichem Verschleiß unterliegt: Konsens.

Ein aktuelles Beispiel:

Aufgrund der räumlichen Nähe habe ich mich mit dem Angriff auf Altenas Bürgermeister etwas eingehender befaßt.

Auch wenn mir jener nicht persönlich bekannt ist, könnte man ihn wohl als seriösen, volksnahen Verwaltungsprofi klassifizieren, dem das „C“ der CDU noch etwas bedeutet.

Ich mag mich irren, aber ich halte ihn grundsätzlich für authentisch. Auf lokaler, übersichtlicher Ebene, regiert man auch nicht 20 Jahre, wenn man sich keinen Rückhalt in der Bevölkerung erwirbt.

Diesem Mann wurde von einem bisher unauffälligem Bürger ein Messer an die Kehle gesetzt, wobei es im Zuge der Abwehrhandlungen zu leichten Verletzungen beim Bürgermeister und einem Helfer kam.

Die Presselandschaft überschlug sich daraufhin mit Schlagzeilen über einen fremdenfeindlichen Mordversuch an einem Politiker. Auch die Justiz ließ sich nicht lumpen, und klagte in aller Messerschärfe an: versuchter Mord.

Im Fernsehstudio bei Sandra Maischberger folgte dann der mediale Höhepunkt der politischen Aufarbeitung der Tathintergründe, während man sich fragte, „wie verroht ist unsere Gesellschaft?“ – so der Titel der Sendung.

Bei der Schilderung des Geschehens in seinem persönlichen Erleben hatte Bürgermeister Dr. Hollstein mein aufrichtiges Mitgefühl, und erwarb sich sogar weitere Sympathien, wobei das Lokalkolorit dabei sicherlich ein Rolle spielt.

Doch in Gegenwart der Aura eines Heiko Josef Maas offenbarte er sich mit Hingabe als Kanzlerinnengetreuer Apparatschik, der „rechte Brunnenvergifter“ als Grund des Übels ausmachte.

Bei aller offenkundlichen Nähe zu SPD-typischer Weltanschauung, die er als CDU-Politiker hegt, scheint er bei aller überschäumenden Sozialpolitik dessen eigentlichen Sinn und Zweck zu verkennen.

Man durfte in der Sendung bestaunen, wie ein eigentlich bodenständiger Sachpolitiker sich als treuer Knappe an die Seite Maas‘ stellte und Merkels Handeln regelrecht heroisierte.

Das, so sei vermerkt, geschah unter der völligen Ignoranz der profanen mutmaßlichen Motivation des Täters.

Jener drohte aufgrund seiner Arbeitslosigkeit sein Eigenheim durch Zwangsversteigerung zu verlieren, und der Bürgermeister, welcher auch einer der beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Altena ist, stellte ihm kurz zuvor das Wasser ab.

Heiko Maas konstatierte trocken, daß es eben so sei, daß einem das Wasser abgestellt wird, wenn man seine Rechnungen nicht bezahlt. (Hollstein stimmte mit einem trockenen Kopfnicken zu.)
Außerdem sei es ja ungehörig, Zusammenhänge zwischen „Flüchtlingspolitik“ und eigener finanzieller oder sozialer Not herzustellen.

Obdach, Wasser und soziale Integration will er Menschen von anderen Kontinenten hinterhereichen, aber arbeitslose Mauer trotzen Wind und Wetter, und verdursten wohl nicht so schnell – da sie eh lieber Bier als Wasser saufen.

Die Kosmetik an der Bevölkerungsstatistik des schrumpfenden Altenas wurde zumindest statistisch durch die Einbruchzahlen relativiert.
Dr. Hollstein war sich sicher, daß der Täter Opfer sog. Brunnenvergifter wurde, die anonym und wütend andere Bewertungen des Ansiedlungsprogramms vornehmen – also schlicht hassen.

Man konnte sich des Eindruckes nicht erwehren, daß der Bürgermeister den Angreifer generell für viel zu minderbemittelt hielt, um einen eigenen moralischen Standpunkt einzunehmen.

Der Täter ist Opfer des Arbeitsmarktes und Schröders „Heart’s-Fear-Reformen“, sozial kultiviertem Narzißmus und behördlicher Terrormaschinerie – aber Brunnenvergifter sollen die Schuld tragen.

Ein Maurer mit Alkoholfahne ist vielleicht kein Kandidat für eine Hochschulprofessur, aber er könnte einer jener sein, die Schlaglöcher flicken.
Aber für solche Kleinigkeiten holt man in meiner Kommune Bauarbeiter aus Litauen!

Ist es die Altersweisheit die mir flüstert, daß der Täter wohl vielmehr ein paar Minuten lang sein Leid teilen wollte, anstatt ernsthaft töten zu wollen?

Diese Hybris, dieser Unverstand wird wohl noch viele Fässer rasender Verzweiflung zum überlaufen bringen, und einige davon werden nicht voller Tränen sein, sondern voller heißem Zorn und Pech.

Mit freundlichen Grüßen

Fenrizwolf


* Zitat Jeff Walker aus dem Lied "Blind Bleeding The Blind" (Carcass)


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