Literaturempfehlung (Übersinnliches & Paranormales allgemein)

Sagitta, Mittwoch, 20. September 2017, 12:03 (vor 754 Tagen) @ Taurec4064 mal gelesen

Hallo!

Das Kapitel "Aufmerksamkeit und Bewußtsein" im Buche "Biologische Psychologie" von Birbaum/Schmidt im Springer Verlag (ISBN-10 3-540-25460-9). Dort werden die relevanten Grundlagen dargestellt (ab Seite 495).

https://www.amazon.de/Biologische-Psychologie-Springer-Lehrbuch-Niels-Birbaumer/dp/3540254609

Zwischen Aufmerksamkeit und Bewußtsein besteht ein Unterschied: an Alzheimer erkrankte Patienten mögen sich aufmerksam den Schuh binden können, sind sich aber beistehender Personen (oder gar sich selbst) nicht mehr bewußt. *)

Im Schauungszustand sollten sowohl Aufmerksamkeit wie auch Bewußtheit einigermaßen ordentlich funktionieren. Heute kann das instrumentell 'von außen' kontrolliert werden (ich habe hierzu das Institut von Haffelder in Stuttgart erwähnt).

Ich selbst gebrauche gerne den Vergleich des Cowboys (=Aufmerksamkeit) mit Pferd (=Bewußtheit), der eine Herde (= die Gegenstände der Aufmerksamkeit bzw. des Bewußtseins) zusammenzuhalten versucht. Im hypnotischen Zustand ist volle Fokussierung der Aufmerksamkeit erreicht (unter Ausblendung aller übrigen Reize, d.h. anderer denkbaren Bewußtseinsinhalte). Es herrscht jetzt maximale Aufmerksamkeit - nicht unbedingt aber volle Bewußtheit mehr, denn letztere setzt eine gewisse Flexibilität und Fluktuation der Aufmerksamkeit voraus. ***). Übrigens haben ordentliche Cowboys auch noch einen Hund. Der meldet sich (in der Analogie gesprochen) gelegentlich auch bei Schauungen. Vielleicht hat hier ja jemand eine Idee, was ich damit meine ...

Ich unterstelle hier also, dass Bewußtsein und Aufmerksamkeit vorhanden sein müssen, damit eine Schauung 'wahrgenommen' und 'ins Gedächtnis gelegt' werden kann. Darüber ließe sich aber ggfs. diskutieren. Manchmal hat man eine präkognitive Schauung im Traum, nimmt aber diesen Traum nicht wahr bzw. hat ihn nach dem 'Aufwachen' vergessen (er erscheint dann möglicherweise später als Déjà-vu-Erlebnis wieder). Auch telepathische Informationen mögen nicht die Schwelle des Bewußtseins und (nachgehend) der Aufmerksamkeit erreichen, sind aber trotzdem vorhanden. Derartige Prozesse fließen dann in das sog. "stille Wissen" ein, das aber auch ganz normale Quellen hat: wir wissen alle still, dass auch morgen die Sonne wieder aufgeht - und die Weltenwende nicht am 27. September stattfindet ...

Wenn man über Bewußtsein (und Aufmerksamkeit) diskutieren will, sollte man vorher die Fakten zu diesen Phänomenen kennen. Hier auf diesem Forum müßte der Gesichtskreis dann ausgedehnt werden in den Bereich der "Außergewöhnlichen Erfahrungen" (traditionell = PSI), den die normale biologische Psychologie, die an Universitäten gelehrt und erforscht wird, jedoch in der Regel ausblendet. ***) Andernfalls landet man nicht nur in Pseudoreligion sondern auch in Pseudophilosophie.

MfG, Sagitta

*) ein neueres, sehr interessantes Experiment, um Aufmerksamkeit und Bewußtheit zu differenzieren, findet sich hier:

https://www.mpg.de/4637047/aufmerksamkeit_und_bewusstsein

**) das ist der entscheidende Unterschied zwischen dem Menschen und anderen höheren Säugetieren, dass nämlich der Mensch hinsichtlich der Kontrolle und Steuerung seiner Aufmerksamkeit unendlich mehr Freiheiten und Optionen hat als das Tier (dessen Aufmerksamkeit u.a. von Notwendigkeiten, Instinkten, Trieben etc. bewegt wird). Der Mensch erwirbt sich dies dadurch, dass er bei der Geburt nicht ausgereift ist, viele Jahre oder gar Jahrzehnte der Brutpflege bedarf (bei manchen Menschen und vor allem in Staatssystemen oft sogar lebenslang ...) und er während dieser Zeit ein Fenster für externe Prägungen hat (Modifikationen von neuralen Mustern bzw. Verhalten = Lernen). Diese Prägungen werden durch 'Kulturtechniken' etabliert und stabil gehalten (und ggfs. wieder modifiziert, wodurch der eigentliche geschichtliche Prozess entsteht). Kulturfähigkeit und permanente Offenheit für neue neurale Prägungen/Umprägungen bedingen sich gegenseitig und machen die eigentliche Conditio Humana aus.

***) vgl. hierzu Kohls, N. B. (2004): Außergewöhnliche Erfahrungen – Blinder Fleck der Psychologie? Münster: LIT Verlag.


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