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Maichles Unsinn und Nostradamus IX/48

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 08. September 2017, 08:32 (vor 165 Tagen) @ Malbork
bearbeitet von Taurec, Freitag, 08. September 2017, 12:27

Hallo!

Nun die Frage an die Profis hier. Was sagt ihr dazu? Wurde der Quatrain richtig uebersetzt? Wie habt ihr ihn gedeutet?

Richtig übersetzt hat ihn Maichle in groben Zügen. Daraus folgt aber nicht, daß auch seine Behauptung zuträfe.

Wie ich bereits feststellte, ist Maichles Methode eine derartig hohle Nummer, daß sich zwei widerstreidene Schlußfolgerungen aufdrängen:

1. Die "Methode" ist dermaßen blöde, daß Maichle ihre Unsinnigkeit eigentlich selbst bekannt sein müßte. So dumm kann man eigentlich nicht sein. (Wobei ich einschränkend zugeben muß, daß ich die Meßlatte, wie dumm Menschen sein können, im Laufe der Zeit aus eigener Beobachtung schon erheblich senken mußte. ;-))
Der Kern seines Vorgehens besteht darin, so lange willkürlich die Buchstaben um Stellenwerte in Buchstabenreihen zu verschieben, bis er ein Ergebnis erhält, daß zu seinen Vorstellungen paßt.

Er hat drei verschiedene Buchstabenreihen mit zugeordneten Zahlenwerten. Die Anfangsbuchstaben jeder Zeile verschiebt er in allen drei Buchstabenreihen um Werte, die er sich selbst ausgedacht hat. Die Ergebnisse, aus denen er mittels der zugeordneten Zahlenwerte kein passendes Datum machen kann, sortiert er aus.
Das große Problem: Durch das willkürliche Verschieben in drei Buchstabenreihen kann er de facto aus jedem Anfangsbuchstaben jeden bliebigen anderen Buchstaben mit jedem beliebigen Zahlenwert machen. Das ist notwendigerweise gleichbedeutend damit, sich willkürlich irgendwelche Zahlen auszudenken, ohne überhaupt auf Buchstabenverschiebung zurückzugreifen.
Er könnte seine Algorithmen (horizontal, vertikal, neutral) auch weg lassen und statt dessen Buchstaben aus seiner Nudelsuppe fischen. Es wäre haargenau das selbe!

[image]

Im Wesentlichen denkt sich Maichle willkürlich Daten aus und täuscht durch Schwurbelei eine historisch fundierte Methodik vor, um den Laien hinters Licht zu führen.

2. Obwohl ihm obiges eigentlich klar sein müßte, versteigt sich Maichle in Naherwartung und stellt Behauptungen auf, die sich nach wenigen Monaten zwangsläufig selbst widerlegen müssen. Nach wenigen Fehlschlägen dürften ihm scharenweise die Leser den Rücken kehren, so daß lediglich die Zahl notorisch Lernresistenter bleibt, die sich auf dem Niveau seiner Veröffentlichungen befindet.
Sollte es sich bei Maichle um einen platten Scharlatan handeln, müßte er eigentlich klüger vorgehen und ein etwas weiter gespanntes, weniger fadenscheiniges Netz spinnen, in dem sich die Leute länger verfangen. Mir scheint fast, er fällt auf seinen eigenen Unsinn herein, vermeint Muster zu erkennen, wo gar keine sind, und überzeugt sich subjektiv selbst, am 21. Dezember 2017 würde außerhalb der Saison ein Hurrikan Boston verwüsten.

Maichles "Methode" ist das Paradebeispiel für dümmlich-naiv-gläubige Zirkelschlüsse, in denen der Gläubige den Beweis seiner Annahmen aus sich selbst ableitet. Eine außerhalb der eigenen Argumentation liegende exterene Bestätigung liegt tatsächlich nicht vor, da jeder "Beweis", um überhaupt Zusammenhang zu haben, nur mit der Methode konstruiert wird. Am 21. Dezember wird nichts passieren, das zu Maichles Behauptung paßt. Die erhoffte Bestätigung wird ausbleiben.

Sollte um den 20. Dezember tatsaechlich etwas passieren, wuerde ich an Maichles Stelle schnell die Sachen packen und untertauchen. Gewisse Dienste wie der Mossad, CIA, MI5 oder FSB duerften an den anderen Dateien interessiert sein.

Die Geheimdienste können mit Maichles Methode, auch ohne ihn in Karbonit einzufrieren, alle Erkenntnisse ziehen, die sie haben wollen, z. B. daß Putin Transvestit wäre und Kim Jong Un mit Hitler in der hohlen Erde Schach spiele. Er hat sein Vorgehen ja ausführlich und durchsichtig auf seiner Webseite dargelegt. Die Geheimnistuerei um die verschlüsselte Datei beruht lediglich darauf, einerseits Wichtigkeit vorzutäuschen, andererseits sich nicht festzulegen, ehe nicht durch reale Ereignisse (Hurrikan Irma) die nötige Grundspannung erzeugt wurde, um die aufgeschreckten Fliegen an sein Licht zu locken.

Zur Feier des Tages noch unsere Übersetzung des Quatrains IX/48:

La grand cité d’occean maritime,
Enuironnee de maretz en criſtal:
Dans le ſolſtice hyemal & la prime,
Sera temptee de vent eſpouuental.

Die große Stadt des Meeresozeans,
Umringt von kristallenen1 Fluten2.
Zur stürmischen3 Sonnwende4 und Morgenstunde5,
Wird erfaßt6 von schrecklichem Wind.

1 Altgr. „κρύσταλλος“ („krýstallos“) = „Eis“, „Bergkristall“. Hier könnte also auch „eisige Fluten“ stehen.
2 Vermutlich eine Verschreibung von „marées“ („Fluten“). Von Übersetzern wird „maretz“ in der Regel als „marais“ („Sümpfe“) gedeutet. Das hat erstens im Verszusammenhang keinen Sinn und entspricht zweitens nicht der Schreibung „marestz” des Wortes, wie sie in IX/21 verwandt wird.
3 Lat. „hiemalis“ = „winterlich“, aber auch „stürmisch“.
4 Lat. „solstitium“ = „Sonnenwende“, insbesondere die „Sommersonnenwende“. Die Wintersonnenwende wurde in der Antike „bruma“ genannt. Erst später bürgerte sich die Unterscheidung in „solstitium aestivum“ („Sommersonnenwende“) und „solstitium hiemalis“ („Wintersonnenwende“) ein.
5 Mfrz. „prime“ = „hora prima“, die erste Stunde nach Sonnenaufgang gemäß der antiken römischen Tageseinteilung.
6 Lat. „temptare“ = „berühren“, „angreifen“.

Z. 1: Welche Stadt gemeint ist, bleibt unklar. Die Tautologie "Meeresozean" weist wohl auf den Atlantik hin statt auf ein läppisches Nebenmeer. Insofern könnte jede Stadt zwischen London (Seemacht England) und Buenos Aires gemeint sein, am wahrscheinlichsten aber ein Ort am Nordatlantik. Vielleicht New York, wie Johansson impliziert?
"Unter den nordamerikanischen Städten wurden folgende als besonders betroffen bezeichnet: Chicago, Minneapolis, Washington und New York; letztere war am schwersten betroffen. Davon zeugten Ruinen und eingestürzte Gebäude; der Orkan fuhr heulend durch die Strassen der Weltstadt, und die riesigen Wolkenkratzer schwankten.
Die Stimme erläuterte, daß diese Gebäude von Zerstörung bedroht seien. Alles war in Rauchwolken gehüllt, große und kleine Gegenstände wurden vom Sturm mitgerissen und wirbelten in Mengen durch die Luft. Zugleich brachen in vielen Stadtteilen gewaltige Feuersbrünste aus. Am Hafen ergossen sich haushohe Brecher weit ins Land hinein. Grosse Speicher und Lagerhäuser stürzten zusammen und wurden eine Beute des Meeres. Viele Schiffe wurden aufs Land geschleudert, andere versanken im Hafen."

Z. 2: In IX/21 steht "Curſeur victoire aux mareſtz de la lone" ("Läufer Sieg bei den Sümpfen des Totarms"). Aus dem Totarm geht hervor, daß dort tatsächlich ein Sumpf gemeint ist, während im vorliegenden Vers aufgrund anderer Schreibweise und anderem Zusammenhang eben von "Fluten" die Rede ist, nämlich "kristallenen". Die Wortwahl deutet auf einen Brecher hin, kein Ansteigen des Meeresspiegels, sondern eine Welle, deren Kamm sich überschlägt und das Licht reflektiert.
Z. 3: Es kann sowohl eine "stürmische", als auch eine "winterliche" Sonnenwende gemeint sein. Aus der Zeile geht nicht sicher die Ursache der Flut hervor. Ein Sturm wäre denkbar (vgl. Z. 4). Vielleicht handelt es sich aber auch um eine simple Zeitangabe, worauf auch die Morgenstunde hindeutet: Mitte bis Ende Dezember vor Sonnenaufgang. "La prime" ist in der römischen Tageseinteilung die Prima Hora, die im Dezember noch vor Sonnenaufgang liegt. Bestenfalls geschieht das Ereignis zur Zeit der Morgendämmerung. Das beißt sich gewissermaßen mit den "kristallenen Fluten". Maichle deutet es offenbar als "printemps" ("prime temps") für "Frühling", was eine Spur abwegiger ist.
Z. 4: Hier gibt es allerdings keine andere Möglichkeit als von einem Sturm auszugehen.

Fazit: In dem Vierzeiler scheint es in der Tat um einen Sturm zu gehen, der im Dezember das Meer aufpeitscht ("umringt") und eine größere Stadt heimsucht.
Weder der genaue Ort, noch die genaue Zeit gehen aus der Aussage hervor. Maichles Behauptung ist, der Unsinnigkeit seiner Methode eingedenk, völlig aus der Luft gegriffen und entbehrt jeglicher Grundlage.

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Gruß
Taurec


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Schlagwörter:
Nostradamus, IX/48, Ulrich Maichle, Fälschung


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