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Materialsammlung zu Irlmaier (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 25. Mai 2017, 15:36 (vor 908 Tagen) @ Leserzuschrift3235 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 30. August 2017, 14:37

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Hallo!

Ich stelle die Zuschrift mal ein und nutze sie als Aufhänger für eine Beitragssammlung, da ich keine Gelüste verspüre, das Rad abermals neu zu erfinden und zum drölften Mal meinen Standpunkt zu formulieren, solange sich nichts wesentlich neues ergeben hat.

Ich hatte mal gelesen, daß sich 2043 Deutschland vom dritten Weltkrieg vollständig erholt hat.

Mir ist das weder als Irlmaieraussage, noch von irgendeinem anderen Seher bekannt. Insofern dürfte es sich um bloße Spekulation handeln, die vielleicht Irlmaier (oder irgendwem) als Schauung zugeschrieben wurde. (?)

Hast du genauere Angaben zum Verlauf des gelben Striches, wieweit ist Mitteldeutschland da betroffen, sprich Thüringen? Mach mir Gedanken.

Genauere Angaben gibt es nicht. Auch Irlmaier sagt dazu nichts, sondern gibt nur diffuse Hinweise („Stadt an der Bucht“). (Zur Authentizität des Striches siehe den weiteren Verlauf des Beitrages.)

Bei dem Brunnenbauer waren so viele, das kann doch nicht alles Quatsch sein, oder?

Man muß unterscheiden zwischen einerseits den persönlichen Berichten über Irlmaier und seine Begabung im persönlichen Bereich und andererseits den Prophezeiungen, die ihm als vermeintlich echte Schauungen zugeschrieben wurden. Dabei kommt die Hauptverantwortung wohl Adlmaier zu, aber teils auch Irlmaier, weil er diese aus älteren Prophezeiungen und zeitgenössischen Vorstellungen zusammengestellten Aussagen zumindest mittrug. Die Variante, daß Adlmaier Irlmaier auf den Leim ging, ist indes nicht ausgeschlossen.

Es hat keinen Sinn, Irlmaiers Gabe in der Beratung einzelner Menschen gegen die von Adlmaier fabulierten Aussagen aufzuwiegen und letztere mit dem Argument aufwerten zu wollen, daß Irlmaier im persönlichen Bereich ja häufig richtig gelegen habe. Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Sachverhalte. Wer so argumentiert, geht stillschweigend davon aus, daß die Adlmaieraussagen echte Schauungsberichte wären und fabriziert einen sich selbst bestätigenden Zirkelschluß (also Glaubenssatz). Der Abgleich Arl-/Irlmaiers mit seinen Vorlagen führt zu einem anderen Urteil.

Kann es nicht auch ein wenig Übermut von BB sein oder Selbstüberschätzung?

Ist die Praxis, ständig BB für alles verantwortlich zu machen (von der offensichtlichen, nicht weiter kommentierbaren Absurdität mal abgesehen) nicht langsam ausgelutscht?
Es bietet sich offenbar an, den Obersündenbock für alles zum Gärtner zu machen, um ungeliebte Ansichten wenigstens handhabbar zu machen.
Es handelt sich hierbei übrigens um ein klassisches argumentum ad personam, mit welchem seit jeher versucht wird, sachlichen Betrachtungsweisen durch persönliches Angehen der Gegenseite aus dem Wege zu gehen, um unangenehme Ansichten abzukapseln.
Die Sinnlosigkeit wird sofort sichtbar, wenn man BB mal außen vor ließe. Selbst wenn es ihn gar nicht gäbe, wäre die Irlmaierproblematik nicht aus der Welt, weil die Gegenstände der Betrachtung personenunabhängig existieren.

Was hier fehlt, ist eine Übersicht über die bisherige Irlmaierkritik. Meine Gegenüberstellung der Adlmaiertexte mit den Plagiatsvorlagen ist mir leider verloren gegangen. Daher für’s erste einige Forumsbeiträge, mit denen man sich inhaltlich, sachlich, personenunabhängig auseinandersetzen möge.

Am Anfang steht das Urteil des Prophezeiungsforschers Alexander Gann, der bereits 1986 feststellte:
„Der Fall Irlmaier ist vom paraprognostischen Standpunkt aus durch zwei widerstreitende Momente gekennzeichnet. Erstens durch eine nicht zu übersehende Datenunsicherheit und -unvollständigkeit und zweitens durch das Vorhandensein von Indizien, welche darauf hindeuten, daß paraprognostisch doch vieles aus ihm herauszuholen gewesen wäre.
Die Datenmängel betreffen sowohl die Kriegsprophezeiung selbst als auch, in noch stärkerem Ausmaß, die Hintergrundinformationen, welche einer Beurteilung ihrer prognostischen Tragfähigkeit zugrundezulegen wären. Was die Prophetie anlangt, so mußten wir feststellen, daß sie selbst in der am zuverlässigsten scheinenden Fassung, der Adlmaierschen, unvollständig und zum Teil unkritisch überliefert worden ist. Ihre unkritische Protokollierung hat zur Folge, daß in Irlmaiers Visionsbeschreibungen sehr wahrscheinlich auch seine Interpretationen sowie Aussagen anderer Seher hineinverwoben sind. Diese Schwäche allein dürfte eine hundertprozentige Erfüllung der Prophetie auch dann verhindern, wenn ihr ansonsten ausschließlich präkognitive Gesichte zugrundeliegen.
Inwieweit letzteres der Fall ist, läßt sich anhand der spärlichen Anhaltspunkte nur schwer abschätzen. Faßt man alle Faktoren zusammen, so kann man daraus immerhin eine gewisse, wenn auch nicht allzu hohe Präkognitionswahrscheinlichkeit ableiten. Wobei als stärkstes Präkognitionsindiz seine offenbar vorhandene ASW-Sensitivität zu Buche schlägt. Wie wahrscheinlich ist es, so muß man sich fragen, daß die Kriegs- und Katastrophenvisionen eines dermaßen begabten Sensitiven lediglich von seiner unbewußten Phantasie produziert worden sind? Hinzu kommen Indizien der Übereinstimmung von Irlmaier-Aussagen mit solchen sowohl älterer als auch nach ihm aufgetretener Seher, auf welche hier nicht eingegangen werden konnte, die aber verschiedenen Passagen der Irlmaier-Prophetie zusätzliches Gewicht verleihen. Eine quantitative Schätzung der Präkognitionswahrscheinlichkeit wollen wir angesichts der unsicheren Datenlage nicht versuchen. Wann jene Geschehnisse eintreten sollen, ist dem überlieferten Irlmaier-Material ebensowenig entnehmbar wie Anhaltspunkte über die Interventionsaussichten.
Wie gesagt, vermittelt der Fall Irlmaier ungeachtet dieser dürftigen konkreten Ergebnisse den Eindruck, daß er vom eigentlichen Phänomen her sehr wohl für die Gewinnung überzeugender Kriegs- und Katastrophenprognosen gut gewesen wäre. Eine seltene paraprognostische Gelegenheit war hier allem Anschein nach gegeben, welche jedoch vom Seher selbst und vor allem von der mitteleuropäischen wissenschaftlichen Gemeinschaft auf überaus leichtsinnige und verantwortungslose Weise verschleudert worden ist.
(Gann, Alexander: Zukunft des Abendlandes? Selbstverlag 1986, S. 235f.)

Wobei einschränkend gesagt werden muß, daß die Übereinstimmung mit älteren Quellen Irlmaier eben kein höheres Gewicht verleiht. Gann war seinerzeit noch nicht klar, daß die erdrückende Mehrzahl älterer Prophezeiungen ebenfalls nur aus Fälschungen und Kriterien einer brauchbaren Schauungsdokumentation nicht entsprechenden Texten besteht.
Bei dem Urteil, daß auf überaus leichtsinnige und verantwortungslose Weise eine seltene Gelegenheit der Dokumentation der Aussagen eines echten Sehers womöglich verschleudert wurde, stimme ich Gann zu – mit der Einschränkung „womöglich“, da nicht viel für authentische Schauungen Irlmaiers zum Weltgeschehen spricht.
Auf die selbe Weise wird heute noch systematisch von der Mehrzahl der Autoren und den meisten Schreibern in verschiedenen Foren aus Gründen eines naiven Glaubenwollens das Bestreben mit Füßen getreten, das Thema auf ein höheres, mit valideren Quellen ausgestattetes und der Wahrheit näheres Niveau zu heben.

Ganns Urteil wurde, wie alles unangenehme, natürlich ignoriert, so daß etwa Bekh und Berndt noch später weitestgehende Irlmaierapologien (wenn nicht gar -apotheosen) veröffentlichten, und damit die Masse der Prophezeiungsschafe auf Kurs halten.

Im Folgenden eine weitgehende, aber nicht erschöpfende Aufstellung von Irlmaierplagiaten und sonstigen Beiträgen, die bis zu einer systematischen Aufarbeitung zumindest als Indizien gelten mögen:

Irlmaier, Lindelied & Rocco – Wien verödet
Irlmaier & Pater Pio – Finsternis und Fenster
Irlmaier & Kugelbeer – Berge, Wüste, Fabriken
Irlmaier & Rill – Machthaber vernichtet
Irlmaier & Wudy – Speisen
Irlmaier & Wudy – Wasser & Milch
Irlmaier & Wudy – Osserwasser
Irlmaier & Mühlhiasl – Brotlaibe, Hungersnot
Irlmaier & Bibel – Kreuz am Himmel
Irlmaier & Lindelied – Finsternis
Irlmaier & Kugelbeer – Finsternis & Himmelszeichen: 27239, 27271
Irlmaier & Pater Pio – Vieh im Stall
Irlmaier, Bibel & Kugelbeer – Wundmale
Irlmaier, Lindelied & Jahenny – Finsternis, Donnerschlag
Irlmaier & Rill – Feldzug
Irlmaier & Odilie – Halbmond am Rhein
Irlmaier & Michalda – Vorlauf: 31277, 31283
Irlmaier & französische Prophezeiungen – Köln und Papstflucht: 31760, 30533, 30538
Irlmaier & Lindelied – Atemkrampf
Irlmaier & französische Prophezeiungen (z. B. Antonius von Aachen) – Feldzug & Russen: 32779, 33401
Irlmaier & Rill – Leichen auf den Straßen
Irlmaier & Lenormand – Paris
Irlmaier & Feldpostbriefe – seichte Flüsse
Irlmaier, Bibel & diverse Volkssagen – Watzman, Wendelstein, Flucht auf Berge

Hier noch einige Beiträge Randomizers zum Thema:
Hat Irlmaier frühere Prophezeiungen verarbeitet?

Ähnlichkeiten: Lindenlied, Irlmaier, Feldpostbriefe:
„Anfangs hielt ich Adlmaier* ebenfalls für die alleinige Wurzel des Irlmaier-Übels, inzwischen gehe ich davon aus, daß Irlmaier bereits selbst einschlägig belesen war; das Lindenlied und die Feldpostbriefe, welche Irlmaier sicher erst durch Adlmaier kennengelernt hat, haben Irlmaier in seiner Naherwartung dann noch zusätzlich bestätigt.“

„Irlmaiers 'Schauungen' sind imho größtenteils angelesen bzw. zusammengereimt und zwar aus drei bis vier Quellen (Bücher/Artikel). Irlmaier war natürlich von der Authentizität/Autorität seiner Quellen überzeugt und lebte in entsprechender Naherwartung (zumal in den ersten Nachkriegsjahren, zumindest bis zum Tode Stalins, ein dritter Weltkrieg ja durchaus in der Luft lag). Um seine Zeitgenossen zu warnen (also aus durchaus herzensguten Motiven), gab Irlmaier das zusammengereimte Zukunftsszenario als seine Schauungen aus; die kommerziellen Motive 'seiner' Verleger/Journalisten waren ihm ja bekanntermaßen zuwider.“

Stand der Recherchen:
„Mein Zwischenresumée kennst Du ja: grob 3/4 der Irlmaier'schauungen' halte ich für Plagiate, das andere 1/4 kann ich nur noch nicht beweisen bzw. ist vielleicht einfach schwer zu belegen (da mutmaßlich von Irlmaier zusammengereimt und nicht direkt plagiiert). Ob überhaupt eine authentische (eigene) Schauung Irlmaiers dabei ist, mag ich derzeit noch nicht entscheiden/beurteilen.“

Anmerkung: Bei Prophezeiungen gilt vernünftigerweise die Schuldvermutung: In dubio contra reum – Im Zweifel gegen den Angeklagten! Etwas gilt solange als falsch, bis die Echtheit/Authentizität als echte Schauungsdokumentation nachgewiesen ist. Andernfalls reimt man sich systematisch Unsinn zusammen, den man sklavisch glaubt ohne die richtige mentale Optik, Fälschungen überhaupt zu erkennen.
Daß dadurch > 90 % aller Quellen vor Irlamier (aber auch einige jüngere) nichts taugen, ist das traurige Resümee.

Randomizer u. a. zum gelben Strich und Nordseebombe, Auszüge:
„Im Falle des gelben Striches kann ich das momentan zwar noch nicht beweisen, aber da ich ja ca. 3/4 der Irlmaier-Aussagen für Plagiate halte, bin ich auch hier äußerst skeptisch. Die Nordseebombe hat sich Irlmaier ganz gewiß angelesen bzw. kombiniert: die militärische Idee einer solchen Bombe kursierte seinerzeit (1950 +/- 5 Jahre) u.a. auch in der Presse, so daß Irlmaier diese (irrige) Idee mit den ihm ebenfalls bekannten Vorhersagen über den angeblichen Untergang Englands kombinierte und daraus seine Nordsee-Kasterl-Legende konstruierte.“

„Mein Verdacht: die Vorstellung von einem Kampfstoff-Streifen ist weder von Irlmaier selbst noch ein Plagiat einer (uns unbekannten) früheren Prophetie, sondern eine Idee, die Irlmaier aus irgendeinem obskuren Zeitungsartikel oder einer wirren Nachkriegsbroschüre kennen konnte. Damit löst er in 'seinem Szenario' das Problem des merkwürdig schnell scheiternden Angriffs (einen sehr kurzen Krieg postulieren ja alle seine Vorlagen). Zu diesem Zeitpunkt (Ende 1949) kannte Irlmaier die Feldpostbriefe noch nicht und konnte das Scheitern des russischen Angriffs also nicht mit dem Naturereignis in Süddeutschland erklären (das wird aber in Adlmaiers Drittauflage 1961 nachgereicht, dann natürlich in Kenntnis der Feldpostbriefe).“

„Adlmaiers Publikationen müssen Irlmaiers Szenario recht gut zusammengefaßt haben, da sich Irlmaier zwar über andere Verleger beschwert, aber Adlmaier gegenüber loyal wirkt. Folgendes ist aber auch denkbar: Adlmaier hat irgendwann (imho frühestens Mitte 1950) Irlmaier und dessen Plagiate 'durchschaut' und hat es deswegen später als legitim empfunden, Irlmaiers Szenario mit verwandten Prophetien zu ergänzen, da diese ja selbst nicht originär waren: auf diese Weise kommen möglicherweise mehrere Motive aus den Feldpostbriefen posthum in Irlmaiers Repertoire (Adlmaier ³1961).“

„Diese Kombination stammt imho bereits von Irlmaier selbst, Prophezeiungen über den Untergang Englands im Meer gibt es mehrere, mindestens eine davon hat Irlmaier gewiß als Vorlage gedient. Wie weiter oben angedeutet, war die fixe Idee einer potentiellen Tsunamibombe damals gerade en vogue.“

Aber auch ich habe den einen oder anderen Beitrag beigesteuert.

Aus dem Faden zu Zubans Fund:
Irlmaier und der Koreakrieg
Irlmaier & Bezahlung

Irlmaier und der Hochgestellte – Wann kam welches Element dazu?
Forschungsstand zu Irlmaier, darin u. a. zur Caritasschwester, Irlmaiers Bomberflotte und dem gelben Strich
Irlmaiers Vorstrafenregister
Echte Fragmente bei Irlmaier (teils schon, z. B. bezüglich „Halbmond“ widerlegt)
Irlmaiers Gläser und Dosen
Irlmaier, Adlmaier, grundsätzliche Einschätzung
Einschätzung zu Irlmaier im Prophezeiungsforum
Irlmaier und seine „Drittel“
Irlmaier & Bibel – Bargelsabschaffung, Antichrist: 31423, 31433
Irlmaier & Taigi – Dämonen in der Luft
Irlmaier & die Prophezeiungstradition
Irlmaier & Endzeitprophetie
Irlmaier & die Finsterins – eine Nullnummer
Irlmaier & die fiktive Hochgestelltenreihe

Anmerkung: Ob es eine echte Hochgestelltenschau Irlmaiers gab, ist durchaus zweifelhaft. Möglicherweise hat er einfach das Attentat von Sarajevo (ein Hochgestellter wird am Balkan ermordet, was einen Krieg auslöst) als Prophezeiung für die Zukunft neuaufgelegt.

Zur Authentizität des gelben Strichs
Der „unbekannte Kurier“ – Fälschung aus den Sechzigern

Die Aufstellungen sind wohl alles andere als vollständig. Aber irgendwann muß man mal anfangen, das ganze Material der letzten Jahre zusammenzutragen. :irre:
Man möge sich eingeladen fühlen, weitere Beiträge, Ansichten etc. in Form älterer oder neuverfaßter Beiträge anzuhängen. Der Faden wird dann als Sammlung in der Bibliothek verlinkt.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“

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