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Schauungsmotiv Paris (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 09. Mai 2017, 09:28 (vor 1239 Tagen) @ Sagitta2559 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Dienstag, 09. Mai 2017, 10:40

Hallo!

In vielen meiner Forumsbeiträgen des letzten Jahres habe ich die Frage angeschnitten, wie man in den 'Zustand der Schau' hineingerät. Es war mir dabei wichtig hinzuweisen, dass eine Schauung dann eintritt, wenn die normale und alltägliche psychomentale Aktivität angehalten wird - wenn einerseits also 'die Gedanken' zur Ruhe kommen, andererseits aber die Wachheit, die Aufmerksamkeit, das Bewußtsein erhalten bleiben. Es ist, wie wenn ein Filmprojektor bzw. Beamer zwar noch eingeschaltet ist, aber kein Film oder Bild mehr durchläuft: reines, helles Licht. In einem solchen Augenblick bzw. Zustand öffnet sich das wahrnehmende Bewußtsein für andere Quellen und Sinnesorgane, die außerhalb unserer regulären Wahrnehmungs- und Denksphäre liegen. Deswegen spricht die Psychologie von 'außerordentlichen Erfahrungen'.

In Deinem Bericht hast Du nun eindrucksvoll beschrieben, wie es bei Dir zu einem solchen 'Aussetzer' und damit zum Einstieg in eine Schauung kam:

Das Beachtenswerte an dem Bericht ist die Tatsache, daß die Schau im Wachbewußtsein eintrat. Nicht wenige (vermutlich sogar die meisten) Schauungen sind im Traume. Das Anhalten der "alltäglichen psychomentalen Aktivität" ist als Voraussetzung insofern trivial.
Ich frage mich, ob solche im Wachbewußtsein erlebten Schauungen von Symbolhaftigkeit frei oder weniger belastet sind, oder ob nicht vielmehr besonders realistische, von der Wirklichkeit nicht unterscheidbare Allegorien verwendet werden.

Die nächste Frage ist dann: warum siehst Du in einem solchen Moment 'des Glücks' nun mitten in eine Katastrophe hinein?

Die wichtigere (auch von Dir angeschnittene) Frage lautet: Warum werden solche Szenen immer über Paris gesehen?
Warum bekommen wir nicht mal einen Bericht von jemandem, der in Versailles war oder in Rouen oder in Reims oder in Brüssel etc.?
Es ist nicht anzunehmen, daß eine Großkatastrophe allein diese Stadt betreffen würde. Das Motiv der Vernichtung scheint aber besonders an Paris zu haften und bevorzugt gesehen zu werden. Neben persönlichen Umständen ist diese "ungute Aura" der Stadt wohl als Hauptursache für die Schau zu vermuten.
Ich vermute ein "Sodom-und-Gomorra-Motiv", das sich an Städte haftet, die schon historisch ein Sündenpfuhl waren, bzw. vom Menschen als solcher betrachtet wurden. Der vorausgesagte Untergang der "grand cité" reicht bis Nostradamus zurück. Hier ein Quatrain, der sich eigentlich von selbst erklärt:

III/84
La grand cité ſera bien deſolee,
Des habitans vn ſeul n’y demoura:
Mur, ſexe, temple, & vierge violee,
Par fer, feu, peſte, canon peuple mourra.

Die große Stadt wird ziemlich entvölkert1,
Von den Bewohnern überlebt2 dort kein einziger.
Mauer, Geschlecht, Kirche & Jungfrau geschändet,
Durch Eisen, Feuer, Seuche, Kanone stirbt (das) Volk.

1 Frz. „desolée“ = „trostlos“, „unglücklich“ von mfrz. „désoler“ („alleinlassen“, „verlassen“, „zerstören“, „verwüsten“, „entvölkern“).
2 Mfrz. „démourir“ = „sterben“, „zugrundegehen“.

Der Eiffelturm steht frei von umgebender Bebauung und ist wohl ziemlich stabil konstruiert. Bei Bariona ist er lediglich verrußt.
"Kirche & Jungfrau" steht für die Kathedrale Notre-Dame, die der Jungfrau Maria geweiht ist. Nostradamus hebt sie (womöglich nicht nur, weil sie seine Namenspatronin ist) besonders als "geschändet" hervor. Überprüf doch mal deren Daten astrologisch! Allerdings wird man dazu keine Urzeit, geschweige denn ein tagesgenauses Datum der Einweihung (1182) finden. Möglicherweise aber das Datum der Erstürmung durch die Revolutionäre oder der Umweihung zu einem "Tempel der Vernunft" am 10. November 1793?

Soviel also von meiner Seite zum Prophezeiungsklassiker 'brennendes Paris'. Nicht derartige mögliche Ereignisse sind aber für mich interessant sondern die Fähigkeit der Seele zur 'Schau'.

Warum sollte man sich für die Fähigkeit interessieren, für die von ihr präsentierten Inhalte indes nicht?

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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