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Kein brauchbarer Indikator (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 14.04.2017, 23:42 (vor 1530 Tagen) @ Leserzuschrift (2908 Aufrufe)

Hallo!

Das Problem ist ein grundsätzliches.

Irlmaiers Aussage zum Koreakrieg ist erkennbar nur eine Schöpfung, die genau auf die damalige Zeit zugeschnitten war. Das ist meines Erachtens angezeigt durch die Tatsache, daß sich die Aussage im Laufe der Zeit offenbar verändert hat:

In den Hicog Surveys von 1950 wurde die Finsternis ("three days of 'all-out-gloom'") noch mit Befürchtungen verbunden, die mit dem Beginn des Koreakrieges einhergingen. ("...in connection with people's belief in a war as things were started in Korea"). Da sagte Irlmaier die Russen würden am 2. September 1950 beim katholischen Kirchentag in Passau dazwischenfunken.

In der zweiten Adlmaierauflage von 1955, als der Koreakrieg bereits seit zwei Jahren beendet war, heißt es hingegen: "Der Koreakrieg ist aus." (Auf die Frage nach dem Datum des russischen Feldzuges.) Davon war beim Kriegsbeginn 1950 noch keine Rede.
Adlmaier behauptet: "Diese Aussage stammt vom 7. Dezember 1952."
Angesichts seiner sonstigen Lügen (z. B. die Lindeliedgeschichte) und der Tatsache, daß die Äußerung eben erst 1955 belegt ist, darf diese Behauptung getrost angezweifelt werden. Ich vermute hier mangels Belegs der Aussage aus der Zeit des laufenden Koreakrieges eine Rückdatierung ex eventu.

Allein, daß dies erwähnt wird – das Aussein des Koreakrieges und ein angebliches Aussagedatum vor Kriegsende –, zeigt eigentlich, daß der Zweck der Aussage, die Intention, ihre innere Ratio auf den damaligen Koreakrieg abzielte, nicht etwa auf irgendeinen künftig vielleicht mal ausbrechenden Konflikt. Irl-/Adlmaier hatte nichts anderes als den Koreakrieg 1950-53 im Sinne. Das liegt schon nahe, weil er parallel zum Irlmaierhype stattfand.

Spekulationen, daß der Koreakrieg noch nicht aus wäre, weil noch kein Friedensvertrag besteht, halte ich für zu weit hergeholt. Da werden, nur um die Aussage zu retten, Irlmaier unbelegte Detailschauungen zu völkerrechtlichen Spezialfragen unterstellt, welche im ganzen Schauungsbereich einzigartig wären.
Letztlich ist das wieder ein glaubensmäßiger Zirkelschluß. Weil Krieg und Finsternis damals nicht eintrafen, als der Koreakrieg endete, muß in Zukunft der Konflikt fortgeführt werden. Daß Irlmaier überhaupt eine Schau hatte, welche den Koreakrieg mit "den Ereignissen" verband, wird stillschweigend vorausgesetzt, obwohl es Gegenindikatoren gibt. Eine alte, schon längst obsolete Geschichte wird geglaubt und mit in die Zukunft geschleppt. Ein künftiger Konflikt in Korea wird dann als Beweis für Irlmaiers Sehergabe gewertet, obwohl es sich um eine reine Scheinkorrelation handelt, die darauf beruht, daß man die Fälschung von damals eh schon immer für echt hielt. (<= Das anfangs erwähnte grundsätzliche Problem.)

Sollte es zu einem Konflikt in Korea kommen, könnte sich dieser wie bislang alle Konflikte des 21. Jahrhunderts zu einem Dauerkriegsschauplatz entwickeln. Konflikte werden heutzutage, in der zerfallenden Weltzivilisation nicht beendet, sondern sie versumpfen. Überall, wo die Amerikaner offen oder verdeckt aktiv wurden, sind Chaos und Destabilisierung entstanden.
Die Frage ist, was man im Falle einer solchen Entwicklung, wenn sich etwa China auf nordkoreanischem und Truppen des US-Imperiums auf südkoreanischem Boden gegenüberstünden, mit der (für valide gehaltenen) Irlmaieraussage anfangen soll, daß der Koreakrieg aus wäre. Warten bis ein Konflikt endgültig gelöst wird, der tatsächlich mit zahlreichen anderen in den Weltbürgerkrieg mündet, in dem auch irgendwann die Bundesrepublik untergehen wird?

Ich meine, ein Ausbrechen des Korekrieges, damit er prophezeiungskonform wieder beendet werden und der Krieg in Europa ausbrechen kann, ist ein denkbar schlechter Indikator.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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