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Großdeutsche Lösung und die erfundene Vorgeschichte des Lindelieds (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 30.03.2017, 14:15 (vor 1661 Tagen) @ Zuban (2949 Aufrufe)

Hallo!

Man sollte allerdings nicht allzu gutgläubig aufregende Querverbindungen spinnen. ;-)

Nur kurz sei darauf verwiesen, daß er ja schon 90 Jahre vorher den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vorhergesehen hat.

Weder das Phantasieprodukt Rocco, noch sein Autor haben irgendwas vorausgesehen. Der Anschluß Österreichs an Deutschland erklärt sich, wie ich bereits schrieb, völlig aus der damaligen Lage, in der noch in der Schwebe hing, ob es zur klein- oder großdeutschen Einigung kommen würde. Letztere war bereits 1848 bei der Frankfurter Nationalversammlung Thema.
Es war letztlich die Frage, ob das protestantische Preußen oder das katholische Österreich die Vorherrschaft innehaben würde. Diese Frage entschied der katholische Erfinder Roccos im Sinne seines Glaubens für Habsburg. Damit gedachte er wohl, propagandistisch seinen Beitrag zu deren Verwirklichung leisten.

Etwa zeitgleich mit der seligen Linde zu Staffelstein sah er auch schon das Gras auf dem Wiener Rathausplatz spriessen.

Auch die Linde in Staffelstein hat mit dieser Zeit rein gar nichts zu tun. Wie wir mittlerweile wissen, wurde das Lied 1920 von Martin Hingerl aus Freising geschrieben. Die vermeintliche Geschichte über den Fund im Baum und die angebliche Datierung des Papiers auf 1850 ist eine Erfindung Conrad Adlmaiers, der sich für keine Schwindelei zu schade war. Es gibt kein Lindeliedoriginal von 1850 und auch keine Familie, in deren Besitz sich das Lied über Generationen befand. Adlmaier wollte mit diesen Lügen lediglich den Ursprung des Liedes verschleiern, um nicht frontal Hingerls Urheberrecht zu verletzen, und um dem Lied eine sagenumwobene, für den "Prophezeiungsmainstream" taugliche Hintergrundgeschichte zu verleihen. Da das Lied erst 1920 geschrieben wurde, als Rocco schon mehrfach gedruckt war, ist es auch kein Problem, daß er als Vorlage für das Lied gedient haben soll. Immerhin wurde er auch in Konzionators Buch von 1920 aufgeführt, das die literarische Vorlage für das Lindelied war. Die Aussage über Wien steht dort auf Seite 8.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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