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Die Bauern am Wirtstisch... (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 15. Januar 2017, 17:04 (vor 1466 Tagen) @ Baldur4202 mal gelesen

Hallo!

Die vernünftigste Erklärung für mich liegt darin, dass auch Irlmaier Unsinn sah.

Die Hunderdorfaussage Irlmaiers, daß die Russen zum Wirtshausfenster reinschauten, kommt mir vor wie eine bloße Reflektion der Volkssage, vor allem Mühlhiasls.

Das Kloster Windberg, in dem der Mühlhiasl angeblich Müller war (was nachgewiesenermaßen eine erfundene Geschichte ist), liegt nur 1.000 Meter von Hunderdorf entfernt.

Mühlhiasl:
"‚Von Straubing auf den Pilmersberg (Pilgramsberg) hinein wird eine Straß baut.‘ (Die Gegend war damals so unwirtlich, daß ihm der alte Weiherbauer erklärte, wenn ich alles glaub, glaub ich nicht, daß da eine Straß baut werden kann (die jetzige Straße Straubing-Stallwang-Cham) ‚auf der Straß kommen sie einmal heraus, dieselben Roten, d’Rotjankerl‘. Wegen dieser Äußerung wurde er viel verlacht, obs etwa die rothosigen Franzosen sein sollen: ‚Nein, Franzosen sinds nicht, rote Hosen habens auch nicht, aber die Roten sinds.‘
‚Wenn’s aber einmal kommen, muß man davonlaufen, was man kann und muß sich verstecken mit drei Laib Brot. Wenn man beim Laufen einen verliert, darf man sich nicht bücken, so muß es ‚schlaun‘, wenn man den zweiten verliert, muß man ihn auch hintlassen, man kanns auch mit einem noch aushalten.‘ (Daß in kritischen Zeiten jeder Eisenbahn und Nachrichtendienst aufhören kann, hat die Rätezeit gezeigt.)
Als Versteck empfahl er je nach Gegend z. B. für Mitterfels die großen Wälder im Perlbachtal und die Senkungen bei Buchberg. Für Englmar die Käsplatte, für Bodenmais die Berkwerke, für den waldlosen Gäuboden die Weizenmandln.
Zum Schluß ist noch ein besonders unheimlicher Gast in Aussicht gestellt, nach Art des Sensenmannes, nur mit einem Originalnamen: ‚Der Bänke-Abräumer‘. Da man in den Bauernstuben reihenweise auf Bänken sitzt, zu verstehen als eine die Familienbestände dahinraffende seuchenartige Krankheit:
‚Auf d’Letzt kommt der Bänker-a-ramer.‘ Die wenigen, die übrig geblieben, werden sich schutzsuchend aus der ganzen Umgebung innerhalb der Windberger Klostermauer sammeln.
‚Wers überlebt, muß einen eisernen Kopf haben.‘"

Und diese Situation des Volkssagenmotivs "Überraschungsangriff" spiegelt sich bei Irlmaier durch eine meines Erachtns erfundene Wirtshausszenerie.

Die Behauptung Backmunds, daß Irlmaier Mühlhiasl zum Zeitpunkt dieser Aussage nicht gekannt habe, glaube ich ihm nicht, ebenso wenig, daß Irlmaier viel zu unbegabt, phantasielos, zu wenig schlau und gerissen gewesen wäre, um sich Aussagen auszudenken (der selbe Irlmaier, der mehrfach wegen Betruges einsaß). Nicht zuletzt hielt er Adlmaier für zuverlässig und gewissenhaft, was die Dokumentation Irlmaiers anbelangt. Tatsächlich wissen wir, daß er zum Lindelied verfälscht und gelogen hat.
Mir scheint, Backmund empfand es als nötig, Irlmaier und Adlmaier vor der Nachwelt mehr Glaubwürdigkeit verleihen zu müssen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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