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Spiegelgefechte (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 30.11.2016, 23:36 (vor 1624 Tagen) @ Explorer (5888 Aufrufe)

Hallo!

Und wenn Wahlergebnisse die Eliten nicht auf dem falschen Fuß erwischen könnten, warum würde es dann z.B. Sachen wie die "farbigen Revolutionen" geben, oder von außen organisierte Putsche, diesen ganzen "Kampf gegen Rechts"?

Hierbei handelt es sich ausnahmslos um Scheingefechte auf dem Spielplatz der modernen Agora. Mit Wahlen hat das gar nichts zu tun. "Farbige Revolutionen" und organisierte Putsche waren Regimewechselmaßnahmen in nichtwestlichen Ländern. Die Ergebnisse solcher Aktionen werden in der Regel nachträglich durch Wahlen bestätigt. Einen "Kampf gegen Rechts" gibt es in dem Sinne nicht, weil es keine wirklich gefährliche Rechte gibt. Diese wird als Pseudogegner mühsam aufgepeppelt und am Leben erhalten, wobei auch die Rechte aus dem Widerstand der anderen Seite des Systems eine gewisse Daseinsberechtigung ableitet.

Eventuell waren ja auch Kennedy und Nixon keine "Männer des Systems" und wurden wieder entfernt, weil sie nicht auf Spur gebracht werden konnten.
Es ist gar nicht möglich, dass jeder einzige Mensch, der sich politisch betätigt Teil einer Verschwörung ist, die zuverlässig verhindert, dass ein Gegner des Systems an die Macht kommt. Das ist ja auch schon öfter passiert. Wenn alle Medien, "Künstler" und "Intellektuellen" gegen einen Kandidaten oder eine Partei sind, werden die kaum zur Elite der bisherigen Strippenzieher gehören. Natürlich wird versucht auch unangenehme Parteien zu unterwandern und unangenehme Personen zu Beeinflussen.

Sobald man sich politisch betätigt, wird man Teil des Systems, der nicht das System abschafft, sondern es bestätigt und weiterführt. Das liegt in der Natur der Sache, weil es sich nicht ausschließlich (sondern nur oberflächlich) um ein intellektuell konstruiertes, planmäßig vorangetriebenes wirtschaftliches und politisches System handelt, sondern um eine Epoche unserer Geschichte, die auf bestimmten geistigen und kulturellen Voraussetzungen fußt, die sich unserem Zugriff entziehen. Man mag diese Epoche und ihren Zustand Postmoderne, Zivilisation, System, Matrix oder sonstwie nennen. Wer mit den Mitteln, die in unserer Zeit erkennbar oder anerkennbar sind, Politik betreibt und sich dabei ideologisch irgendwie im Fundus der (sich scheinbar widersprechenden) modernen Ideen bedient, wird zwangsläufig am Ende wieder dort landen, wo er angefangen hat. Bestenfalls findet er sich selbst an den Hebeln der Macht wieder, weil er gewollt oder ungewollt die Regeln beachtet und das Spiel gespielt hat, während sich tiefentektonisch durch seine Aktionen nichts geändert hat.
Was Du beschreibst, ist das Vorgehen von Teilgruppen innerhalb des Systems gegeneinander, die sich über den unveränderlichen Rahmen der Zivilisation, innerhalb dessen Politik sich abspielt, stillschweigend einig sind. Fundamentale Gegensätze gibt es in der modernen Welt nicht, bzw. wenn sie theoretisch geäußert werden, wird die praktische Umsetzung korrumpiert. Dazu bedarf es keiner Verschwörung. Im Grunde handelt es sich um einen von allen gemeinsam gestalteten Traum, der von allen Beteiligten als solcher nicht erkannt wird. Wäre dem so, würde der Traum, wie es in der Regel vorkommt, wenn man im Traum luzid wird, schlagartig enden. Das System würde kollabieren. Am Traum teilzuhaben, bedeutet, an irgendeiner Stelle seines Weltbildes eines der modernen Dogmen, die sich seit der Aufklärung in den Geistern etabliert haben, anerkannt zu haben. Damit gerät man auch mit all seinen anderen, womöglich tendenziell richtigen Annahmen auf die schiefe Bahn und wird in's System integriert. Man ist ein Gläubiger, ein Träumer, der den Fortschritt anhimmelt.
Wer wirklich gegen das "System" oder die moderne Welt revoltiert, ist innerlich derart anders beschaffen, daß er vom System weder als Feind, ja noch nicht mal als existent erkannt wird. Was heute gemeinhin als "rechts" gilt, bezeichnet Anschauungen, die sich lediglich zu früheren Stadien der Ausprägung des System zurücksehnen, während Monarchisten bestenfalls als lächerlich wahrgenommen werden. Tatsächlich wird von modernen Menschen der eigentliche Sinn und Gehalt der Monarchie (also der vormodernen Welt) gar nicht begriffen. Statt dessen ist das Bild der Monarchie, die man überwunden zu haben glaubt, lediglich eine Karrikatur moderner Machtmenschen (Demokraten, Revolutionäre und Diktatoren), deren schäbigste Eigenschaften (also den eigenen Schatten) man als Feindbild in die Verangenheit projiziert. Schon der "Ismus" als Endung des Begriffs deutet das zwanghafte Einpressen in das moderne Bedeutungsschema an, das als Blaupause allem übergeprügelt wird.

Die wirkliche Alternative zum System ist nicht sichtbar, weil sie den überzeitlichen, transzendenten Wurzeln des Daseins entgegenstrebt, von wo sich die Schöpfung und der Mensch als ihr Anteil entfalten, und weil sie sich dem politischen (Schein-)Widerspiel der modernen Welt entzieht. Wer das erkannt hat, gelangt selbst in einen anderen Zustand. Für den ändert sich die Welt, aber die Welt ändert er nicht. (Die Welt ändern zu können/wollen/müssen ist wohl eines der übelsten Grunddogmen der modernen Welt.)

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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