Erwischt: die in den Schwanz sich beißende Katze (Schauungen & Prophezeiungen)

Sagitta @, Dienstag, 27.09.2016, 10:41 (vor 1887 Tagen) @ Ulrich (4949 Aufrufe)

Hallo, lieber Ulrich -

ich weiss schon, ich weiss! Wozu Kristallkugeln, besonders digitale, gut sind ...

Mit den Prophezeiungen ist es wie mit alten Vorderladern. Die hat man im Schrank stehen, und man läuft vorbei und denkt: ob sie wohl noch schießen? Oder wird es sie dann zerreissen? Manchmal möchte man sie auf den Schrott werfen, doch dann gibt's ein Sonderangebot Pulver auf dem Schwarzmarkt - und schließlich fehlt nur noch die passende Kugel. Bitte jetzt keinen Link schicken!!

Man tut eben was man kann, mit den Prophezeiungen. Und in der Endlos-Schleife von Recherche und Interpretation darf doch wohl die Einschätzung und Perspektive mal wechseln! Ein abschließendes Urteil gibt es vermutlich nie, der Schußtest findet nicht statt. Auch deshalb, weil die beste Präkognition immer unscharf ist. Wenn wir uns im Jahr 2030 zurückblickend über die Feldpostbriefe unterhalten, dann wird bestimmt einer kommen und sagen: die waren eine Fälschung, denn die Russen sind 2026 nicht eingefallen sondern eingeflogen.

Bezüglich Irlmaier liegt der Ball jetzt bei Randomizer. Zwei Jahre sind keine Zeit. Auch nicht in Zeiten wie diesen. ***) Die Sammlung von Taurec zu Irlmaier, so verdienstvoll sie ist, hat doch nicht die Tiefe und Breite, die für eine textkritische Ausgabe notwendig wäre. Und mir geht es hier auch um den Menschen Irlmaier. Ich habe meine eigenen Zugänge und Kontakte, und weiß daher, dass die vielen Hilfesuchenden unmittelbar nach dem Krieg ihn belastet haben und er sein Bestmögliches gegeben hat. Ihn als Lügner und Fälscher zu beschimpfen, das geht nicht. Sein Fehler war allenfalls, dass er sich mit Journalisten und Verlegern eingelassen hat, die seinen Ruf für ihre eigenen Interessen ausnutzen wollten. Ich denke nicht, dass er etwas weitergeben hat (von alten Prophezeiungen, die ihm zugetragen wurden, vielleicht auch nur in Form einer Frage), wenn er nicht ein eigene, vielleicht bloss bruchstückhafte Schauung dazu hatte. Dass er in Heften gelesen hat, wie sie Randomizer in seinem parallelen Beitrag abgebildet hat, kann ich mir kaum vorstellen. Am Abend nach seinen Beratungen hatte er sicher die Nase voll von Zukunft ...

Unklar bleiben vorerst ferner die Feldpostbriefe. Doch auch hier lohnt die laufende Beobachtung und die immer wieder erneuerte Reflexion. Oder das Bohren nach Quellen: Rill war von der Polizei/Gestapo offenbar einmal verhört worden, und möglicherweise ist die Akte dazu erhalten geblieben. Vielleicht möchte Taurec ja mal einen Besuch im ifz-muenchen machen?

Es bleiben von den literarischen Prophezeiungen nur vier übrig: Johansson, Rill, Irlmaier und Waldviertler. Es sind wacklige Pfosten, aber sie halten. Im Kern sagen sie alle ein und dasselbe: es wird noch einmal einen Krieg geben, verbunden mit Naturkatastrophen. Eigentlich genügen diese zwei Sätze. Den Rest kann sich der aufmerksame Weltbeobachter mit dem gesunden Menschenverstand dazudenken. Und sich entsprechend vorbereiten. Ganz ohne Kristallkugel.

Herzlichen Dank und freundliche Grüße von Sagitta

***) hier fällt mir ein hübscher Text von Kafka ein, über einen sehr beschäftigten und völlig verkannten Manager und Buchhalter namens Poseidon:

"Er pflegte zu sagen, er warte damit bis zum Weltuntergang, dann werde sich wohl noch ein stiller Augenblick ergeben, wo er knapp vor dem Ende, nach Durchsicht der letzten Rechnung, noch schnell eine kleine Rundfahrt werde machen können."


http://www.textlog.de/31999.html


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