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"Wenn der Strom weg ist" - "Sie reden von Wasser, von Wasser." (Freie Themen)

BBouvier @, Freitag, 10.06.2016, 22:15 (vor 1796 Tagen) @ BBouvier (8676 Aufrufe)
bearbeitet von BBouvier, Freitag, 10.06.2016, 22:31

Nämlich:
Wenn (temporal) dann natürlich auch das Wasser weg ist. :-(

Hallo!

Ja, ich weiß schon: Die Milch kommt aus dem Supermarkt
und das Wasser aus der Leitung.
Aber nicht immer schon.
Bis zu meinem 10. Lebensjahr habe ich in einem kleinen Dorf
[image]
in Niedersachsen gelebt, und da kam das Wasser
aus dem Brunnen mit Handpumpe vor der Haustüre.
[image]
Und auf dem Nachbarhof dort vor deren Haustüre.
Aber "dann/danach" kommt leider kein Wasser mehr aus der Leitung,
und eben, daß es keine Brunnen mit Handpumpe mehr gibt.
Und die Leitungen sind leergefallen, weil das Wasser nicht mehr
mittels Elektropumpen in die Hochbehälter gepumpt werden konnte.
Hier ist so einer. Fällt überhaupt nicht auf.
[image]

Und da haben wir sie nun, unsere zwei Probleme.

1.
Durst.
Eigentlich ist "Durst" in Mitteleuropa eine derart unwichtige
und nebensächliche Angelegenheit
(da leicht zu beheben, wegen der vielen Bäche, Flüsse,
kleinen und größeren Seen landauf-landab seit tausenden Jahren),
daß wir der Vollständigkeit der Sprache dafür zwar
ein Wort haben, jedoch keines, das analog zu
hungrig-satt ein eigenes für durstig-??? haben:
"Ich hatte Durst, aber eben habe ich was getrunken, weswegen..." -
das ist in Europa keine irgendwie relevante Information!
Ich gehe jedoch davon aus, daß Völker in Wüstenregionen
eine Vielzahl abgestufter Wörter für verschiedene
Grade des an Wasser satt seins kennen.
Dort (!) ist Wassermangel/Durst alltäglich und lebensbedrohend,
und das Nichtvorhandensein dessen eine wichtige Mitteilung.

Aber "danach" wird es auch hier ganz dumm mit "Trinkwasser" werden.
a.
Veronika Lueken (Bayside/Neu-York):
"Was ich sehe, gleicht dem Wilden Westen.
Ich sehe Leute, die in der Erde graben
und Kartoffeln oder ähnliches pflanzen.
Ich sehe sie, und das ist das Eigenartige daran,
daß sie im Erdschmutz hacken und doch ganz elegant
gekleidet sind. Und Einer von ihnen kommandiert;
er zeigt ihnen, wie der Bohrer eingesenkt werden muß,
in den Boden hinein. Sie reden von Wasser, von Wasser
."
b.
Eine gute Bekannte aus Eggenfelden sah sich vor vielen Jahren in einer Schau
"danach" in der grau-gelb veraschten Landschaft gehen.
Sie hatte rasenden Durst, jedoch nur eine kleine Flasche
mit Wasser dabei und gab das ihrem Hund*, weil der sich mit Hecheln
nicht mehr kühlen konnte und sonst an Hitzschlag gestorben wäre.
* = Interessanterweise war das nicht der Hund, den sie seinerzeit hatte!

In meinem Beitrag: "Paris ohne Strom" reiße ich diese Problematik
kurz an:
"Oma Dubonnet (pars pro toto) klettert durstig
6 Stockwerke ins Parterre und trinkt Wasser
aus der Seine.
3 Tage später findet sie ein Plünderer
tot auf dem 3. Treppenabsatz und zieht ihr
den schmalen Goldreif vom welken Ringfinger.
Bis dorthin hatte sie sich trotz schwerster Koliken
noch schleppen können.
"
https://schauungen.de/forum/index.php?id=4921

Und genauso sieht es dann in Köln aus, in Rom,
in München, in Hannover, in Kassel, in Nürnberg,
in ......, in ......, etc. =>
Möglicherweise wird aus diesen Grunde bereits massiv weggestorben,
bevor der Hunger überhaupt so richtig zum Tragen kommt.


Denn nämlich:
2.
Hygiene/Seuchen.
Weil die Wasserkästen der Toiletten leer sind,
werden die Menschen ihre Notdurft vor oder hinter
ihren Häusern im Freien verrichten.
(= Täglich scheißt da eine Million Kölner
in den Rinnstein.)
Beim ersten Regenguß werden die Fäkalien in die Gewässer
geschwemmt.
Ich will die Folgen hier nur nicht weiter ausmalen.
Nur darauf hinweisen, daß Oberstrom Kölns bereits Abermillionen
aus Bonn, Koblenz, Wiesbaden, Mainz, Mannheim, Ludwigshafen,
Karlsruhe, Baden-Baden, Freiburg und Basel
sowie aus den Nebenflüssen des Rheins dort reingekackt hatten.
Jedoch werden die Kölner eher dieses Rheinwasser trinken
als zu verdursten.

3.
Wenn ich hier im WW immer wieder mal lese,
so wild würde das alles doch gar nicht werden,
man verstehe sich darauf, "Wildpflanzen" zu pflücken,
man könne sich irgendwo doch einfach einen Hasen fangen,
man könne sich doch ein paar hundert Konserven kaufen,
man hätte bei You-Tube neulich einen Film gesehen, wie sich Jemand
im Wald eine Tütensuppe selbst (!) aufwärmt -
dann komme ich manchmal wirklich in´s Grübeln.

:trost:

Beste Grüße insofern.
BB


- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."


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