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Rußland nicht pauschal negativ (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 13. März 2016, 10:45 (vor 1581 Tagen) @ Xandl5236 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Freitag, 01. September 2017, 08:18

Hallo!

mir fällt es schwer die einmarschierenden Russen als Retter zu interpretieren.

Wir haben hier im Forum ein paar neuere Schauungen gesammelt, in denen die Russen tatsächlich als Besatzer mit Ordnungsfunktion erscheinen. Z. B.:

Es scheint entweder vor dem "russischen Feldzug" oder anstatt des Feldzuges eine mehrjährige Besatzungszeit zu geben, von der natürlich in keinem einzigen bislang erschienenen Prophezeiungsbuch die Rede ist. Mit der Standardliteratur kann man das gar nicht wissen.

BBouvier selbst hatte einen bemerkenswerten Traum, in dem die mitteldeutsche Bundeswehr mit den Russen gemeinsame Sache macht und vom Rest des Landes abfällt. Nostradamus IX/94, wo "Lübeck und Meißen" (im Nordwesten und Südosten der ehemaligen DDR) Barbarenpartei ergreifen, scheint das zu stützen.

Beachten sollte man zudem, daß der klassische russische Feldzug aus den Prophezeiungsbüchern doch gar nicht Deutschland gilt, sondern Frankreich. In diesem Szenario ist Deutschland nur Durchmarschgebiet der Russen auf ihrem Wege zum Atlantik. Die Hauptlast dieses Krieges tragen wir aber, weil der Vormarsch ungeplanterweise am Rhein zum Erliegen kommt. Nabelschau betreibend haben Autoren und Leser aber immer nur Deutschland im Blick und die Franzosen sind halt auch dabei.
Es besteht also kein Widerspruch zwischen der erwähnten mehrjährigen Besetzung Deutschlands und einem möglichen russischen Feldzug am Ende dieser Zeit. Es könnte durchaus beides stattfinden.

Ich gehe davon aus, daß die Russen Deutschland einnehmen zu einer Zeit, in der sich dieses Land im Zusammenbruch befindet, und zwei Interessen bedienen:
1. ihr eigenes Interesse, die Hand auf Europa zu legen.
2. das deutsche Interesse, Deutschland zu befrieden.

Das wäre ein reines Zweckbündnis. In einer zersplitterten Region, in der keine der dort agierenden Gruppen die Oberhand gewinnen kann, wirkt aber selbst das starke Auftreten einer an sich feindlichen Macht subjektiv stabilisierend, weil diese ihre eigenen Ordnungsbestrebungen durchsetzt.

Abwegig wäre es natürlich, treudeutsch Fähnchen schwingend den amerikanischen Gott gegen einen russischen zu tauschen. Insofern ist "Retter" ein irreführender Begriff. Die Russen sind nur nicht so negativ, wie sie in den Prophezeiungen wegkommen.

Die Prophezeiungen mal außen vor lassend halte ich Putins Rußland für die einzige und aus Sicht einer auf Tradition und Konservatismus ausgerichteten Welt augenblicklich beste Alternative zur völkervernichtenden amerikanischen Hegemonie.

Ein Bündnis mit Rußland wäre ein Meilenstein (!) zur Wiederherstellung der deutschen Souveränität, solange die Deutschen selbst dazu nicht in der Lage sind. Langfristig müßte man sich natürlich wieder aus dem russischen Einfluß lösen und mit den Russen mindestens auf Augenhöhe agieren können.

Und grundsätzlich gibt es für den Bestand des Abendlandes wohl keine Alternative zu einem starken, selbständigen Deutschland, das in Europa als Herrscher und Ordnungsmacht auftritt, während dieses unter Deutschland geeinte Europa global wiederum einen Machtblock darstellt.
Die jetzige dysfunktionale EU als Vorstufe dessen ist tatsächlich nur der verlängerte Arm amerikanischer Fremdherrschaft. Aber selbst in diesem Konstrukt fällt der BRD, die tatsächlich nur ein unsouveräne Besatzerkonstruktion ist, aufgrund der natürlichen Mittellage eine Art Vorreiterrolle zu, der sie natürlich in keiner Weise gerecht werden kann. De facto wirkt die BRD, die in jeder Hinsicht das Negativbild eines Deutschlands, wie es sein sollte, ist, als destabilisierender Faktor in Europa und damit ganz im Sinne der Amerikaner, die ein Europa als Konkurrenten und gar Verbündeten Rußlands offenbar fürchten wie die Pest.

Kann sein daß ich einem Irlmaierplagiat verfallen bin - aber die Schauungen behinhalten ja nicht nur "da kommt der Ruß". Es wird auch berichtet daß die Menschen vor ihnen flüchten.

Der Retter kommt und die zu rettenden flüchten nach Westen?
Na ich weiß nicht...

Irlamiers Aussage nach dem Zeitzeugen "Gärtner":

"Praktisch zur gleichen Stunde schon rollen auf der Autobahn bei Passau ungeheure Mengen russischer Panzer nach Westen. Die Einwohner von Passau sind erstarrt vor Überraschung und Entsetzen."

"Im Süden fliehen die Österreicher auf beiden Spuren der Autobahn von Salzburg Richtung München zu Zehntausenden in heller Flucht."

Ich bezweifle sehr stark, daß das der Realität entspricht.

1. Irlmaier ist grundsätzlich zweifelhaft.
2. "Gärtners" angebliche Irlmaieraussagen sind noch zusätzlich zweifelhaft, weil sie erst viele Jahrzehnte nach Irlmaier aufgezeichnet wurden und womöglich schlicht "Gärtners" Ideen wiederspiegeln.

Schon der Gedanke, man müßte angesichts durchrollender Panzer sofort hysterisch die Koffer packen und vor den Panzern in heilloser Flucht wegfahren, weil man das eben so macht :lol3:, ist reichlich irrsinnig und bedient eher die Kriegsklischees naiv-ängstlicher Leser, die glauben, wenn irgendwo Soldaten auftauchen, würden diese zwangsläufig plündern, morden, vergewaltigen, weil das eben Dinge sind, die Soldaten den lieben langen Tag so machen.

Ich halte die obigen Sätze für eine fixe Idee aus dem kalten Krieg, in der eine naive "Russenangst" bearbeitet wird, und zwar auch, um die Aussagen aufregender zu machen.
In den deutschen Prophezeiungen haben Fremdvölker, die über Deutschland herfallen (wohl als Echo Gogs und Magogs) und der Krieg am Ende der Zeiten einen festen Platz. Aus dieser Tradition heraus und vor dem Hintergrund der jüngsten Geschichte und der Blockbildung des kalten Krieges wurden die Russen im 20. Jahrhundert eben als "böse" identifiziert, was sich als Grundaxiom durch die Prophezeiungsliteratur zieht. DeGard etwa, der von der bolschewistischen Langzeitstrategie fabuliert, hat dieses irrationale Dogma fest im Griff.

Im übrigen sind solche Szenarien eigentlich typisch amerikanisch. Der Ami rettet den Irak - eh klar. Und die Demokratie sowieso. Und der Ruß rettet uns?
Naja.... Ich mag da eigentlich nicht gerettet werden....

Solange die Demokratie die Weltsprache ist, wird man seine knallhart machtpolitischen Ziele immer auf allen Seiten mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit kaschieren, um gegenüber den gläubigen Schäfchen, die Ziel der Propaganda sind, den Schein zu wahren.
Wenn Putin z. B. sagt, er bekämpfe den Terrorismus und stütze die rechtlich gültige Regierung Syriens, meint er eigentlich: "Ich bekämpfe die USA und deren Eingriffe in die Souveränität anderer Völker, u. a. meines eigenen."
Tatsächlich ist "USA" und "Terrorismus" synonym.

Jetzt spiele ich mal selber "Seher":
"Ich aber sage Euch," mag der Ruß der Feind der Amis sein und der Ami unser Feind. So ist es doch nicht immer sinnvoll den Feind seines Feindes zum Freund zu machen. Ich glaube: man kann keinem der beiden trauen. Deutschland sollte endlich lernen allein zu stehen...

Wäre ich Machtpolitiker, würde ich Begriffe wie "Freund", "Vertrauen", "Rettung" als Katekorien für Sklavenmentalitäten und Simpeldenker komplett fallen lassen und meine Bündnisse kalt kalkulierend entsprechend den Interessen meines Landes wählen und bei Bedarf wieder auflösen. Da wäre eine Allianz mit Rußland im Augenblick das Mittel der Wahl. Ziel sollte natürlich immer sein, sich selbst behaupten zu können und einen selbständigen Machtfaktor darzustellen. Wer nur nach einem Hegemon sucht, um sich sicher zu fühlen und ein Objekt unterwürfiger Verehrung zu haben, hat es gar nicht verdient, eine Rolle zu spielen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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