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Taigi zerlegt (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 31.12.2015, 15:30 (vor 2168 Tagen) @ chaosad (4941 Aufrufe)

Hallo!

Man muß zunächst mal die Frage nach der Quelle stellen.
Die Aussagen Taigis, die 1837 starb, wurden erst 1870 von einem P. Kalixt im Kloster Lerfroid veröffentlicht. Die Dame lebte zwar und wurde 1920 selig gesprochen, mit 33 Jahren Lücke zwischen ihrem Tode und der Veröffentlichung der Aussagen ist die Quellenlage aber äußerst unsicher.
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wurde ihr eine erfundene religiöse Prophezeiung zugeschrieben oder die Dame hatte selbst Visionen oder Erscheinungen religiösen Inhalts wie die Französin Marie-Julie Jahenny, die über Jahrzehnte beinahe täglich religiöse Botschaften bekam.

Wenn ich mir den Text ansehe, der von religiösen Ideen nur so wimmelt, erscheint mir echte, präkognitive Schau nicht vorgelegen zu haben:

  • Strafgericht Gottes
  • dreitägige Finsternis
  • Hinwegraffen der Feinde der Religion
  • Geweihte Kerzen
  • Man darf nicht rausschauen
  • Rosenkranz beten
  • Gott um Erbarmen anflehen
  • Wer sich bekehrt, bleibt am Leben.
  • Luftverpestende Dämonen mit greulichen Gestalten
  • Gebete zur Jungfrau und den Engeln bewahren vor dem Tod
  • Erzengel Michael steigt herab und fesselt den Teufel
  • Antichrist
  • vereinte Religion unter einem einzigen Hirten
  • Russen bekehren sich (nicht mehr orthodox, sondern katholisch)
  • England bekehrt sich (nicht mehr anglikanisch, sondern katholisch)
  • China bekehrt sich (nicht mehr heidnisch, sondern katholisch)
  • Triumph der Kirche

Damit erschöpft sich der Text quasi völlig. Was man allein als mögliche Voraussage behalten könnte, wäre das mutmaßliche Eintreten einer Finsternis irgendwann in der Zukunft, wobei die ganze Beschreibung bei Taigi keine Ableitung realer physikalischer Tatsachen und Umstände erlaubt.

Da ist rein gar nichts konkretes, keine Beschreibung einer Schauungswahrnehmung, sondern ausschließlich religiöse Erwartungen und religiöse Ratschläge.
Daher behandele ich Taigi als erfundene Quelle, die lediglich eine Variante des christlichen Endzeitglaubens darstellt.

Die Sache: Taigi wurde bereits 1936 auf Deutsch veröffentlicht (Johannis, Johannes: Loderndes Feuer ringsum. Colmar 1936.). Damit ist es prinzipiell möglich, daß die Aussagen auch im Umfeld Irlmaiers Einzug hielten und ihn beeinflußt haben könnten.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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