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Der Fall Irlmaier (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 31. Dezember 2015, 15:07 (vor 1389 Tagen) @ Tribun4935 mal gelesen

Hallo!

Wir haben schon vor einiger Zeit festgestellt, daß mit Irlmaiers Aussagen wohl massiv etwas nicht in Ordnung ist.

Darauf wird man allerdings nicht aufmerksam, wenn man den Darstellungen des Pseudo-Fachmanns Berndt glaubt, der lediglich an seiner Irlmaierstory weiterspinnen will, ohne wirklich zu hinterfragen.

Anlaß waren die Thesen des Quellenkundlers Randomizer, der auch hier gelegentlich schreibt:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=262738
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=262747

Irlmaiers 'Schauungen' sind imho größtenteils angelesen bzw. zusammengereimt und zwar aus drei bis vier Quellen (Broschüren/Artikel). Irlmaier war natürlich von der Authentizität/Autorität seiner Quellen überzeugt und lebte in entsprechender Naherwartung (zumal in den ersten Nachkriegsjahren, zumindest bis zum Tode Stalins, ein dritter Weltkrieg ja durchaus in der Luft lag). Um seine Zeitgenossen zu warnen (also aus durchaus herzensguten Motiven), gab Irlmaier das zusammengereimte Zukunftsszenario als seine Schauungen aus; die kommerziellen Motive 'seiner' Verleger/Journalisten waren ihm ja bekanntermaßen zuwider.

Irlmaier kam wahrscheinlich über seinen Freund und Verleger Conrad Adlmaier zu einer großen Menge Prophezeiungswissens. Nicht zuletzt wurde er im Laufe der Jahre von tausenden Leuten besucht, derer sicher einige ihn zum Weltgeschehen befragten und ihm Prophezeiungen vorlegten, um von zu erfahren, ober es auch so sähe.
Meines Erachtens sind die Aussagen, die heute als "Irlmaier" kursieren, weitestgehend von Adlmaier erfunden und mit Irlmaier abgestimmt worden, wobei ein geringer Teil authentischer Irlmaierschauungen eingeflossen ist, die es kritisch abzusondern gilt.
Irlmaier erzählte seine Geschichte wohl im Gewissen (auch gegenüber Zeitzeugen), daß sie wahr sei, weil er an die Prophezeiungen glaubte.

Beide Personen, Irlmaier und Adlmaier, sind aber nicht ohne Makel.
Adlmaier hat nachweislich die Entstehungs- und Auffindungsgeschichte des Lindeliedes erfunden und die wahre Quelle (Hingerl 1920) unterschlagen. Dieses Vorgehen belegt quasi die charakterlichen Voraussetzungen, derer es für die Erfindung ganzer Prophezeiungen bedarf.
Irlmaier wiederum saß, wie Stephan Berndt selbst herausfand, in den 20er Jahren mehrmals u. a. wegen Betruges und falscher Versicherung an Eides statt im Gefängnis, was wohl eine grundsätzliche Bereitschaft, es mit der Wahrheit nicht allzu genau zu nehmen, anzeigt.

Hier habe ich mal begonnen, in den drei Adlmaierauflagen die Plagiate ihren Vorlagen gegenüberzustellen:
Plagiate bei Alois Irlmaier
Die Seite ist aber erst der Anfang und noch immer sehr unvollständig. Mit einer gewissen Spürnase ahnt man aber, wo wahrscheinlich noch weitere Plagiate und Erfindungen schlummern, die noch nicht aufgedeckt wurden.

Daher gehe ich, insbesondere bei solch fadenscheinigen Aussagen wie "Stimmen draußen" zunächst davon aus, daß Irlmaier dazu gar nichts gesehen hat.

Im Grunde ist die Erkenntnis nicht neu. Schon der Prophezeiungsforscher Alexander Gann stellte 1986 fest, mit Irlmaier sei die einmalige Chance der Dokumentation einer herausragenden seherischen Begabung vertan worden.
Die Öffentlichkeit/Mehrheit glaubt natürlich noch an ihren Säulenheiligen.
Auch die meisten Prophezeiungsautoren haben keine Interesse daran, die Wahrheit herauszufinden. Lieber wollen sie einen Mythos erschaffen und an der "großen Weissagung" weiterstricken. Nicht wenige, die auch zu Irlmaier veröffentlichten (Adlmaier, Bekh, Friedl, Backmund usw.) haben sich z. B. bei der Erschaffung des Mühlhiaslmythos mitschuldig gemacht, der 1923 von Landstorfer aus der Taufe gehoben wurde. Das ging so weit, daß heute in Bayerischen Wald das Leben des Waldpropheten als traditionelles Kulturgut in Theaterstücken aufgeführt wird, obwohl diese Person vor 1923 niemandem bekannt war.

Du sagst selber: Schauungen treten ein.
Das Forum bemüht sich Schauungen zu vergleichen, Gemeinsamkeiten zu finden, ja "Seher" zu finden die gemeinsam die selben Schauungen hatten.

Das ganze Thema ist ein Sumpf und man kann nicht zu kritisch sein, um überhaupt erst mal herauszufinden, was eine Schau ist und was nicht.

Im Grunde muß man bei älteren Quellen (wohl bei allem, was älter als die 1950/60er Jahre ist), zunächst mal fragen: Wo ist die Sache abgeschrieben, bzw. wo könnte sie abgeschrieben worden sein? Welche Ideen und Vorstellungswelten liegen der Prophezeiung zugrunde, was sind die Motive? In der Regel wird es auch schwer, die Personen der Seher zu greifen und valide Belege für seherische Begabung zu finden. Irlmaier ist hier ein Grenzfall, da er nachweislich seherisch begabt war, die Prophezeiungen aber zweifelhaft sind.
Bei neueren Quellen wird die Lage besser, die Dokumentation wird neutraler, sachlicher, die Seher sind greifbarer und lassen sich befragen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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