Pro und Kontra (Schauungen & Prophezeiungen)

JohnDoe78 @, Montag, 07. September 2015, 13:42 (vor 1674 Tagen) @ Taurec4608 mal gelesen

Hallo Taurec,

Die Hingerls sind in der Traunsteiner Gegend tatsächlich am dichtesten verbreitet. Das macht es aber lediglich wahrscheinlich, daß Adlmaier mit einem Hingerl oder Martin Hingerl in Kontakt kam, dessen Schriften in die Hände bekam oder über diese Ecke das Lied kennenlernte. Damit ist nicht bewiesen, daß das Lied älter als 1920 wäre, bzw. ein anderer als Martin Hingerl der Verfasser.

Damit zeigst Du aber auch, dass man Adlmaiers Version nicht ausschließen kann.

Daraus lässt sich schließen:
Hingerl kannte Prophezeiungen, glaubte an sie. Daß er selbst nicht über alle Aspekte und Bedeutungen des Liedes bescheidwußte, entspricht der Tatsache, daß er andere Prophezeiungen interpretativ verarbeitet hat.
"Fides intrepida", "Pastor angelicus", das sind die Mottos aus der Malachiasfälschung, die später den Päpsten Pius XI. (1922 - 1939) und Pius XII. (1939 - 1958) zugeordnet wurden. Hingerl ging also davon aus, daß sich das Lied in der allernächsten Zukunft erfüllen würde. Von einem später tatsächlich stattindenen 21. Konzil wußte er ebenfalls nichts, weswegen es bei ihm das Konzil ist, welches alle Dinge wieder ins Lot bringt, während das echte 21. Konzil die traditionelle Kirche vielmehr vernichtet hat.
Aus den Anmerkungen geht übrigens auch hervor, wie "Femt den Gottesstreit vors nah’ Gericht." gemeint ist, nämlich völlig banal als Völkerbund, in dem der Papst das Sagen hat.

Auch hier gibt es Aspekte, die für Adlmaiers Behauptungen sprechen. Ich hatte beim Durchlesen auch den Eindruck, dass Martin Hingler versucht den Prophezeihungstext in Gedichtform zu interpretieren. Es ist damit keineswegs klar, ob das Gedicht seine Interpretation von zugrunde liegenden Quelltexten ist oder ob es sich um eine Rezitierung eines in Familienbesitz befindlichen Originals handelt, den er versucht zeitlich einzuordnen. Auch hier kann man es nicht ausschließen, dass Adlmaiers unreferenzierte Aussage eben doch der Wahrheit entspricht und er aus journalistischer Gepflogenheit auf Wunsch auch seine Quelle anonymisiert hat.

Mein Anliegen ist und bleibt jedoch gleich. Man muss iterativ Quellen überprüfen und damit auch seine eigenen Erkenntnisse erweitern. Die Technologie, die uns unterstützt wird immer wirksamer und die Datenlage im Internet auch immer umfangreicher, so dass sich meiner Meinung nach auch wiederholte Überprüfungen auf Basis einer erweiterten Datenquelle lohnen. Dazu muss man sich eben von Dogmen lösen und sich teilweise von liebgewonnenen Erkenntnissen trennen.

Beste Grüße,
JD78


Wenn zwei gleicher Meinung sind, ist mindestens einer überflüssig


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