Jakob Lorber: eine dunkle Textstelle (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Abbe Faria, Dienstag, 28. April 2015, 11:20 (vor 1666 Tagen)4644 mal gelesen

Hallo,
ich bin neu hier und hätte eine Frage, die mir bisher noch niemand zufriedenstellend beantworten konnte. Womöglich finde ich hier unter Prophezeiungsfachleuten einen gedanklichen Anstoß.

Über europ. Prophetie, die hier im Forum – oft sehr interessant - diskutiert wird, bin ich insoweit informiert, als dass ich ein paar Bücher, älteren und neueren Datums, zu diesem Thema gelesen habe.
Etwas tiefer bin ich aus purer Neugier in das Phänomen Jakob Lorber eingestiegen und habe mich recht intensiv mit dem Gesamtwerk, mit einer gewissen Distanz, auseinandergesetzt. Ich muss vielleicht an dieser Stelle hinzufügen, dass ich kein Lorberianer bin (falls es sowas überhaupt gibt), sondern habe mich mit diesen Texten, zu denen auch - wie die meisten hier vermutlich wissen – auch Prophezeiungen gehören privat auseinandergesetzt. Ich kenne auch sonst niemanden mit dem ich darüber diskutieren konnte. Das Studium der Texte geschah aus Interesse und Neugier. Man muss hinzufügen, Jakob Lorber ist ja nicht unumstritten.

Jetzt gibt es da eine Stelle im Lorberwerk in den „Himmelsgaben“ aus dem Jahr 1849, wo Lorber über eine Art Trübsalszeit schreibt, die global („allen Punkten der Erde“) über die Menschen kommt „Wie ihresgleichen die Erde noch nicht getragen und geschmeckt hat.“ Manches scheint auch ein bisschen angelehnt an die Endzeitrede Jesu in Matthäus. Lorbers Stil ist eigentlich durchweg sehr klar und verständlich gehalten, wenngleich er recht allgemein und blumig schreibt, jedoch von der Semantik her gibt es nur wenig Interpretationsspielraum bei diesen Texten. Mit anderen Worten: Man weiß, was gemeint ist, wenngleich vieles ein bisschen vage formuliert ist.
Dann gibt es einen Stilbruch – ganz plötzlich und unverhofft: Er schreibt über die Dauer dieser o.g. „Zeit der Reinigung“, dass diese …

„aber wird dauern kürzestens vier Wochen; denn es wird nun Stunden geben, in denen mehr geschehen wird als ehedem in einem Jahrhundert. - Ein längerer Termin ist gesetzt auf vier Monate; denn es wird nun Tage geben, von denen einer mehr bedeuten wird als ehedem ein volles Jahrhundert. - Noch ein weiterer Termin ist gesetzt auf vier Vierteljahre; denn es wird nun in einer Woche mehr geschehen als in der Vorzeit in einem vollsten Jahrhundert. - Und noch ein weitester Termin ist gesetzt auf vier Jahre und noch eine Kleinigkeit der Zeit hinzu; denn es werden nun Monde kommen, in denen mehr geschehen wird als in der Vorzeit in sieben Jahrhunderten!“

Vielleicht habe ich irgendwie ein Brett vor dem Kopf, aber für mich ist das wie die dunkelste Nacht. Lorber wechselt – was m.M. nach für Lorber VÖLLIG untypisch ist – in eine beinahe pathetische altestamentliche Prophetensprache.
Ich sehe da nirgends eine historische, biblische, zahlenmystische, symbolische oder gar zeitgenössische Analogie oder sonst etwas, was mir helfen würde diese Textstelle einzuordnen bzw. zu erraten auf was Lorber da anspielt bzw. was er gemeint hat.
Es geht mir nicht darum diese Stelle bedeutsam zu machen. Ich kann sie einfach nicht einordnen, sie erschließt sich mir nicht.
Womöglich kann mir jemand einen Gedankenanstoß geben.

Vielen Dank.


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