Apokalyptisches (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Sagitta, Montag, 13. April 2015, 23:08 (vor 1648 Tagen) @ Lieselotte3313 mal gelesen

Hallo Lieselotte,

vielen Dank für Deinen Beitrag - schon wieder taucht eine Straßenbahn hier im Forum auf!

Du weißt sicher, dass beim Einsturz des Stadtarchives das Wasser auch in den U-Bahn-Schacht lief, übrigens vor wenigen Wochen erneut (LINKS zum Nachweis ganz unten). Kannst Du ausschließen, dass Deine Schauungen sich auf die Vergangenheit bezogen haben? Denn Blicke zurück in die Zeit kommen ebenso vor wie Blicke in die Zukunft.

Das Gleiche könnte auch der Fall sein bei den Kriegsszenen, die Du gesehen hast: in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges sollen sich in Köln apokalyptische Szenen abgespielt haben:

http://rheindvd.de/koeln-1945-nahaufnahmen.html

Damit habe ich ein Stichwort benutzt, zu dem ich ohnehin schon lange ein paar Sätze mal sagen wollte. Im ZDF kam vor einiger Zeit eine Dokumentation zum letzten Buch der Bibel und zu seinem Autor. Ich persönlich mag den Stil dieser Dokus überhaupt nicht, aber es wird in dieser Sendung der aktuelle Stand der Forschung doch ganz gut zusammengefasst:

http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/3c6207e5-5373-4524-870d-7e7c80b6e84f/20420940?generateCanonicalUrl=true

(nur als Beleg für die folgenden Ausführungen, ich kann das Anschauen nicht empfehlen)

Der Autor der Apokalypse scheint aus einer gebildeten (priesterlichen?) Familie Jerusalems zu stammen, ist zum Christentum konvertiert (Bekanntschaft mit Jesu nicht ausgeschlossen), hat später in Ephesus gelebt und war eine Zeit lang auf Patmos in der Verbannung. In seine Lebenszeit fielen somit die ersten Christenverfolgungen (Nero Cäsar = 666), der jüdische Krieg mit Zerstörung Jerusalems (ca. 1 Mio. Tote), das Vierkaiserjahr (=vier Reiter), ein erneuter Brand von Rom unter Titus und die Seuchen während dessen Herrschaft, der Zwang zur Verehrung des Kaisers als Gott, der Ausbruch des Vesuv. Das waren für die damalige Zeit wahrhaft apokalyptische Ereignisse, die ihren Widerhall in der Seele nicht nur des Autors Johannes fanden. Er allerdings drückte seine Empfindungen in Bildern und Begriffen aus, die die Zeiten überdauerten, und er interpretierte das Geschehen nicht als Zufall oder Schicksal, sondern als Handeln seines Gottes, das trotz aller Schrecken auf ein gutes Ende zielte.

Falls Johannes überhaupt Schauungen im Sinne dieses Forums hatte, so waren es durchweg symbolische Schauungen, die sich nicht auf reale Ereignisse bezogen, sondern die geschichtliche Kräfte personifiziert darstellen wollten (der Drache, die Hure, der Reiter, der Widder, das Lamm etc.). Ich persönlich spreche der Apokalypse des Johannes jeden Wert in Bezug auf künftige geschichtliche Ereignisse ab. Man mag sie aber durchaus in Erwägung ziehen bei der Interpretation geschichtlicher Prozesse (Übermacht des Staates, Pseudoreligionen, Naturkatastrophen als Weichensteller, Hoffnung auf ein gutes "Reich"). Bedenklich bzw. bedenkenswert ist, dass in diesem Visionstext menschliche Individuen nicht mehr handeln: die Menschen sind nicht mehr Subjekt ihrer Geschichte sondern passive Objekte übermenschlicher (höllischer oder himmlischer) Kräfte.

Dies ist der Tenor der Doku und auch mein persönliches Fazit aufgrund eigener Recherchen. Das stimmt natürlich nicht überein mit der traditionellen Deutung der Apokalypse als eines Tages doch kommendes Realgeschehen. Und wir stehen vor dem Phänomen, dass seit 2000 Jahren mit dem Fackelschein dieser Apokalypse versucht wird, die Zukunft auszuleuchten - meines Erachtens keine gute Idee! Auch der Begriff Weltenwende verdankt wohl eine seiner Wurzeln diesem alten 'apokalyptischen Denken'. Eine andere Wurzel mögen die germanischen Vorstellungen von einer Götterdämmerung sein. Letztlich handelt es sich vielleicht sogar um indogermanische archetypische Bilderwelten (altpersischer Dualismus, der auch auf das Judentum gewirkt hat; arische Yuga- und Shamballamythen; und immer wieder die leidigen Verknüpfungen von Krieg, Religion, Naturgewalt).

Lässt sich die Geschichte und die Zukunft gar nicht anders denken?

Sinniert, mit abendlichen Grüßen, Sagitta

PS: Zwei LINKS zu U-Bahn/Wassereinbruch in Köln (nicht wichtig, nur als Beleg)

http://www.ksta.de/einsturz-des-koelner-stadtarchivs/einsturz-des-koelner-stadtarchivs-verdaechtiger-riss-in-der-u-bahn-wand,21955776,29983076.html

http://www1.wdr.de/studio/koeln/themadestages/wasserverlust-einsturzstelle-stadtarchiv-koeln100.html


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