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Zeitspanne zwischen Ermordung des Hochgestellten und Kriegsausbruch (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 20.03.2014, 11:16 (vor 2771 Tagen) (6286 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 30.08.2017, 14:57

Hallo!

Berndt bekam kürzlich von einer Buchhändlerin die Notizen eines persönlichen Irlmaierzeugen vom Oktober 2013. (Wurden die Notizen im Oktober 2013 übergeben oder überhaupt erst angefertigt, 55 Jahre nach Irlmaier Tod? Das wäre wichtig.) Name ist Berndt bekannt. Er versucht Kontakt aufzunehmen, vermutet aber keine weiteren Informationen.

„Um das Jahr 1950 herum habe ich den A. Irlmaier persönlich kennen gelernt und ihm eine Zeit lang zugehört. Er hatte am Thumsee (bei Bad Reichenhall, Anm. SB) einen Brunnen gebaut. Für ein neues Einfamilienhaus am Hang oberhalb der Thumseestraße Der Brunnenschacht war ca. 70 m tief und ca. 1,20 m Querschnitt - in den Felsen gehaut. Wenn man in den Schacht hinunter sah, konnte man das Wasser sehen. So ist es vermutlich noch heute.
Eines Tage kam der Irlmaier und wollte einen E-Motor holen, den er dort vergessen hatte. Ich war Hausverwalter und wir kamen schnell ins Gespräch. Er sagte zu mir, ‚Du bist nicht von da. Du bist nicht aus der Stadt, und auch nicht vom Land. Dein Elternhaus steht am Stadtrand. Es ist das dritte Haus neben der Kirchen’. - So war es.
Er erzählte vom ‚Bayer. Hiasel’ (Mühlhiasl, Anm. SB) und folgenden Aussagen :

- Es wird eine Zeit geben, da werden die Menschen wie Hornissen aussehen
- An der Donau werden die eisernen Hunde bellen (die Dampf-Lokomotiven)

Irlmaier sprach über den nächsten großen Krieg. Denn es gab gerade Kriegsangst im ‚kalten Krieg’.

Seine Aussage war: Drei große Männer werden ermordet. Zwei sind schon tot. Wenn der dritte tot ist, dann dauert es nur noch 3 Tage, 3 Wochen oder 3 Monate. Dann geht es los.

Die Leute können nur noch rennen. Wer stehen bleibt und sich umschaut der ist verloren .Die Leute können nur das mitnehmen was sie tragen können. Aber es geht drauße vorbei. Im ‚Saurüssel’ — gemeint ist das Berchtesgadener Land passiert nichts.
Wenn der Krieg vorbei ist, dann werden sich die wenigen Überlebenden suchen. Da wird die Mutter fragen, Tochter wo bist du gewesen. Und der Sohn wird fragen: Vater wo bist du gewesen.

Zum Abschied sagte der Hellseher. etwa das ich mir besonders gut gemerkt habe: ‚Eines sag ich Dir noch und das solltest du dir gut merken Es wird eine Zeit kommen, da wird nur noch gebaut, gebaut und überall nix wie gebaut, - Und wenn alles gebaut ist dann kommt das große Abräumen’.

In Freilassing hatte ich einen guten Freund: Hans Joachim Uth. Als Eisen-Uth bekannt. An der Sur hinter dem Moosleitner hatte er seit ca. 1950 auf einer Wiese eine Eisenbiegerei, Er hatte öfters Kontakt mit dem Alois I. und beklagte sich mal bei ihm. dass sein Grundstück zu klein für den Betrieb sei. Der Alois Irlmaier sagte: Denk Dir nix, Du bekommst mal was an der Bahn. So war es nach einigen Jahren Die Bundesbahn bot ihm ein großes befestigtes Gelände in der Gegend vom heutigen Lokschuppen zur Vermietung an. Dort konnte er Hallen aufbauen und den Betrieb erweitern.
Als wir den Mietvertrag der Bundesbahn gemeinsam durchlasen hat mir mein Freund Uth von der ‚Vorhersage’ Irlmaiers berichtet.“

(Berndts Anmerkungen habe ich entfernt. Wer sie lesen will, schaue im Zukunftsforum nach.)

Irlmaier gibt hier eindeutig Mühlhiaslaussagen, d. h. Volkssagengut, wieder. Das ist weitgehend wertlos, weil sich so nicht mehr feststellen läßt, ob Irlmaier nur Gehörtes weitererzählt oder eigene Schauungen mit den Worten älterer Prophezeiungen wiedergegeben hat.

Abgesehen von der Aussage über den Saurüssel ist die einzige, welche nicht von Mühlhiasl stammt die Aussage über den Hochgestellten:
"Drei große Männer werden ermordet. Zwei sind schon tot. Wenn der dritte tot ist, dann dauert es nur noch 3 Tage, 3 Wochen oder 3 Monate. Dann geht es los."

Das unterscheidet sich aber von dem, was an anderer Stelle dokumentiert wurde.

Adlmaier, 1. Auflage, nach einer allgemeinen Beschreibung des Krieges und des Untergangs Englands: "Die ganze Sache wird nicht lange dauern. Ich sehe drei Striche – drei Tage, drei Wochen, drei Monate, ich weiß nicht genau, aber lang dauert es nicht!"

Adlmaier, 2. Auflage, isoliert am Beginn eines alleinstehenden Unterkapitels mit dem Titel "Wie lang dauerts?", wobei "es" wohl das ganze Geschehen meinen soll: "Das kann ich nicht genau sagen. Ich sehe eine Zahl vor mir, das ist ein Dreier. Ich weiß aber nicht, sind es drei Tage oder drei Wochen oder Monate, ich kann es nicht sagen."

Adlmaier, 3. Auflage, zur Dauer des Krieges: "Wie lange es dauert mit dem Krieg? Ich sehe deutlich einen Dreier, aber ob es drei Tag, drei Wochen oder drei Monate sind, weiß ich nicht."

Altbayrische Heimatpost vom November 1949: "Ein dritter großer Krieg ist ziemlich sicher, aber ich weiß nicht, wann er kommt; aber das eine ist ganz gewiß, daß er nicht lange dauert. – Ich sehe einen Dreier… es können bloß drei Tage sein, es können auch drei Wochen sein, es können auch drei Monate sein. Aber länger dauert er gewiß nicht."

Kufsteiner Sonntagspost von Hans Burgstaller: "Die schreckliche Zeit wird übrigens nicht lange dauern; denn der Brunnenbauer 'sieht' drei 'Striche'. Er weiß zwar nicht, was die Striche bedeuten sollen, drei Tage, drei Wochen oder drei Monate, aber 'lange dauert es nicht!'."

In einem ziemlich irlmaierkritischen Artikel im "Echo der Woche" vom 12. Mai 1950 heißt es: "Schon im Monat Oktober des vergangenen Jahres hat der Freilassinger Brunnenbauer anläßlich der von uns durchgeführten Experimente über diese Dinge gesprochen. Damals allerdings waren es nicht drei Tage, Wochen oder Monate sondern sieben."
Im selben Artikel werden die drei Striche in Bezug auf die Kriegsdauer genannt.

  • Im Oktober 1949 waren es noch sieben Striche, im November bereits drei. Hat sich Irlmaier tatsächlich derart widersprüchlich geäußert oder wollte das Echo der Woche ihn nur schlechtmachen?
  • In allen literarischen Quellen sind die drei Striche auf die Kriegsdauer bezogen, wenngleich Hans Burgstaller schreibt und die anderen es andeuten, daß Irlmaier nicht wußte, wofür die Striche stehen. Waren sie ein isoliert dastehendes Bild, muß es sich nicht unbedingt auf die Kriegsdauer beziehen, sondern könnte auch eine andere Zeitspanne meinen. Nachdem die Heimatpost und Adlmaier (der Irlmaiers Aussagen wahrscheinlich nach Gutdünken redigierte, umordnete und glattbügelte) sich aber auf die Kriegsdauer als Deutung der Striche mehr oder weniger festgelegt hatten, wurde es von allen so nachvollzogen. Tatsächlich gibt es zwei Aussagen von anderen Zeitzeugen, die vermuten lassen, daß Irlmaier die Striche tatsächlich auf die Zeit zwischen Konferenz und Kriegsausbruch bezog, nämlich als "Tage", was zu Berndts neuem Zeugen passen würde:
    • Zeitzeuge Gärtner: "Der Hochgestellte wird von den Russen ermordet. daraufhin erklärt sein Nachfolger den Russen schlichtweg offiziell den Krieg. Doch die Amerikaner sind völlig verblüfft, daß die Russen schon um 3. Tag danach angreifen. Sie dachten, daß die Russen noch eine Zeitlang, brauchen, bis sie mobil machen und angreifen. Aber das wird nicht lange dauern, die Russen sind wie aus dem Erdboden hervorgezaubert wie die Schwammerl im August. Gleich nach der Konferenz von Budapest kommen die Leute in Passau aus dem Dom und stellen fest, daß auf der anderen (österreichischen) Seite Panzer sind. Zuerst meinen sie, das sei eine Übung einheimischer Panzer; bis sie feststellen, daß es Russen sind. Da sind sie ganz entsetzt und merken, jetzt ist alles verloren." Rein seherisch müßte das Bild aus Passau isoliert vom Bild über die Konferenz dagestanden haben. "Passau" kommt im ganzen Irlmaier nur bei Gärtner vor. Ich vermute als Grundlage ein alleinstehendes Einzelbild von Russen in der Stadt, wobei der zeitliche Zusammenhang zur Konferenz reine Interpretation ist, wie auch die Überraschung über die flotte russische Mobilmachung.
    • Seiner Aussage an die Hamburgerin von 1956 hat Irlmaier die Zeitspanne von drei Tagen zwischen Mord und Krieg zugrundegelegt: "Du mußt gleich nach dem Mord schnellstens an den Rhein kommen, am linksrheinischen Ufer entlang die Straße nach Basel nehmen und nach Lindau über den Bodensee kommen. Nach Lindau kommt der Russe nicht, aber bis Freiburg, nicht weiter. Das mußt du in drei Tagen schaffen. Am vierten ist es schon zu spät' An der Ostseeküste sieht er einen gelbsichtigen Heerwurm kommen."
  • Vorausgesetzt, die Aussage des neuen Zeitzeugen ist richtig, hätten wir hier eine Dokumentation der drei Striche, die unabhängig von irgendwelchen Autoren und Journalisten stattfand. Hat sich Irlmaier also tatsächlich so geäußert, daß die drei Striche sich nicht auf die Kriegsdauer, sondern Dauer von der Ermordung des Hochgestellten bis zum Feldzugsbeginn beziehen? Hat diese Äußerung der tatsächlichen Schau entsprochen oder war sie wieder nur eine andere Variante, die sich Irlmaier überlegte, weil er die Bedeutung der Striche nicht kannte? In diesem letzten Fall würden die Deutungsvarianten "Kriegsdauer" und "Dauer bis zum Krieg" gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Ist die Aussage des Zeitzeugen überhaupt richtig dokumentiert, ist sie 1950 unmittelbar nach dem Irlmaierbesuch aufgeschrieben worden oder erst im vergangenen Oktober? Hier sollte Berndt nochmal genau nachfragen, denn ich vermute, daß ihm diese Diskrepanz, wie es ihm gelegentlich unterläuft, nicht aufgefallen ist.

Kurzfassung: Es ist möglich, daß sich die Angabe über die Kriegsdauer in der Literatur tatsächlich auf die Zeitspanne zwischen Konferenz/Ermordung des Hochgestellten und Feldzugsbeginn bezieht, wobei grundsätzlich nicht nur drei Tage, sondern auch drei Wochen oder Monate vergehen könnten. Diese Variante wird offenbar von Zeitzeugen direkt oder indirekt gestützt.
Im Extremfall ist es möglich, daß nicht drei Tage/Wochen/Monate vergehen, sondern sieben, wenngleich diese Variante in den Quellen ein Außenseiter ist.

Meinen konstruierten Ablauf des Kriegsjahres würde das durcheinander bringen. Hingewiesen sei noch auf die Aussage Rills außerhalb der Feldpostbriefe:
"Der dritte Krieg würde 28 oder 58 Tage dauern. Ich habe es nicht mehr in Erinnerung."

28 Tage wären vier Wochen oder knapp unter einem Monat, 58 Tage wären knapp über acht Wochen und rund zwei Monate. Beides würde nicht zu Irlmaiers Strichen passen, wenn sie sich auf die Kriegsdauer bezögen, allenfalls mit großer Unschärfe (was freilich möglich wäre).

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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