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Erwin Zahn (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 12. Juli 2012, 09:08 (vor 3059 Tagen) @ throne5499 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Donnerstag, 12. Juli 2012, 09:21

Hallo!

Erwin Zahn habe ich vor ein paar Jahren mal besucht.

Obwohl ich dort stundenlang nachbohrte, erzählte er mir nicht eine einzige selbst erlebte Schau, die zu den Ereignissen paßt, die er vorhersagt (Zahns Aussagen, bei DeGard zitiert).
Stattdessen kamen ewige Schwadronanden über Juden, die Endzeit, Illuminaten, Sowjets, Nostradamus, eine ganze Reihe anderer bekannter Schauungen und wie er sich den dritten Weltkrieg vorstelle.
Das sah er aber nicht selbst, sondern ist nur seine Interpretation.

Garniert wurde das ganze mit seiner Paranoia. So war er der Überzeugung, wegen seines Wissens über die Hintergründe verfolgt zu werden. Er war sich außerdem sicher, den künftigen Kaiser in Ungarn ausfinden zu machen und später als sein persönlicher Berater zu dienen.

Auf mein Drängen hat er mir schließlich doch ein paar Schnippsel hingeworfen, die zumindest wie Schauungen aussehen:
1. Rückwärtsgerichtet eine Schauu aus Kindertagen in ein vergangenes Leben im zerstörten Dresden. Straßennahen, die er dort sah, soll er später wiedererkannt haben (dorthin kam er erst Jahre später).

2. Eine Schau über eine Atombombe, die im Münchner Norden explodierte. Jahrzehnte später sah er ein paar Bayern am Rande des Ruinfeldes stehen. Zahn war offenbar der Meinung, die Russen würden den Garchinger Forschungsreaktor (!) bombardieren. :schief: Ungeachtet der Träume die kürzlich hier im Forum landeten, nehme ich ihm das - bei meinem Eindruck von ihm - nicht ab.

3. Etwas diffuses über einen Vulkanausbruch am Chiemsee, den ich eher für Verarbeitung der Feldpostbriefe halte (im Süden Berge feuerspeien und das Ereignis, wo die Leute hingehen). Geologisch sind dort Vulkanausbrüche unmöglich.

In einem der kleinen selbstgedruckten Hefte, die er weitergibt, steht noch eine Vision über einen Meteoritenhagel:
„Einen Meteoritenhagel hatte ich so direkt nicht gesehen, wohl aber ganz konkret während einer Nacht eine plötzliche Verfärbung des Himmels in ein von Rauchschwaden durchsetztes Feuerrot, in dem unzählige gelblich bis weiß leuchtende Objekte sehr schnell herumflogen; das Ganze begleitet von einem infernalisch lauten Donnergrollen. Den Ort, an dem ich im Tram diese Erscheinung sah, habe ich auch erkannt. Es war ein Gasthaus bei Mühldorf, auf der anderen Seite des Inns. Dort ist ganz in der Nähe ein katholisches Kinderheim (Starkheim) gewesen, in dem ich einige Jahre lebte, obwohl ich gar nicht katholisch war. Ganz genau sah ich mich da bei einem Baum stehen, an dem ich als kleiner Bub gerne gespielt hatte.“

DeGard nennt von diesen Dingen, die noch den größten Gehalt haben, nichts. Jedoch zitiert er Stellen aus Zahns literarischen Schwadronaden, die von eigenen Schauungen nicht die geringste Beschreibung enthalten trotz Zahns Beteuerung, es genauso gesehen zu haben. Er hat Zahn unhinterfragt als echten Seher in sein Buch Armageddon aufgenommen und zwar, wie mir scheint, nur weil Zahns Geschichten zu seinen Vorstellungen von der russischen Langzeitstrategie passen. Dieses leichtfertige und tendenziöse Vorgehen ("Ich nehm alles rein, was mir paßt.") muß man ihm beinahe als Makel anrechnen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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