Ähnlichkeiten: Lindenlied, Irlmaier, Feldpostbriefe (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

randomizer, Dienstag, 24. April 2012, 06:22 (vor 2735 Tagen) @ Baldur5926 mal gelesen


Adlmaier, um 1950, kennt nachweislich Mühlhiasl, das Lied der Linde, die Feldpostbriefe des prophetischen Franzosen. Er *verlegt* Irlmaier.
Damit kennt er = Adlmaier die Figur des Antichristen und den vorhergesagten Untergang von Paris und Marseilles. Und spricht sicher mit Irlmaier darüber.

Hallo Baldur,

angesichts der Uhrzeit nur ganz kurz aus dem Ärmel:

Anfangs hielt ich Adlmaier* ebenfalls für die alleinige Wurzel des Irlmaier-Übels, inzwischen gehe ich davon aus, daß Irlmaier bereits selbst einschlägig belesen war; das Lindenlied und die Feldpostbriefe, welche Irlmaier sicher erst durch Adlmaier kennengelernt hat, haben Irlmaier in seiner Naherwartung dann noch zusätzlich bestätigt.


Er dürfte sicher auch Alfons Konzionator (um 1920) und seine Schriften gekannt haben, der sich wiederum auf LaSalette (um 1850) berief.

La Salette ist nur eine von über hundert Prophezeiungsquellen, die Konzionator für seine Schriften verwertet hat, siehe unten.


Und jetzt lese man nochmals das Lied der Linde, die Feldpostbriefe und Irlmaier.

Das Lied der Linde ist keine legitime Quelle für uns, das Gedicht ist lediglich eine lyrische Zusammenfassung von Konzionators 'Der große Monarch' (1920), einiges dort überschneidet sich inhaltlich mit der Schrift 'La Salette und die nächste Zukunft', ebenfalls von Alfons Konzionator (EA 1921).

Irlmaiers 'Schauungen' sind imho größtenteils angelesen bzw. zusammengereimt und zwar aus drei bis vier Quellen (Bücher/Artikel). Irlmaier war natürlich von der Authentizität/Autorität seiner Quellen überzeugt und lebte in entsprechender Naherwartung (zumal in den ersten Nachkriegsjahren, zumindest bis zum Tode Stalins, ein dritter Weltkrieg ja durchaus in der Luft lag). Um seine Zeitgenossen zu warnen (also aus durchaus herzensguten Motiven), gab Irlmaier das zusammengereimte Zukunftsszenario als seine Schauungen aus; die kommerziellen Motive 'seiner' Verleger/Journalisten waren ihm ja bekanntermaßen zuwider.

Zu den Feldpostbriefen: Der prophetische Franzose, auch sonst wohl recht gebildet und belesen, war wahrscheinlich mit den einschlägigen französischen Prophezeiungen des 19. Jahrhunderts vertraut, ich vermute er kannte Curiques zweibändige 'Voix prophetiques' (EA 1871, die maßgebliche Sammlung seinerzeit), alternativ möglicherweise auch Baron de Novayes Prophezeiungssammlung 'Demain' (EA 1905). Der Antichrist-Einschub mag auch daher wurzeln (literarisch), das Motiv war aber im 19. Jahrhundert derart weit verbreitet, daß der Franzose dies genauso leicht aus dem Volksmund kennen konnte.


Sahen da wirklich welche das gleiche, oder ist da nicht vielmehr das Jüngere auf dem Älteren aufgebaut und zieht sich nahtlos durch ?


Diese sind imho nicht direkt voneinander abhängig, sondern nur indirekt, sprich sie haben teils gemeinsame Vorlagen; ich behaupte vorerst (im Gegensatz zu BB/Taurec):

  • das Lied der Linde zitiert nicht aus den Feldpostbriefen.
  • Irlmaier zitiert nicht aus den Feldpostbriefen (zumindest nicht vor 1955)
  • Irlmaier zitiert nicht aus dem Lindenlied (zumindest nicht vor 1955)


Die Ähnlichkeiten, die zweifellos trotzdem bestehen, gehen imho auf gemeinsame Vorbilder zurück, deren Ursprung in den 'französischen Prophetien/Sammlungen des 19. Jahrhunderts' (inkl. La Salette) zu suchen ist.

Viele Grüße,
randomizer

*) @RichardS: Dein kürzlich erneut vorgetragener Tadel Adlmaier gegenüber ist völlig berechtigt, ich kann Dir aber erklären, warum dieser (zumindest) im Fall vom Lindenlied und den Feldpostbriefen so unsauber zitiert (die Quellen quasi entstellt) und die Herkunft verschleiert: er fürchtete nämlich, in diesen Fällen möglicherweise das Urheberrecht zu verletzen.


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