kurze Vorab-Sammelantwort (Schauungen & Prophezeiungen)

Baldur @, Montag, 23. April 2012, 14:31 (vor 3141 Tagen) @ Baldur4885 mal gelesen

Hallo, zusammen,

ich werde auf beide Folgebeiträge ausführlich antworten.

Nur kurz vorab: unsere konstruktiven Diskussionen der letzten Wochen hat nach meinem Dafürhalten zwei Schwierigkeiten besonders beleuchtet:

1) es gibt etliche Indizien dafür, dass es jeweils eine wie auch immer geartete Vermittlungs- oder Sendepersönlichkeit im Übertragungsprozess geben müsste - vor allem bei sogenannten Offenbarungen wird das deutlich, so soll Lorber davon ausgegangen sein, von verschiedenen - sich namentlich vorstellenden - Übermittlern kontaktiert worden zu sein, Mondsperlinge hin oder her, es geht ja um Grundsatzfragen

2) es wird je nach Absicht im Hintergrund entweder ein unabänderliches Faktum oder eine abzuändernde Möglichkeit gezeigt (Strassenbahnschau), also spricht viel für diesen Willen im Hintergrund, für diese Absicht, die mit der Übermittlung verbunden ist.

Jetzt stellt sich doch massiv die Frage, ob die Qualität der Botschaft von ihrer (*persönlichen*) Herkunft beeinflusst wird.
Exemplarisch nehme ich an, dass sich niemand von uns mit den Durchgaben eines Satanistenkreises beschäftigen möchte.

Also spielt die Herkunft, der Übermittlungskontext, eine überragende Rolle.

Ich habe mich in den letzten Wochen, soweit es im Internet möglich war, mit den Inhalten von angeblichen Marienerscheinungen und deren Botschaften auseinandergesetzt. Es wird darin einhellig ein Muster von beklagter Unbussfertigkeit, dem göttlichen Zorn darüber, und der drohenden Schreckensfolge sichtbar.
Neutral betrachtet, ist das die Erzeugung massivster Angst beim Empfänger.

Dies übrigens ebenso bei längeren religiösen Offenbarungen an Einzelpersonen. Das Muster ist immer gleich.

Es muss die Frage erlaubt sein, ob man angesichts dieses durchaus fragwürdigen Hintergrundes (was nützt extreme Angst, die Konfrontation mit vorgeblichen Schrecken, dem Sehenden ?) solche Quellen verwerfen muss (das ewige Thema, schon oft durchdiskutiert).

Allerdings ergibt sich bei der Nachforschung historischer Quellen, dass es kaskadenförmig einen stets weiter zurückreichenden Grundtypus von angeblichen Schauungen gibt (die neueren nehmen die Grundzüge der Vorgänger auf und ergänzen sie nur)

- die biblische Verfinsterung
- die vom Himmel herabfallende Vernichtung
- neuzeitlicher die einfallenden Russen als vernichtendes Werkzeug Gottes

Irlmaier wurde von Adlmaier mit den Vorgängern konfrontiert, Konzionator sammelte aufgrund von LaSalette und Co., und gemäss den einschlägigen Seiten lässt sich alles noch weiter zurückführen auf Mystiker um 1750. Oder bis auf den angeblichen Hepadianus.
Will sagen: die Wurzeln kommen noch aus dem Mittelalter.

Tatsache ist, dass nichts von alledem bisher eingetroffen ist (abgesehen von überwiegend Wudy, teilweise Feldpostbrief und teilweise Irlmaier).

Offenbar gibt es keinen Nutzzweck der Informationsübermittlung - wer hat dann welches Interesse an der kontinuierlichen Aufrechterhalten dieser Zukunftsvorstellung (cui bono) ?

Wäre es objektiv gesehen ein übelwollendes Interesse (Schrecken zu verbreiten) - sollten wir uns dann damit beschäftigen ?

Falls nein, müssen wir davon ausgehen, dass zumindest grosse Teile auch der obigen drei Darstellungen auf früheren, auszugrenzenden Vorstellungen gründet.

Und, dürfen wir allen Ernstes uns frei heraussuchen, was uns halt in den Kram passt, und was uns denn doch zu dick aufgetragen erscheint und als blosses Beiwerk herauszulöschen ist ? Ich würde mich da nicht zu frei ans Werk wagen und spekulieren, was gar nicht Teil der Schauung gewesen sein kann, oder vom Seher halt kulturell eingefärbt worden sein könnte.

Wenn wir die Feldpostbriefe als herausragende Beweise anerkennen, müssen wir auch annehmen, dass es den Antichristen gibt. Selbst wenn er mal als religiöse Vorstellung in die Welt kam....denn die Quelle ist ja herausragend.

Auf die Details gehe ich gesondert ein.

Beste Grüsse vom Baldur


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