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Literatur nicht völlig ignorieren (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 19. April 2012, 16:37 (vor 3145 Tagen) @ Baldur5168 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Donnerstag, 19. April 2012, 16:49

Hallo!

Das Probem ist doch, daß die Beschreibung von Schauungen stets mit Interpretationen vermischt oder gänzlich durch sie ersetzt wird.

Beschreibung von Schauungen heißt: die möglichst genaue und wertneutrale Beschreibung der Sinneswahrnehmungen und Eindrücke (Gefühle und stilles Wissen in der Schau usw.).

Interpretation folgt aus dem Versuch, das Gesehene verstehen zu wollen und legt das Weltverständnis des Sehers und seine Religion hinein, sowie aller, die zwischen dem Seher und der schriftlichen Niederlegung der Schau Teil der Überlieferungskette sind.
Interpretation wirkt immer verfälschend und sollte nach bester Möglichkeit erkannt und ausgesondert werden. Das betrifft auch alle Glaubensauffassungen. Daher sind Religion und alle Glaubensdogmen nicht Forumsthema und nur so wichtig wie die Eierschalen beim Omelettbacken.

Für die Literatur bedeutet das, wir müssen aus den Berichten alles um so höher bewerten, je näher es einer reinen Bildbeschreibung kommt.

Beispiel Irlmaier:
"Ich sehe die Erde wie eine Kugel vor mir, auf der nun die weißen Tauben heranfliegen, eine sehr große Zahl vom Sand herauf. Und dann regnet es einen gelben Staub in einer Linie. Die Goldene Stadt wird vernichtet, da fangt es an. Wie ein gelber Strich geht es hinauf bis zu der Stadt in der Bucht. Eine klare Nacht wird es sein, wenn sie zu werfen anfangen. Die Panzer fahren noch, aber die darin sitzen. sind schon tot. Dort, wo es hinfällt, lebt nichts mehr, kein Baum, kein Strauch, kein Vieh, kein Gras, das wird welk und schwarz. Die Häuser stehen noch. Was das ist. Ich weiß ich nicht und kann es nicht sagen. Es ist ein langer Strich. Wer darüber geht stirbt."

Das ist eine Beschreibung die schließen lässt, daß Irlmaier das tatsächlich gesehen hat (etwaige Falschwiedergabe durch Adlmaier außenvor gelassen).

Seine Antichristaussagen sind keine Schauung, weil er nur sagt, was passieren soll, ohne eine Beschreibung der seherischen Grundlage zu liefern:
"Ein böser Mann, GANZ [betont] a böser Mann reißt die Herrschaft an sich ... weltweit ... und die 888 das sind die Tage, wo der finstere Mann, also wo die Welt noch mehr in die Dunkelheit gestoßen werd ... wo der Mann die Herrschaft hat."

(Etwaige Falschwiedergabe durch die Zeugin oder Berndt außenvor gelassen.)

Muß man also aussondern.

Das hier ist einer der vielen Fälle bei denen Bildbeschreibung und Religion sich vermischen:
"Während oder am Ende des Krieges sehe ich am Himmel das Zeichen, der Gekreuzigte mit den Wundmalen, und alle werden es sehen. Ich hab es schon dreimal gesehen, es kommt ganz gewiß."

Es steht wohl außer Zweifel, daß die Erscheinung Jesu am Kreuz hängend am Himmel physikalisch unmöglich ist und selbst, wenn man eine den Marienerscheinungen ähnliche Manifestation annähme, doch äußerst unwahrscheinlich wäre. Für den nichtchristlichen Großteil der Menschheit wäre es auch völlig unnütz und überflüssig.
Im Grunde ergeben sich zwei Möglichkeiten:
1. Irlmaier hat etwas real physikalisches gesehen, das optisch einem Kreuz ähnelt und für dessen Beschreibung ein Motiv seiner Religion entlehnt.
2. Irlmaier hat tatsächlich den Gekreuzigten gesehen, der jedoch als Symbol für etwas anderes steht. Dieses andere könnte entweder etwas Physikalisches sein, z. B. der Himmelskörper, oder etwas Abstraktes, nämlich daß das Geschehen von jenseitigen, höheren geistigen Mächten überwacht oder eingefädelt wurde, die sich in Irlmaiers Wahrnehmung auf christliches verengten.
Egal, welche Möglichkeit zutrifft: Was tatsächlich gemeint ist, läßt sich nicht feststellen. Wenn man das Religiöse aus der Aussage herauslöst, bleibt absolut nichts Brauchbares übrig. Im Grunde ist die Aussage also für die Tonne, auch wenn Irlmaier etwas gesehen hat.
Jedoch gilt das nicht pauschal für alle religiösen Symbole. Besser wäre es, wenn man zu einer plausiblen Deutung kommt, die das Religiöse in wertneutrale Sachinformation auflöst:

"Südostbayern wird beschützt, da breitet die Liebe Frau von Altötting ihren Mantel darüber. Da kommt keiner her."

Marias Mantel bedeutet Schutz für das Land und Sicherheit. Da passiert nichts und mit dieser Information lässt sich etwas anfangen.

So etwas müssen wir an die Sache herangehen.

Das war jetzt mehr in Bezug auf Religion als auf Verfälschungen des Herausgebers. Jedoch gilt auch hier, daß genaue Beschreibungen der Schau hinsichtlich der Originaltreue höher zu bewerten sind.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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