Re: Lindenlied 'Bauer kaisert bis zum Wendetag' (Schauungen & Prophezeiungen)

randomizer @, Mittwoch, 11.05.2011, 02:09 (vor 3787 Tagen) @ Leserzuschrift (3367 Aufrufe)

Hallo Mitleser,

...Bauer kaisert bis zum Wendetag...

ich kenne noch die aus rezenteren Ausgaben anstelle den Begriff "kaisern"
noch "heuern" oder "keifern"

'keifert' (1949) und 'heuert' (1950) sind Verschlimmbesserungen Adlmaiers, der Hingerls Formulierung (1920) nicht verstand.

Kaisern bezieht sich hier wohl nicht auf "Bauern auf dem Kaisertrohn",
quasi als Herrscher eingesetzt, SONDERN wahrscheinlich um ein uraltes
Kartenspiel!

Dein Gedanke ist originell, aber irrig. Der besagte Wortlaut wurzelt zweifellos, wie der ja überhaupt der Großteil des Lindenliedes, bei Konzionator (1920), der auf Seite 18 seiner Kompilation Spielbähn zitiert:

'Das deutsche Volk wird sich einen Bauer zum Kaiser wählen (jetzt ist bereits in Deutschland statt des Kaisers ein Reichspräsident!); er wird ein Jahr und einen Tag (etwas über ein Jahr?) regieren. Der die Kaiserkrone nach ihm trägt, wird der Mann sein, auf den die Welt lange gehofft hat; er wird römischer Kaiser heißen und der Welt den Frieden geben.'

Gab es nicht auch anderslautende Props, bei denen die Bauern ahnungslos im
Wirtshaus Karten spielen und die Invasoren schauen ins Fenster rein?

Freilich, erstmals gedruckt in Adlmaiers Zweitauflage (1955, S. 90), ein Zusammenhang mit dem Lindenlied darf aber ausgeschlossen werden, da Konzionator als Vorlage Hingerls unstrittig ist.

Viele Grüße,
randomizer


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