Meine Oma ist auch von dort geflohen -

Geschrieben von werner am 30. März 2005 16:46:

Als Antwort auf: Re: Re dann frag sie doch! geschrieben von detlef am 30. März 2005 00:12:49:

- alleine mit ihren 2 Kindern.

Sie hat mir zwar oft davon erzählt, aber was soll man spektakuläres sagen ?

Es war halt Zeit zu gehen, weil den Russen ein schlechter Ruf vorauseilte und kein Mann zur Verteidigung mehr da war.

Verstecken ist ratsam, wenn die Front schon über einen weg ist - heimlich weiterziehen und in Heuhaufen tief genug einwühlen, weil die gerne mit Bayonetten sondiert werden. Soviel habe ich mir gemerkt.

Ansonsten , was soll man sagen , Vorräte helfen nicht viel, müssen größtenteils zurückbleiben, unterwegs was finden ist Pflicht.
Heute gibt's natürlich Powerriegel und so Zeug.
Sicher nicht einfacher, mit einem Rucksack voll feiner Sachen am Leben zu bleiben als als armer Schlucker, dem der ein oder andere aus Mitleid etw. gibt.

Denn eins ist klar - verhungern gerade alle in der Gegend, kann man MIT den Vorräten nur auf völlige Unsichtbarkeit hoffen.
Herrscht keine Hungersnot, ist's vielleicht besser, die Kinder tragen zu können als einen schweren Rucksack zu schleppen.


Und damals hatten die Ostpreußenflüchtlinge noch den Vorteil, als Trümmerfrauen in deutschen Städten hochwillkommen zu sein, anders hätte meine Oma in Würzburg auch gar kein Anrecht auf eine Wohnung bekommen, sondern wäre weitergeschickt worden.

DIESE Frage bleibt bei jedem Flüchtling bestehen - wie integriere ich mich nach einer Flucht.
Der, der nicht flüchtet, KANN Haus, Grund und Leben verlieren, aber es MUß nicht sein.
Ein Flüchtling verliert in jedem Fall alles außer dem Leben - die Heimat und allen Besitz.
Wenn das Zielland danach weit und leer ist (m.E.reines Wunschdenken), ist's gut, wenn's umso dichter wimmelt, hat man ein echtes Integrations- bzw. Legitimationsproblem.
Den Ostpreußenflüchtlingen ging es für den Rest des Lebens in der Mehrzahl finanziell nicht mehr gut - andere Flüchtlingsgruppen wurden vom Staat großzügiger unterstützt, um sich wieder Wohneigentum zu schaffen.
(Deshalb verstehe ich die ständigen Forderungen dieser Gruppe nach Entschädigung - diese Frage wurde stets erfolgreich vertagt und jetzt ist's endlich zu spät.)

Jeder Flüchtling wird sich mit solchen Fragen auseinandersetzen müssen.


Andere Frage - wer jetzt schon Netzwerke bildet und Vorratsbunker entlang der geplanten Fluchtstrecke anlegt, weil er so überzeugt ist, daß irgendwelche schlechten Träume ev. mutterkorn- oder Stechapfelgeschädigter Hirten ausgerechnet zu SEINEN Lebzeiten zutreffen, warum zieht so jemand nicht einfach woanders hin und konzentriert seine Energie dann wieder auf seine eigentliche Arbeit ?
Oder ist das mehr als Hobby zu sehen, wie bei den Pfadfindern ?

Und dann wollte ich doch mal wissen - was SIND denn eigentlich die 3TF ?

Gruß
werner


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