Haten wir das schon?
Geschrieben von Hunter am 30. März 2005 16:26:14:
Kontaminationsschutz Möglichkeiten und Grenzen
Dipl. Ing. (FH), BA Roland Rimmelspacher
Feuerwehr Mannheim
Referat gehalten auf der rescue 2002 in Stuttgart
Aufgrund der Vielfalt an Gefahren mit denen sich die Feuerwehr in ihrem Einsatzalltag konfrontiert sieht, wurde von den meisten Feuerwehren ein Schutzkleidungskonzept realisiert das einen Kompromiss zwischen dem optimalen Schutz der Einsatzkräfte und den sonstigen Bedürfnissen für eine Einsatzbearbeitung darstellt.
Möglichkeiten der Schädigung
Bei den Möglichkeiten der Schädigung ist zwischen der Kontamination und der Inkorporation zu unterscheiden.
Bei der Kontamination kommt es zu einer Verunreinigung der Körperoberfläche durch eine Substanz. Kann die Substanz durch die Haut hindurch wirken, z.B. ein radioaktiver Strahler kommt es zu einer Schädigung.
Bei der Inkorporation kommt es zu einer Aufnahme der Substanz in das Körperinnere.
Die Aufnahme schädigender Substanzen oder Organismen ins Körperinnere kann auf den Wegen Atmung, Nahrung oder die Haut erfolgen.
Je nach den Durchdringungseigenschaften der Chemikalie stellt die Haut nur einen geringen Schutz vor einer Inkorporation dar.
Eine besonders leichte Aufnahme durch die Haut ist bei deren Schädigung z.b. durch eine Brandwunde oder eine Schnitt, Schürf- bzw. Stichwunde gegeben.
Atemschutz = Inkorporationsschutz
Einen grundlegenden Inkorporationsschutz stellt die Verwendung von Atemschutzmasken dar.
Der Einsatz von umluftunhabhängigem Atemschutz stellt bezüglich der Schutzstufe das Optimum dar, da unabhängig von den Außenbedingungen der Atemschutzgeräteträger saubere Luft atmet. Der Preis ist allerdings die beschränkte Einsatzzeit die sich aus der mitgeführten Luftmenge ergibt.
Bei den Filtern ist zwischen den Partikelfiltern zu unterscheiden die nur feste Schadstoffe oder Aerosole aus der Luft filtern können und den Filtern die auch Gase aus der Luft filtern können.
Bei den Gasfiltern wird zwischen Spezialfiltern unterschieden die auf ein Gas oder eine Gasgruppe maßgeschneidert wurden und den Kombinationsfiltern die gegen eine Vielzahl an Stoffen eingesetzt werden können.
Kontaminationsschutz wovor ?
Bei der Wahl der geeigneten Schutzbekleidung muss vor dem Einsatz genau geplant werden mit welchen Substanzen und welchen Randbedingungen die Einsatzkräfte konfrontiert werden, da es einen Universalschutzanzug nicht gibt.
Die erste Frage richtet sich daher danach ob es sich um eine Konfrontation mit radioaktiven Substanzen, Chemikalien oder um biologische Arbeitsstoffe handelt, da es für jeden dieser drei Bereiche unterschiedliche Vorgaben im Bezug auf die Ausrüstung von Einsatzkräften gibt.
Auswahlkriterien
Bei der Auswahl des richtigen Anzuges ist nach der Feststellung um welche Gefahr es sich handelt die Frage zu klären, in welchem Aggregatzustand die Substanz vorliegt, da dies erheblichen Einfluss auf die Dichtigkeit der Schutzbekleidung hat.
Dabei ist dann auch nochmals zu unterscheiden wie z.b. die Flüssigkeit vor der man sich schützen will auftritt. Als Spray, Schwall oder Strahl?
Danach ist besonders bei Einsätzen mit Chemikalien die Beständigkeit anhand von Herstellerangaben zu prüfen. So kann es durchaus sein, das der Schutzanzug gegen die vorliegende Chemikalie nur eingeschränkt wiederstandsfähig ist, die Einsatzzeit aber ausreicht um die gesetzte Aufgabe z.b. Menschenrettung durchzuführen.
Zuletzt muss geprüft werden ob die Randbedingungen wie Aufgabenstellung, der zu erwartende Zeitbedarf oder das Wetter den Einsatz des gewählten Anzuges zulassen.
Einsatzbekleidung und Atemschutz
Die normale Einsatzbekleidung stellt die Grundausrüstung im Feuerwehreinsatz dar. Durch die Kombination von Einsatzjacke, -hose und gegebenenfalls Gummihandschuhen und Gummistiefel mit einer geeigneten Atemschutzausstattung ist ein grundlegender Kontaminations- und Inkorporationsschutz gewährleistet, der jedoch je nach Lage durch weitere Schutzbekleidung verbessert werden muss.
Schutz vor AB-Gefahren
Da gemeinhin die Gefahren im Umgang mit Strahlern und mit biologischen Arbeitsstoffen in einer oberflächlichen Kontamination gesehen werden, wird bei den biologischen Arbeitsstoffen eine Ausrüstung wie sie bei radioaktivem Material eingesetzt wird als ausreichend betrachtet. Je nachdem, in welcher Sicherheitsstufe ein Organismus einklassifiziert wird ändert sich die Schutzbekleidung bis hin zum Einsatz eines CSA bei Erregern der Gruppen 3 und 4 ( = Bio III nach vfdb 10/02).
Kontaminationsschutz Typ A
Diese Schutzform besteht aus einem feuerhemmend imprägnierten Gewebeoverall (Kontaminationsschutz-anzug) der in Kombination mit Kontaminationsschutz-handschuhen + Arbeitshandschuhen, Gummistiefeln und einer Atemschutzausstattung einen Einsatz im Bereichen mit radioaktiver Kontamination gestattet. Voraussetzung ist, das der Anzugträger nicht mit Flüssigkeiten oder aggressiven Chemikalien konfrontiert wird.
Kontaminationsschutz Typ B
Diese über die FwDV 9/2 geforderte Schutzausstattung erweitert die normale Einsatzbekleidung / Atemschutz-ausstattung um eine Kontaminationsschutzhaube die eine Kontamination im Kopfbereich vermeiden soll. Diese Haube wird oftmals als Ausrüstung für den Ersteinsatz auf Löschfahrzeugen mitgeführt.
Diese Form ist ausschließlich für den Ersteinsatz und in besonderen Lagen vorgesehen.
Kontaminationsschutz Form C
Diese Schutzstufe kommt zum Einsatz, wenn mit radioaktiven Stoffen in Form von Gasen oder Dämpfen zu rechnen ist.
Mit diesem Anzug wird die maximale Schutzstufe erreicht, sein Einsatz bringt aber, wie wir später sehen werden, eine Reihe von Nachteilen mit sich.
Schutz vor ChemikalienEinwegschutzanzug
Dieser meist sehr leichte Anzug wird über der normalen Einsatzbekleidung getragen.
Dieser Anzug kommt in den Fällen zum Einsatz in denen hauptsächlich einer Verschmutzung vorgebeugt werden soll. Überwiegend bietet er Schutz vor staubförmiger Kontamination wie z.B. bei Aufräumungsarbeiten. Sofern der Anzug nicht flüssigkeitsdicht ausgeführt ist darf er nur im Trockenen eingesetzt werden, meist in Kombination mit einem Staubfilter.
Chemikalienschutzanzug leicht
Diese Schutzbekleidung stellt einen Kompromiss zwischen dem Einwegschutzanzug und dem Chemikalienschutzanzug dar was die Chemikalien-beständigkeit angeht. Aufgrund der nur eingeschränkten Dichtigkeit zu den anderen Ausrüstungsteilen und dem oftmals weniger beständigen Anzugmaterial ist dieser Anzug für Bereiche vorgesehen in denen der Anzugträger mit Stäuben, Aerosolen oder Gasen in nicht sehr hoher Konzentration konfrontiert wird.
In der Hauptsache ist dieser Anzug für folgende Arbeiten eingesetzt:
Aufgaben im Bereich der Dekontamination,
Unterstützungsarbeiten für die unter CSA eingesetzten Trupps,
Bergungsarbeiten bei denen die Schutzstufe eines CSA nicht benötigt wird.
Chemikalienschutzanzug gasdicht
Der CSA stellt die maximale Schutzstufe dar. Die Anzüge bestehen aus einem gasdichtem Anzugmaterial, bei dem die Atemschutzausstattung (nur Pressluftatmer) üblicherweise unter dem Anzug getragen wird.
Die Anzüge bestehen aus einer oder mehreren Polymerschichten mit einer Gewebeeinlage.
Durch diesen Aufbau besitzen diese Anzüge auch eine gut mechanische Stabilität bezüglich Schnitt-, Stich- und Scheuerfestigkeit.
Die maximale Chemikalienbeständigkeit erkauft man sich allerdings mit einer Vielzahl an Nachteilen.
Einsatzbereich für diese Anzüge:
Unklare Situationen
Bergungs-/Rettungsarbeiten bei denen mit einer großen Gefährdung für die Einsatzkräfte aufgrund der Eigenschaften oder Menge der Chemikalie gerechnet werden muss.
Overgarment
Der Overgarment wurde ursprünglich für den Militärbereich entwickelt ist aber auch flächendeckend im Katastrophenschutz eingeführt. Durch seine Konstruktion ist es in Einsatzbereichen mit geringer Schadstoff-konzentration möglich länger andauernde Einsätze abzuarbeiten. Er ist üblicherweise bei den ABC-Erkundungs und Dekon Komponenten vorhanden.
Verglichen mit der vorhergehenden bei den Feuerwehren üblichen Ausstattung ist er mit dem Kontaminationsschutz Form A zu vergleichen bzw. im Chemieeinsatz ist seine Qualität zwischen dem Einwegschutzanzug und dem leichten Chemikalienschutzanzug anzusiedeln.
EinsatzgrenzenProbleme des Atemschutzes
Bei Verwendung der Atemschutzausstattung sind je nach Art des Atemschutzes (Filter oder Pressluftatmer) verschiedene Einsatzgrenzen gegeben.
Bei Verwendung von Filtern sind immer folgende Einschränkungen zu beachten:- der Sauerstoffgehalt der Luft muss > 17 Vol% sein,
- die max. Konzentration an Schadstoffen die noch absorbiert werden kann darf nicht
überschritten werden,
- Es darf mit Ausnahme des CO-Filters kein Kohlenmonoxid vorhanden sein (Brände!).Beim Einsatz von umluftunabhängigen Atemschutzgeräten ist immer mit einer mehr oder minder beschränkten Einsatzzeit auszugehen.
Einsatzgrenze Zeit
Das Problem bei allen Arten des Atemschutzes liegt in der zeitlichen Begrenzung.
Die längste Einsatzdauer besitzen Filtergeräte in Kombination mit einer Schutzbekleidung die eine ausreichende Wärmeabfuhr zulässt. In Kombination mit einem Overgarment sind nach Erfahrungen der Militärs bis zu 8 Stunden Einsatzdauer möglich.
Die Verwendung von Kreislaufgeräten ermöglicht Einsatzzeiten von 2-4 Stunden.
Seit Einführung der Compositeflaschen können mit Pressluftatmern die aus zwei Flaschen bestehen Einsatzzeiten bis zu 90 Minuten realisiert werden. Die konventionellen Pressluftatmer lassen Einsatzzeiten bis zu 40 Minuten zu.
Ein Einsatz mit einem Pressluftatmer in Kombination mit einem CSA muss nach spätestens 20 Minuten beendet sein.
Einsatzgrenze Beständigkeit
Die Kältebeständigkeit der Schutzbekleidung ist besonders bei CSA kritisch, wenn sie im Zusammenhang mit tiefkalten Gasen wie z. B. Ammoniak benötigt werden. Hier führt die Kälte zu einer Versprödung des Polymers mit einer starken Bruchgefahr für den Anzug.
Die Hitzebeständigkeit von CSA wird insbesondere bei Bränden oder drohenden Bränden zum Problem, da die Polymere durchweg durch einen Brand sehr schnell zerstört würden oder selbst zu brennen anfangen. Hier gibt es mittlerweile vereinzelt Anzüge die eine Schutzschicht im Brandfall ausbilden und damit dem Träger eine kurze Fluchtzeit bieten.
Bezüglich der Chemikalien sind umfangreiche Listen zu beachten aus denen man im Einsatzfall entnehmen kann, wie viele Minuten dem Anzugträger bleiben bis die Chemikalie den Anzug durchdringt
Nicht zuletzt ist auch zu beachten, das die Arbeiten unter meist sehr unfallträchtigen Situationen durchgeführt werden. Daher ist auch die Schnitt-/Stichbeständigkeit und die Abriebfestigkeit vor einem Einsatz zu bedenken.
Einsatzgrenze Mensch
Auch die Leistungsfähigkeit des Menschen stellt ein limitierender Faktor beim Einsatz von Schutzbekleidung dar. Dies beginnt bei der arbeitsmedizinischen Untersuchung nach den Grundsätzen G 26. Hie scheidet der Personenkreis mit unzureichender Herz-Kreislaufkonstitution und unzureichender Lungenfunktion aus.
Bei Einsätzen im Zusammenhang mit Atemschutzmasken und insbesondere von CSA scheiden auch Personen aus die zu Klaustrophobie neigen.
Im Einsatz selbst ergeben sich dann eine ganze Reihe weiterer Probleme. Aufgrund seiner Konstruktion sind die chemikalienbeständigen Anzüge gasdicht und damit auch undurchlässig für Wasserdampf. Eine Tatsache die insbesondere im Sommer sehr schnell zu einem Hitzestau führt. Darüber hinaus hat der Träger eines CSA mit einem Gewicht von etwa 30 kg für Anzug und Atemschutzgerät zu kämpfen.
Zusätzlich ist die Wahrnehmungsfähigkeit des Anzugträgers bzgl. Gehör und Sichtfeld stark eingeschränkt.
Nicht zuletzt ist auch die Bewegungsfähigkeit durch die Steifigkeit des Anzugs reduziert.
- Re: Hatten wir das schon? Otto 30.3.2005 18:54 (4)
- Re: Vieleicht kannste dann ja damit was anfangen Hunter 30.3.2005 19:43 (3)
- Re: ..."Bunker": BBouvier 30.3.2005 21:57 (1)
- Re: ..."Bunker": Röde Orm 30.3.2005 22:02 (0)
- Re: Vieleicht kannste dann ja damit was anfangen Otto 30.3.2005 19:58 (0)