"Lieblings"-Szenario?

Geschrieben von King Henry am 12. September 2004 05:06:26:

Als Antwort auf: Geistige Gesundheit geschrieben von Starfire am 09. September 2004 16:04:16:

Hallo Starfire,

ich bin nicht ganz auf Deine Frage eingegangen, habe aber Lust, noch etwas zu schreiben.

Ein Lieblingsszenario ist natürlich friedlich, alles andere macht keinen Sinn und führt bloß zur Selbstzertstörung. Aber der Reihe nach:

An einen Russeneinmarsch kann ich nicht so recht glauben. Dazu reicht meine Fantasie einfach nicht, obwohl die doch sonst so reichhaltig ist. Besonders kann ich mir die Zeit danach nicht vorstellen. Ich glaube absolut nicht, das sie, falls sie kommen (als Putin würde ich die Gelegenheit durchaus nutzen!) am Rhein gestoppt werden. Auch nicht durch ein Wunder. Wo kein Damm vorhanden ist, kann die Flut nicht gestoppt werden.

Die Zeit nach dem russischen Einmarsch kann ich mir nicht vorstellen. Denn niemand will die Kommunisten haben oder sich von Ausländern beherrschen lassen, die Welt befindet sich schließlich auf den Weg in die Kleinstaaterei, das kann auch die EU nicht verhindern - jeder kocht sein eigenes Süppchen.

Und die Folgen sind dann überall Aufstände und Widerstandskrieg, wie sie die Russen selbst 1941-45 durchgeführt haben, nur sind sie diesmal selbst die Opfer. Dieses Problem muß in Moskau gelöst werden, bevor sie angreifen. Ich glaube jedoch, das das Problem unlösbar ist.

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Ich erwarte eher eine Zeit der Armut kommen, getreu der Aussagen der Buchela - niemand anders sah die Zukunft so realistisch wie sie. Eine Zeit, wo man von Kindern angebettelt wird, andere auf den Strich gehen, nicht aus Gier, sondern blanker Not, ihre Eltern haben nichts mehr oder zu wenig zu essen, der Strom ist abgeschaltet (und so funzt auch die Playstation nicht mehr), im Verein ist auch nichts mehr los.

Gleichzeitig verkaufen die Leute auf täglichen Flohmärkten all ihr Gut, ebay auf der Straße sozusagen, soweit sie überhaupt etwas verkaufen können (in Moskau gibt es einen derartigen Flohmarkt der Armen).

Jungendbanden ziehen umher, man ist nirgendwo mehr sicher, erst recht nicht in der Nacht in den Städten. In speziellen Vierteln verschanzen sich die Ausländer und Andersgläubigen.

Polizei gibt es kaum noch - die Polizisten erhalten keinen Lohn mehr und bleiben zu Hause, falls sie noch am Leben sind.

Ausländer werden aus dem Land ausgewiesen, selbst wenn sie Deutsche sind - soll sich ihre Heimat um sie kümmern. Der Mob sucht Schuldige, und das sind wie üblich die Ausländer.

Auf diese und auf Manager und Politiker wird ein Kesseltreiben ähnlich der französischen Revolution veranstaltet. Viele überleben die Wirren nicht. Flucht ins Ausland geht nicht, die Grenzen sind dicht, illegale werden in anderen Ländern einfach umgelegt.

Wehrdörfer entwickeln sich, man baut Mauer und Zaun um sie herum. Landwirte sichern sich Unterstützung und stellen Privatarmeen auf (Gegenleistung Kost und Logis frei, aus der Ernte) - wie heute in SOMALIA!

Dann werde ich wohl irgend was nützliches tun im Dorf, mit anderen Männern und Jungen bewaffnet die Grenzen abgehen und irgendwann in einem Gefecht umkommen und dann vor dem Dorf beerdigt werden.

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Wir haben es dann selbst in der Hand, den Aufbau einzuleiten und tatkräftig anzupacken. Nur dürfen wir nicht dieselben Fehler wieder machen. Das System war schon bei der Staatsgründung 1949 falsch. Und wenn die Ausgangslage falsch ist, dann ist der Untergang die logische Folge. Es ist so, als wenn einer Frau eine Fliege geboren würde ...

Es muß keinen ausgewachsenen (Bürger-) krieg geben, aber Anarchie und Chaos mit regionalen Unruhen und Straßenschlachten und diversen Putschversuchen (1923 in München könnte ja die NPD wiederholen?) - in was das endet, weiß ich nicht.

Als "Positivist" (S. Hawking, heißt soviel wie "es kann möglich sein, also erwarte ich es so") und Optimist bereite ich mich auf das oben beschriebene Szenario vor. Dabei kommt es darauf an, so lange wie möglich zu überleben, aber auch einzuwirken auf andere, den Fehler zu erkennen und eine neue Welt aufzubauen.

Wir haben gemerkt, das der Kommunismus nicht funktioniert und nun merken wir, das der Kapitalismus auch nicht funzt. Also müßen wir nun den Dritten Weg probieren. So dumm sind die Leute nicht, sie können es verstehen und wir können bewirken, das dann endlich eine bessere Welt gegründet wird.

Das alles geht auch ohne völlige Zerstörung der Welt.
Wir haben es selbst in der Hand. Nutzen wir die letzte Chance!

Beste Grüße

Henry


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