Re: Must-read-link zum Thema Wirtschaft, @Röde .....

Geschrieben von NoPasaran am 17. Januar 2005 22:29:24:

Als Antwort auf: Re: Must-read-link zum Thema Wirtschaft, @Johannes ..... geschrieben von Röde Orm am 17. Januar 2005 20:33:06:

Hallo Röde,


betreffend Michael Moore und Fahrenheit 9/11, und warum noch er lebt:

So schnell geht's denn doch nicht. Aber daß die Sache der Busherei kräftig auf den Senkel gegangen ist, davon kann nausgegangen werden, siehe die Versuche, das in-die-Kinos-bringen des Filns in den USA zu torpedieren. Das ist jetzt frei aus dem Gedächtnis rezitiert, die große Linie stimmt, im Detail mögen Fehler sein:

Moores Produktionsfirma war bis zu Fahrenheit 9/11 die Miramax, die war ursprünglich independent, wurde dann aber angelegentlich von Disney aufgekauft (Disney ist einer der sechs oder sieben ganz großen Medienkonzerne in den USA, so wie Bertelsmann hierzulande.) Soweit ich mich erinnere, hat Michael Moore 'Bowling for Columbine' nicht nur mit der Miramax produziert, sondern die haben in den USA auch den Verleih gemanagt. Dann wurde Fahrenheit 9/11 produziert, ebenfalls mit der Miramax, soweit ich mich erinnere, aber als das Ding dann fertig war, hat die oberste Spitze des Disney-Konzerns, Seine Eminenz Michael Elsner, CEO, höchstpersönlich, the local godfather himself, zum Telefon gegriffen, und plötzlich stellte Miramax-Chef Harvey Weinstein - ich glaub', so heißt der, wenn ich mich recht erinnere - fest, daß Miramax, widrigen Umständen zufolge, den Verleih von Fahrenheit 9/11 nicht machen könne. Disney spendet natürlich massiv für die GOP a.k.a Grand Old Party alias die Republikaner - nicht, daß sie die Demokraten und deren Landschaft nicht auch schmieren würden, aber der Löwenanteil landet schon beim Gebushel.

Man muß sich an dem Punkt mal eines klarmachen: Die großen amerikanischen, und das ist fast schon ident mit: Die großen globalen Medienkonzerne werden zu einem guten Teil kontrolliert von Investorengruppen, die ihrerseits ihre zentralen Interessen in der Rüstungsindustrie haben. Die Macht, die diese Leute haben, um ihre Vorstellungen dem Rest der Welt aufzuzwingen, ist abenteuerlich. Es wird ihnen trotzdem nix nutzen, no pasaran !

Will sagen: Es war doch einige Zeit, als die Verleih-Deals mit Europa schon unter Dach und Fach waren, noch nicht sicher, ob überhaupt, und wenn, mit welchem Verleih der Film in den USA rauskäme. Dann allerdings wurde der Streifen zum zumindest Underground-Blockbuster, und angesichts solchen Erfolges kann der Amerikaner - 'tschuldigung, ich weiß, es ist klischeehaft - kann also Mr. Babbit nicht mehr wirklich böse sein. Zumindest ist da eine nicht zu unterschätzende Inklination vorhanden, sich auf dieser Schiene gehirnwaschen zu lassen. Im Kehrwert: Ich vermute da eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß sich die Karrieren einer gewissen Gruppe von Leuten aus dem Bereich des Showbusiness - spontan fällt mir Bruce Springsteen ein - hinfort eher abwärts bewegen werden - wobei das Bruce Springsteen vermutlich nicht mehr allzuhart treffen würde, aber die Tendenz zeigt eine Richtung. Wenn's denn so kommt .....

Ansonsten gilt, was für Michael C. Ruppert gilt - Crossing the Rubicon, Pflichtbuch -, für Michael Moore in noch größerem Maßstab, zumindest, was Punkt eins betrifft. Es ist so schön und trocken ausgedrückt, daß ich nicht drum rumkomme, es zu zitieren - das ist das Ende eines Abschnittes des Kapitels, in dem er erzählt, was von geneigter Seite - lies: der CIA - gegen ihn so inszeniert wurde, und das endet folgendermaßen (wenn wer das übersetzt will, bitte einfach antworten und sagen, aber es ist mir zuviel action, das in's Blaue hinein zu machen):

The question I am asked most frequently at my lectures is why I haven't been killed yet. I have two answers. First, it is not cost-effective, and the response would cause more problems than it would solve. I am not important enough to kill.

Bei Senator Paul Wellstone war das offenbar nicht der Fall. Oder andersrum: Es war wichtig, daß der ausgeschaltet wurde, weil dadurch allen anderen, die eventuell noch die cohones aufzumucken gehabt hätten, endgültig der Schneid abgekauft und damit dieser Zahn gezogen wurde. Ich weiß, das klingt ungeheuerlich, ist es auch, aber ich werd' das unangenehme Gefühl nicht mehr los, daß das genau die Art und Weise ist, in der in Bushistan das politische Klakül läuft. Oder soll ich sagen: Das wirtschaftliche ?

Secondly, I will not die one minute before God has deicded.

'tschuldigen, detlef, steht so im Buch.

Nochmal die Investorengruppen mit der Hauptstoßrichtung Rüstung, die schon so ziemlich hübsch die ganze Medienlandschaft kontrollieren: Das ist aberwitzig, diese Herrschaften können im Prinzip die Nachfrage nach dem, womit sie am meisten Geld verdienen, nämlich Waffen, nach Belieben steuern, einfach indem sie internationale Konflikte am Kochen halten. Das geht, fürchte ich, schon so seit - je nun, für den zweiten Weltkrieg betrachte ich es als schon relativ nachgewiesen, obwohl da nicht nur Geld, sondern, krasser, auch ganz direkt politische Interessen involivert waren, man lese Antony Sutton. Und seitdem - Koreakrieg, Vietnamkrieg, der Einstieg in den großen Drogenhandel, das Afghanistan-Abenteuer, Golfkrieg Nummer eins, Irak-Iran, die ganze Iran-Contra-Chose, die ganze amerikanische Stadtviertel per Crack in's Elend gestürzt hat, so wie heute noch in Vietnam Milionen Menschen an den Folgen von Agent Orange herumlaborieren und das vermutlich ihr Leben lang nicht mehr loskriegen - in Richtung Johannes, falls Du hier mitliest: Wie war das mit gestohlener Lebenszeit in Norbert Rosts, dieses gar merkwürdigen Ex-Marxisten, Artikel ? Ich werd' nämlich den Verdacht nicht los, daß der mit 'Kapitalgeber' genau die Sorte von feinen Herren meint, die für die Existenz der oben aufgezählten Nettigkeiten verantwortlich und außerdem zur Zeit gerade damit beschäftigt sind, auch den staatshoheitlichen Teil des ganzen Themas 'Militär' für ihre Zwecke einzuspannen, in Form von Outsourcing militärischer Dienstleistungen: Die ersten vier Amerikaner, die in Falluja um's Leben kamen, die, deren verkohlte Körper dann unter allgemeinem Pogo der versammelten Menge an Brückenbogen aufgehängt wurden, sehr zum Ärger des Pentagons, weil's so elend an Mogadischu erinnerte, das waren keine GI's, keine Marines, auch keine Delta Forces nicht oder Navy Seals oder Rangers, das waren Angestellte eines 'Sicherheitsunternehmens' - ich weiß nicht, ob Kellog-Brown-Root, was eine hundertprozentige Halliburton-Tochter ist, oder die Vinnell Corporation, aber irgendwas in der Preisklasse war das.

Ike Eisenhower hat in seiner Abschiedsrede als Präsident, das muß irgendwann Ende der Fünfziger gewesen sein, eine sehr ernstgemeinte Warnung ausgesprochen vor etwas, für das er einen eigenen Ausdruck erfand, eine Ausdruck, den es davor nicht gegeben hatte. Der Ausdruck, den er prägte, war 'military-industrial complex', der gute alte militärinsdutrielle Komplex.

Das sind die Herrschaften, die hier im Moment wirklich das Sagen haben. Und um Kästner zu ziteren: "Was auch immer geschieht, nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken".

Außerdem ist das letzte Wort noch nicht gesprochen - 'tschuldigung, detlef, ich bin schon ruhig .....


lg NoPasaran


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