TK 8 Januar 2006
Geschrieben von Tarman am 07. Januar 2006 23:46:03:
Manchmal lernt man sogar dazu, wenn man sich Vorabend-Serien ansieht (den jüngeren Leuten als "Soaps" bekannt). "Hallo Robbie!" glänzt durch gute Tierdressur und bringt das, was einstmals "Lassie" gezeigt hat, im aktuelleren Gewand. Es ging bei dieser Folge um zwei männliche Jugendliche, die ein paar Pferde entführen und schließlich von Robbie überführt werden. Das Lassie-Muster halt, (See-)Hund holt Herrchen.
Was mich dabei geärgert hat, waren die beiden Halbwüchsigen. Sie haben sich derart saublöd angestellt, daß ich nur den Kopf schütteln konnte. Nun, früher habe ich gedacht, daß der Drehbuchautor oder der Regisseur die Schauspieler so agieren lassen, damit sich das Publikum den Bösewichtern geistig überlegen fühlt. Inzwischen glaube ich das nicht mehr. Kein Fernseh-Autor und erst recht kein Regisseur geht davon aus, ein Publikum zu haben, das intelligenter ist als er selbst. Die Leute schaffen es nicht, mit intelligent agierenden Figuren eine vernünftige Dramaturgie aufzubauen, außerdem gehen sie davon aus, daß auch dem Publikum keine bessere Lösung einfällt als den handelnden Figuren.
Anders ausgedrückt: das Fernsehen beabsichtigt, für dumm gehaltene Zuschauer nicht mit intelligenter Unterhaltung zu überfordern. Eher im Gegenteil, denn je mehr die Zuschauer eingelullt und verdummt werden, desto seichtere Unterhaltung kann man bieten. Damit werden die Richtlinien eines Herrn Josef Goebbels befolgt, nur daß der mit solchen Machwerken "slawische Untermenschen" beglücken wollte. Nach dem gewonnen Krieg. Nach jenem Krieg, den uns das Fernsehen auch so gerne zeigt. Mit immer gleichem Ausgang, das ist ja das Originelle daran.
Originell war heute auch wieder ein Herr Dr. Edmund Stoiber. Der hat in Bad Reichenhall einen Trauergottesdienst für die Opfer des Halleneinsturzes besucht, was völlig in Ordnung ist. Aber dazu mußte er unbedingt noch ein Fernsehinterview geben. In den letzten Monaten war ein gewisser Kurt Beck so aufdringlich, daß man ihn für den stellvertretenden Regierungssprecher hätte halten können. Keine Nachrichten ohne Interview des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten. Gut, der hat dieses Jahr Neuwahlen zu bestehen, aber zum Glück hält er sich jetzt zurück und erspart uns seine ständige Präsenz. Stoiber hingegen kann bis 2008 nur von der CSU gestürzt werden. Aber bis dahin scheint er jede Kamera zur Selbstdarstellung nutzen zu wollen.