. \\\\\*///// ...Diskussionspapier zum 1. Advent: NOSTRADAMUS und Trickstar ***
Geschrieben von Ego Man am 27. November 2005 09:20:05:
Quelle: http://www.globalsecurity.org/eye/images/wtc_010911_iss003e5388.jpg
NASA SAT.Bild NYC 11.Sept.01
Nostradamus, der König der Seher, und Trickstar
Nostradamus wird am 14. Dezember 2005 502 Jahre alt.
Auch den 11. September 2001 hat Nostradamus vorausgesagt. Danach kursierten im Internet folgende Verse: "In der Stadt Gottes wird es einen großen Donner (der Anschlag!) geben. Zwei Brüder (die Twin Towers!) werden vom Chaos auseinander gerissen. Während die Festung (das Pentagon!) erhalten bleibt, wird der große Anführer unterliegen. Der dritte große Krieg wird beginnen, während die Stadt brennt. "
Unheimliche Parallelen, nicht wahr?
Umso unheimlicher, als die zitierten Verse gar nicht von Nostradamus stammen! Der amerikanische Collegestudent Neil Marshall - ein sogenannter 'TrickStar' - hat sie Anfang der 90er im Stile des großen Propheten gedichtet, um zu zeigen, wie ein paar kryptische Zeilen unendlich viele Interpretationen ermöglichen. Das hat sowas von funktioniert!Nun aber der echte Nostradamus: "Cinq & quarante degrez ciel bruslera Feu approcher de la grand cité neuve, Instant grand flamme esparse sautera Quand on voudra des Normans faire preuve. " Das heißt in etwa: "Fünfundvierzig Grade der Himmel wird brennen/Feuer erreicht die große neue Stadt /Sofort wird eine große Flamme aufschießen/ wenn man von den Normannen Beweise verlangt. "
Der Internet-Mystiker Sollog Immanuel Adonai Adoni deutete "cinq & quarante" recht locker als 40,5 Grad, was immerhin dem New Yorker Breitengrad recht nahe kommt. Marc Luni wiederum, der seine Komplettdeutung der nostradamischen Prophezeiungen unvorsichtigerweise schon 1998 als Buch vorlegte, fand hier das Jahr 1812 prognostiziert, als Moskau, jüngste Großstadt Europas, von Napoleon in Brand gesteckt wurde. Auch für die störenden Normannen hat man raffinierte Deutungen gefunden.
Eine Art astrologischer Arzt.
Nun ließe sich noch lange über die hermeneutischen Purzelbäume der Nostradamianer spotten.
Heute soll es aber um den historischen Nostradamus selbst gehen, denn Michel de Notredame wurde vor fünfhundertundzwei Jahren, am 14. Dezember 1503 in dem Städtchen Saint-Remy-de-Provence geboren - zumindest wenn man den Angaben seines Sohns César Glauben schenkt, der es allerdings mit der Wahrheit so genau zu nehmen pflegte wie sein Papa. Jedenfalls studierte Michel, so viel lässt sich historisch belegen, in Avignon und an der Medizinischen Fakultät von Montpellier, ließ sich nach langen Wanderjahren um 1550 als eine Art astrologischer Arzt in Salon-de-Provence nieder und starb dort am 2. Juli 1566 als ein außerordentlich vermögender Mann.
Unter seinem latinisierten Namen Nostradamus veröffentlichte er
** einen Traktat über die Herstellung von Schminke und Konfitüren,
** eine Übersetzung der Schriften des antiken Arztes Galen, die "Pronostications annuelles",
** eine Art Bauernkalender, und schließlich,
** erstmals 1555, jene berühmten "Propheties".
Nostradamus, man muss es leider sagen, ist an dem ganzen Schwindel in seinem Namen selbst schuld.Im Vorwort der "Propheties" erklärt er, kein Mensch könne die Zukunft voraussagen - es sei denn, dieser verfüge a) über die Kenntnis der "judicialen Astronomie" (also der Astrologie), die der Vernunft zugänglich sei und b) über den prophetischen Geist, der von Gott komme.
Nostradamus lässt keinen Zweifel daran, dass ihm selbst beides zuteil geworden ist. Das Problem ist nur, dass er seine angeblich zunächst in Prosa und mit Datierungen niedergeschriebenen Prophezeiungen in absichtlich obskuren Versifizierungen veröffentlichte, um sich vor unberufenen Interpreten (sprich: die Inquisition) zu schützen. Und so hat die Dunkelheit der "Propheties" bis heute zahllose Wirrköpfe mit Stoff versorgt.
Nostradamus schrieb auf Französisch, durchsetzt mit Brocken des Lateinischen, Italienischen, Spanischen, Flämischen, voller Neologismen, mit kühnen, oft latinisierenden Satzkonstruktionen, voller Anspielungen auf Astrologie, antike Geschichte, seine eigene Gegenwart. Er schrieb in zehn- oder elfsilbigen Vierzeilern und stand unter Reimzwang. Die Ergebnisse sind außerordentlich unverständlich.
Poetisch reizvoll.
Die Drucker haben zudem ihre eigenen Fehler hinzugefügt: Heißt es "la cité solaire" (die Sonnenstadt) oder "la cité solitaire" (die einsame Stadt)? Wird der große Hirte (le grand pasteur) alle Menschen in den Tod schicken (mettra a mort tout homme) oder in den Hafen (mettra a port tout homme)? Das sind ja nicht unerhebliche Differenzen, und so multiplizieren sich die Deutungen. Erst 1996 ist eine kritische Ausgabe der ersten 353 Vierzeiler herausgekommen, und auf die Fortsetzung wartet man immer noch.
Dabei haben Nostradamus dunkle, von Katastrophen raunende Verse oft poetischen Reiz. "Sonne und Adler erscheinen dem Sieger/ man gibt dem Besiegten eine leere Sicherheit/ Die Harnische halten weder durch das Horn noch durch den Schrei/ die Rache auf, zu seiner Stunde wird der Frieden durch den Tod geschaffen. / Der Oberste wird in der Nacht im Bett erwürgt/ weil er zuviel verweilt hat, der blonde Auserwählte/ - drei Prätendenten verlangen nach dem Reich - schickt den Erschöpften/ in den Tod, der Zettel im Paket bleibt ungelesen. " Da mischen sich große Symbole (Sonne und Adler) mit altfranzösischen Redewendungen (durch Hornruf und Geschrei) und Wortspielen (Responce vaine au vaincu l on asseure). Und so geht es über Hunderte von Versen:
Ein Spiel von Zeichen, dessen leere Bedeutsamkeit erhaben wirkt. Die Prophezeiungen hätten eine Quelle der Inspiration für Symbolismus und Surrealismus, ein Fest der Recherche für Kulturhistoriker werden können. Doch sie sind Esoterikern in die Hände gefallen...
Dear Souls:
GOD
BLESS
YOU!Take care!
Enjoy the little gift:
SANTA CLAUS: "SHAH-MATT&TRICKSTAR-GAME"
Ego Man
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