Bäckermeister Schnödelbrösel

Geschrieben von Livnyak am 18. November 2005 17:45:14:

Bäckermeister Schnödelbrösel hat nun nach dem dritten Anlauf doch seine Meisterprüfung geschafft, das Geschäft läuft gut und so bleibt Zeit, sich Gedanken um eine Präsenz im weltweiten Netz zu machen. Wer hier an Werbung für seine Brötchen denkt, liegt jedoch falsch, denn was würde es denn nützen, wenn beispielsweise ein aus Deutschland geflüchteter Halbcowboy im hintersten Paraguay Bilder von noch dampfenden Brötchen auf seinem Bildschirm sieht? Weit gefehlt also, die Internet-Präsenz sollte schon etwas anspruchsvolleres sein, nach einigem Gurgeln und heftigem Konsum von Internettexten entscheidet sich Bäckermeister Schnödelbrösel für das neue Thema seiner Webseite: „Wissenschaft“ steht da dann als Überschrift, fett gedruckt, Buchstabengröße 36 und kursiv geschrieben, damit es schöner ausschaut. In der Einführung liest man dann wie schon auf anderen Internetseiten, daß es hier um die wissenschaftlichste Wissenschaft geht, was von niemandem mit den herkömmlichen Wissenschaftlern verwechselt werden sollte, denn diese Studierten und Gelehrten haben ja in Wirklichkeit keine Ahnung, Einstein, Kepler und andere Heinis irrten sich, wo sie nur konnten, Gott sei dank ist Bäckermeister Schnödelbrösel denen auf die Schliche gekommen und kann nun endlich für Aufklärung der ach so ungebildeten Internet-Leserschaft sorgen. Bäckermeister Schnödelbrösel hat da nämlich was entdeckt, was heute ganz in Mode zu sein scheint und auch er greift gleich auf einen Wissenden zurück, den alle Welt mißverstanden hat, nämlich den berühmten Wilhelm Reich, ursprünglich Psychologe, später dann aber Orgon-Wissenschaftler, weswegen er zuerst in Skandinavien, später dann aber auch in Amerika „mißverstanden“ wurde, weil die nämlich alle doof sind und keine Ahnung haben. Nachdem er schließlich sogar noch im Knast gelandet war und dort dann auch starb, ist es doch nun allzu offensichtlich, daß besagter Wilhelm Reich im Gefängnis ein Buch geschrieben hat, welches die Gefängnisleitung allerdings später vernichtete. Jedoch hat Bäckermeister Schnödelbrösel selbstverständlich Kenntnis von allen Einzelheiten, hat er sich doch höchstpersönlich via Internet-Geschreibsel-Meister Don Croft zum Orgonspezialisten „ausgebildet“. Wie Don Croft Kenntnis vom Inhalt des besagten vernichteten Buches erhalten und die Orgon-Theorie von Wilhelm Reich weiterentwickeln konnte? Der Leser möge doch so freundlich sein und verstehen, daß es auch in der wissenschaftlichsten Wissenschaft Geheimnisse geben muß, deren Preisgabe Bäckermeister Schnödelbrösel ins Visier der sogenannten dunklen Macht brächte, was doch nun wirklich nicht sein sollte. Was nützt der Welt auch ein geheimdienstlich verfolgter Bäckermeister Schnödelbrösel? Gar nichts, also bitte sich doch mit dem Thema der angeblich wirkungslosen, nach neuesten Erkenntnissen der wissenschaftlichsten Wissenschaft von Schnödelbrösel jedoch dennoch „funktionierenden“ Orgon-Apparaturen zu beschäftigen.
Usw. usf., wieder eine völlig überflüssige Internetseite, die man dann allerdings wiederum verlinken kann, um ähnlichen Unsinn zu verbreiten und zu sagen: „Bitte schön, sogar der Schnödelbrösel „weiß“ das!“

Bäckermeister Schnödelbrösel ist natürlich frei erfunden, steht aber stellvertretend für zahlreiche fleißige „Wissenschaftler“, die niemals eine Universität von innen gesehen und deshalb logischerweise den totalen Durchblick haben.
Zum Schluß bleibt die Frage, wie ernst man solche Theorien nehmen sollte bzw. ob es sich überhaupt lohnt, sich mit derartigem Schwachsinn zu beschäftigen?

Solong
Livnyak


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