Re: Welche Chancen hat die neue Liste?

Geschrieben von HJH am 16. Juni 2005 18:19:28:

Als Antwort auf: Re: Welche Chancen hat die neue Liste? geschrieben von Harry am 16. Juni 2005 12:22:12:

Tag Harry

Irgendein Kaninchen wird Schröder noch aus dem Zylinder zaubern, um das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Oder er wartet auf den Selbstzerfleischungsprozess durch Querelen der CDU/CSU intern ausgelöst. Und Lafontaine wird ja momemtan hart rangenommen, und von den großen Medien durchweg diffamiert. Natürlich geschieht dies, weil er und Gysi die Zugpferde des Linksbündnisses sind, und das von mir geschätzte Potential von knapp über 10 Prozent, bei guter politischer Wetterlage noch überboten werden könnte.

Für Spannung ist zwar gesorgt, doch keine Partei oder Bündnis wird über 30 Jahre Verfehlungen im und durchs System innerhalb kürzester Zeit wieder auf sozial-verträglichen Kurs bringen können. Die ewig gleichen Umverteilungsprozesse werden ja nicht von oben nach unten verträglich angegangen, es bleibt doch immer bei den Kleinen hängen, die sich dadurch nur selbst ans Messer liefern werden. Vllt. ist dies gar so geplant, betrachtet man z.B. diverse "Geheimtreffen" im Beisein von Schröder, Merkel und den Damen und Herren des Kapitals (Stichwort "Bilderberger").

Ich sagte vor Jahren bereits, dass Deutschland auf das Niveau eines mittelmäßigen osteuropäischen Landes heruntergeschrumpft werden muss, im Sinne Europas, aber auch im Sinne von krassen sozialen Einschnitten im Zuge des verschärften Wettbewerbes etc. Dabei machen sich deutsche Firmen ja selbst Konkurrenz, zumindest jene, die im nahen Ausland billigst für den deutschen Markt produzieren, doch hier wegen andauernder schlechter Binnenmarktkonjunktur der Absatz stagniert. Dies mögen Ausnahmen sein, aber es gibt sie nicht nur auf dem Kfz-Markt etc.

Doch dies ist nur ein (wirtschaftlicher) Teilaspekt der schlechten Allgemeinstimmung im Lande. Da schlummert etwas anderes im Hintergrund. Etwas schwer begreif- und beschreibbares geht seit Jahren in den Menschen vor. Da wandeln sich die Gefühle, und es zeigt sich, wer diesen aggresiv geführten Kampf des Kapitals bereit ist, durch Dauereinsatz seiner Arbeitskraft und Zeit durchzuhalten und durchzustehen, ohne schwere gesundheitliche Folgen davon zu tragen. Die Gesellschaft ist weiter im Wandel, Emotionen werden als Schwäche gedeutet. Immer angespannt verspannt der Geist, und damit die guten Ideen, die dieses Land einst groß werden ließen (oder war es doch nur Korruption und bekannte deutsche "Hinterfotzigkeiten..."). Es gibt so viele einfache Lösungen für diese hausgemachten Probleme. Doch dafür müsste jeder wachgerüttelt werden-im friedlichen.

Doch dazu ist es ja zu spät-nicht nur wegen der durchaus ernst zu nehmenden Hinweise in den Prophezeiungen - wobei man auch nicht alles für bare Münze, und wortlautgetreu ins Jetzt übernehmen kann, was selbst ich gesehen habe. Nur: Wie viel Ungerechtigkeit an Menschenschicksalen sichtbar gemacht, und nicht nur in Statistiken staubfrei verpackt, verträgt ein Volk ohne sich millionenfach zu solidarisieren, und doch den Kampf auf die Straße zu tragen (was natürlich im Falle von rigoroser Gewaltanwendung "Deutscher kämpft gegen Deutschen" mehr als verfehlt wäre).

Ich weiß wo ich stehe, zumindest rhetorisch, und sehe trotz aller Alarmzeichen nicht immer den nahen Abgrund. Denn durch den fahren wir doch bereits. Er ist eine enge düstere Gasse, Umkehr nicht möglich, Ziel unbekannt, aber erahnt. Angetrieben wird der Zug durch den Angstschweiß der Arbeitslosen, Kranken und Schwachen, aber auch vom nach Blattgold riechendem Duft des Großkapitals und ihren Zuträgern. Man sollte es mal auf eine Machtprobe ankommen lassen. Doch es traut sich ja niemand!

Ich auch nicht, denn die Folgen wäre für alle fatal. Dann doch lieber mit Karacho gegen die Wand...So oder so, die Verlogenheit jüngster deutscher Polit-Geschichte (sehr stark seit Kohls Machtwechsel 1982 ff. entlarvend sichtbar geworden= "geistig-moralische Wendepolitik...") lässt sich vom "gemeinen Volk" nicht mehr billigen, und erst recht nicht honorieren. Immerhin ist der deutsche Michel in dieser Beziehung hellhörig geworden, von welchen Lumpen und Drecksäcken wir bestimmt werden= von Gaunern, Fallenstellern und Brunnenvergiftern. Feige Verräter an der urtümlichen deutschen Volksseele, die ja erst durch ihre Kompetenzüberschreitungen, Hinterziehungen und dem "Dolce Vita" dem Volk schmackhaft gemacht wurden, damit es gleich ziehen sollte-es aber natürlich nie schaffen konnte. Es sind schamlose Absahner ohne Mumm in den Knochen, z.B. auch einmal gen Brüssel und Straßburg ein NEIN! zu signalisieren, damit wir uns von diesem Gängelband lösen können, und ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Land bewirken können.

Sollen machen was sie wollen. Bei uns hat sich auch ein Kreisverband der Wahlalternative gegründet. ich bezeugte Interesse, doch machte auf dem Absatz kehrt, als ich da eine Riege von Mauerblümchen und Schmalzbacken sitzen sah. Die sollen in den örtlichen Kirchenkreis im Chor mitsingen. Da wären sie bei weitem besser aufgehoben. Ohne Lafontaine im Rücken, geht diese Partei im Westen schnell den Bach runter...

Gruß

Jörg

>Hallo HJH,
>Deine Einschätzung halte ich für insgesamt realistisch, auch was die Rechte betrifft. Halte jedoch für möglich, dass die Linke noch mehr erhält, wie Baddy anklingen lässt: Erdrutsch-ähnlicher Erfolg der Linken. Begründung: Die unvorstellbaren Härten, die man den ALG II –Empfängern zumutet, trifft Millionen von Wählern. Viele von diesen haben wahlberechtigte Verwandte oder Freunde, die z.T. in Mitleidenschaft gezogen sind. Wenn man dann noch in den Medien hört, dass Hartz4 10 Milliarden Mehrkosten verursacht, und Clement 4000 Spitzel einstellen will, wird die allgemeine Fehlleistung der Politik deutlich. Wenn auf eine qualifizierte offene Stelle 600 bis 800 Bewerbungen kommen, und der schwarze Peter für diesen Misstand den Armen zugeschoben wird, könnte (müsste) das eine Menge Protestpotenzial produzieren.
>Es wird spannend.
>Ich hatte am Tag der Bekanntgabe des Linksbündnis einen kurzen Beitrag mit dem Titel „Angela und Edmund adieu“ ins Forum gestellt. Die Hintergedanken dazu waren: Die SPD hat es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, im letzten Moment den Wähler zu bezirzen. Sei es mit Hochwasser oder sonstigem. Wenn also die SPD wieder so ein Wunder zustande bringt, die Grünen gemäß Deiner Prognose reinkommen und die Linken ihren Protestsieg erreichen, könnte die Rechnung z.B. sein: SPD 32 +Grüne 7 + Linke 12. Dazu kommt, dass lt. Umfragen 2 Drittel der Wähler Schröder wieder wollen. Warum, ist mir schleierhaft.
>Es wird spannend.
>Ich bin Proph-gläubig und gleiche daher die tägliche Medien-„Verarsche“ mit den Proph`s ab. Keine Konstellation wird es schaffen, gegen die global gewachsenen Strukturen des Großkapitals anzukommen. Das Einzige, was hier erreicht werden könnte, ist eine temporäre Abmilderung der Härten, die die Armen erfahren. Aber damit ist weder Deutschland noch der Rest der Welt zu retten. Der Zug in den Abgrund hat längst Fahrt aufgenommen und die beschleunigt sich ständig. Weil das Gefälle so stark ist, laufen die Bremsen heiß und werden dadurch unwirksam, wie beim großen LKW. Der fährt dann gegen einen Baum oder eine Wand. Dann ist er ganz kaputt. Und dann müssen wir einen neuen bauen und ihn von Leuten steuern lassen, die etwas anderes „in der Birne haben“ als immer nur die Massen abkochen zu wollen oder den Massen eine Menschen verachtende Religion aufzwingen wollen; ganz einfach, den Zug nicht wieder Richtung Abgrund steuern.
>Mit Proph`s oder ohne, es kann nur die von uns befürchtete, ganz große Lösung geben.
>LG
>Harry


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