Feuer
Geschrieben von Wizard am 18. Mai 2005 07:30:13:
Hallo Leute
Über Ausrüstung, Vorräte und Zielgebiete diskutieren wir hier ja öfter, aber ich finde Survivalsachen kommen ein wenig zu Kurz. Wenn wir hier teilweise davon ausgehen, dass es nach dem Knall irgendwo zwischen Steinzeit und Mittelalter von vorne anfängt, ist es bestimmt sinnvoll sich auch mal mit Dingen aus dieser Zeit zu beschäftigen. Ich meine nicht nur in der Theorie, sondern auch praktisch.
Das Feuer gehört mit zu den Größten Errungenschaften der Menschheit. Und mal Hand aufs herz, wer von uns hier beherrscht die Kunst Feuer zu machen richtig? Ich meine nicht mit Grillanzünder und Feuerzeug oder so ähnlich, sondern auf eine der alten Arten. Also z. B. das Feuerbohren oder mit Stein und Stahl.
Ich werde nun mal versuchen das Feuerbohren und was man dazu benötigt zu erklären. Wer schon mal versucht hat, etwas das der kann und über das er sich eigentlich nie viele Gedanken gemacht hat, für andere als Gebrauchsanleitung aufzuschreiben, weis das es nicht so einfach ist. Zeigen ist halt viel einfacher. Ich hoffe, es wird verständlich und ich vergesse dabei nichts wichtiges.
Was wird benötigt um Feuer zu machen?
Zu aller erst mal einen geeigneten Platz zum Feuer machen. Hierbei ist natürlich ausschlaggebend, in welcher Lage man sich befindet. Windgeschützt und nicht so leicht zu sehen passt meistens recht gut. Wenn man dabei auch noch vor Regen, Schnee und ähnlichem geschützt ist, um so besser. Wer auf die Idee kommt, Feuer in einer Höhle zu machen, sofern er eine hat, sollte sicher sein, das der Rauch raus und Frischluft rein kann.
Achtung, nicht auf die Idee kommen, in einem Moor oder einer Torfgegend Feuer zu machen. Das kann böse ins Auge gehen! Das Zeug brennt unterirdisch und das Feuer kommt an anderer Stelle wieder raus.
Ist ein Platz gefunden, wird die Feuerstelle gebaut. Hierzu am Besten ein paar etwa kopfgroße Steine zu einem Kreis oder Oval zusammenlegen. Der Kreis sollte zwischen 30 und 60 cm Durchmesser haben. Je nach dem, ob man nun alleine oder zu mehreren dran hockt und was man damit machen will. Bei längerem Grillgut (z. B. Wildschwein ;-)) kann man auch ein langgezogenes Oval machen. Sind gerade keine passenden Steine zu finden, kann man den Kreis auch aus dickeren Holzstücken machen, das Holz sollte dann allerdings nass sein (z. B. frisch gefällt). Alternativ kann man auch eine flache Grube machen, um den Rand kurze Pflöcke einschlagen und den Aushub Außenrum aufschütten und festdrücken. Die Grube aber wirklich flach, 5 cm tief reicht völlig. Will man darauf kochen oder braten, kann man sich ein Dreibein aus Ruten machen (für den Topf kann man auch im Feuerkreis drein passende Steine legen, um hinterher den Topf draufzustellen -Standfestigkeit vorher prüfen-) und / oder zwei Astgabeln für den Bratspieß. Das Dreibein wird nicht über dem Feuer, sondern über der Glut aufgestellt und sollte auch hoch genug sein. Die Astgabeln für den Bratspieß sollten auch nicht zu dünn sein und sie werden nicht quer über das Feuer aufgestellt sondern so, dass der Bratspieß neben dem Feuer über den Steinen (oder was man verwendet hat) liegt. So tropft wenig bis kein Fett in das Feuer (Glut) und es kommt auch keine zu große Hitze an den Braten (sonst außen Kohle innen roh).
Selbstverständlich macht man das Dreibein und den Bratspieß samt Astgabeln aus grünem (frischem) Holz und etwa doppelt daumendick, sonst brennt es eventuell zu schnell durch. Der Bratspieß sollte möglichst gerade und ausreichend dick für das Gewicht des Grillgutes sein. Lieber ein bisserl dicker als zu dünn, aber kein ganzer Baum ;-) Darauf achten, das der Bratspieß Äste hat. Selbige werden nämlich benötigt um den Braten festzuhalten, sonst kann man nämlich den Spieß drehen so viel man will und der Braten bewegt sich nicht.
Ach ja, ganz Wichtig!
Bei Verwendung von Steinen, selbige nicht aus irgendeinem Gewässer fischen. Die sind voll Wasser und wenn das dann anfängt zu kochen, fliegt einem der Kram mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Ohren.
Dann braucht man Brennmaterial, logischerweise knochentrocken. Wenn es draußen lange trocken war, ist die Beschaffung kein Problem. Meinen die Meisten, die es noch nie versucht haben. Einfach einen Baum fällen und klein hacken kann man getrost vergessen. Holz das am Boden liegt in den meisten Fällen auch. Bestens geeignet ist so genanntes Todholz. Das sind abgestorbene Äste in allen möglichen Stärken, die aber noch am Baum oder Stauch sind oder auch ganze abgestorbene Bäume, die noch aufrecht stehen. Solches Holz ist meist selbst nach einem längeren Regen noch trocken. Zumindest innen, es ist also nur außen nass. Laubholz ist wenn möglich Nadelholz vorzuziehen. Nadelholz hat meist eingeschlossene Harzgallen, die beim abbrennen förmlich explodieren und einen hübschen Funkenflug verursachen. So was knistert zwar schön und mache finden das auch ganz toll, aber es gibt unschöne Brandtlöcher im Schlafsack und den Klamotten. Von eigenen Verbrennungen und Dreck im Essen mal ganz abgesehen. Zur Lagerung des Brennmaterials schlägt man sich 4 Pflöcke neben dem Feuer (aber nicht so dicht, das es anfängt zu brennen) in den Boden, zwischen denen kann man das Brennmaterial aufstapeln, ohne das es sich verselbstständigt und das Brennmaterial wird trocken (falls es nass war). Außerdem reflektiert der Stapel die Hitze und bietet Sichtschutz. Also einen möglichst günstigen Standort wählen.
Für das gemütliche Feuerchen ist nun alles beisammen, fehlt nur noch das Feuer selber. Um ein Feuer in gang zu bekommen, braucht man leicht brennbares Material. Hier muss man sehen, was man hat oder findet. Ideal ist natürlich trockenes Stroh oder Heu. Dummerweise glänzt das gerade dann durch Abwesenheit, wenn man es braucht. Alternativen sind z. B. die weiße Außenhaut von Birken und alte Vogelnester. Ist rein gar nichts brauchbares zu finden, muss man sich was schnitzen. Das war jetzt kein Scherz, sondern ernst gemeint. Also aus trockenem Holz dünne (nicht kleine) Späne schnitzen.
Für das Feuer selber ist nun alles beisammen. Jetzt kommt der Schwierige Teil, nämlich das Feuer anzünden. Hierzu braucht man Zunder und etwas um Glut zu erzeugen. Für Zunder gibt es einiges, das man verwenden kann. In erster Linie natürlich den Zunderschwamm (ein Baumpilz). Der ist aber nicht immer vorhanden und muss erst vorbereitet werden. Die trockenen Kolben vom Rohrkolben sind auch wunderbar geeignet. Man kann aber auch verschiedene andere Sachen verwenden wie z. B. Brennnessel (trockene Stängel zwischen zwei Steinen oder Holzstücken Platthauen und zerfasern) und Spinnenweben.
- Ernte ich immer bei mir auf dem Dachboden wenn sie nicht mehr im Gebrauch sind und schon Staub gefangen haben. Nach dem sie noch einige Tage in einem offenen Glas im Wohnzimmer aufbewahrt wurden, werden sie in einem Zigarrenröhrchen aus Alu mit Schraubverschluss aufbewahrt. Alternativ auch in einem kleinen Plastiktütchen mit Zippverschluss -
Um Glut zu erzeugen gibt es verschiedene Möglichkeiten: Feuerstein / Pyrit, Feuerstein / Stahl, oder Feuer bohren. Ich selber ziehe das Bohren vor und zwar mit einem kleinen Bogen, einem Feuerbrett, dem Bohrstab, etwas Schnur und die Auflage.
Für den Bogen bevorzuge ich einen Ast, der schon krumm gewachsen ist. Er sollte am dicken Ende etwa daumendick und etwa 40 cm lang sein. An ihm wird die Schnur fast wie bei einem bogen aufgespannt, aber nicht straff sondern lose. Wie lose, hängt vom Bohrstab ab. Das holz kann frisch, aber auch trocken sein.
Der Bohrstab sollte etwa Finger- bis Daumendick und zwischen 20 und 40 cm lang sein. Und er muss natürlich trocken sein. Ich selber bevorzuge Weide, es geht aber auch mit fast jedem anderen Holz. Das untere Ende wird leicht angespitzt, aber wirklich nur leicht. Damit soll nichts aufgespießt werden, es soll nur im Bohrloch halten. Das obere Ende sollte man etwas runden.
Die Auflage braucht man um den Bohrstab zu halten und um druck von oben auszuüben. Es kann ein Stein oder ein Stück Holz sein, ich bevorzuge Holz (habe mir sogar eigens eine Auflage aus Buche geschnitzt, die ich in der Ausrüstung habe). Wichtig ist, das die Auflage gut in der Hand liegt und eine Bohrung hat, die den Bohrstab gut führt. Das Loch sollte also etwas großer als der Durchmesser des Bohrstabes sein und gut 1 cm tief.
Das Feuerbrett ist einfach nur ein längliches Stück Holz von etwa 20 bis 40 cm Länge, 3 bis 5 cm Breite und etwa 2 cm Dicke und natürlich trocken. Es muss recht gut und sicher liegen und die Oberseite sollte möglichst flach sein. Ich selber bevorzuge Kiefer, man kann aber auch Birke und ähnliches nehmen. Etwas vom Rand weg (etwas mehr als halber Bohrstabdurchmesser) wird mit einem Messer ein kleines Loch angefangen. Nicht tief und auch nicht groß, es dient nur als Führung für den Bohrstab. Nun wird der Bohrstab in die Schnur vom Bogen geklemmt (sie läuft einmal rum) und in das Loch vom Feuerbrett gestellt. Obenauf wird die Auflage gedrückt und man bohrt das Loch im Feierbrett etwas weiter in dem man leicht von oben drückt und mit dem Bogen eine sägende Bewegung macht (wodurch sich der Bohrstab dreht). Läuft der Bohrstab richtig gut, hört man erst mal auf. Es fehlt nämlich im Feuerbrett noch die Kerbe. Selbige verläuft vom Bohrloch trichterförmig (schmale Seite ist beim Bohrloch) zum Außenrand und von der Oberkante bis ganz nach unten durch. Die Kerbe nicht zu klein machen, durch sie soll der heiße Bohrstaub auf den Zunder fallen.
So, nun auf zum fröhlichen Feuerbohren. Jeder muss selber probieren, wie es für ihn / sie am Besten geht. Ich setze mich dazu fast in den Schneidersitz. Ein Fuß ruht auf einem Ende vom Feuerbrett um es an seinem Platz zu halten. Unter dem anderen Ende des Feuerbrettes wird ein kleiner Stein oder ein Stück Holz geklemmt, damit es nicht ganz platt auf dem Boden liegt. Unter die Kerbe vom Bohrloch kommt der Zunder. Da ich Rechtshänder bin, habe ich den Bogen auch in der rechten Hand. Griffbereit liegt bei der linken Hand die Auflage und die sägende Bewegung mache ich quer vor mir. Nun der Bohrstab in die Schnur klemmen, den Stab in das Bohrloch und die Auflage drauf. Zu Anfang mit wenig Druck und langsamen Sägebewegungen. Läuft es rund, wird der Druck erhöht.
Es ist nicht die Rotationsgeschwindigkeit ausschlaggebend, sondern mehr der Druck.
Wie das Verhältnis zwischen Rotation und Druck sein muss, muss man ausprobieren. Wird alles richtig gemacht, qualmt es schon nach wenigen Sägebewegungen. Auch wenn es schon kräftig qualmt, nicht gleich mit dem Bohren aufhören. Es dauert ein paar Augenblicke, bis sich genügend heißer Holzstaub auf dem Zunder angesammelt hat. Ist man der Meinung, das es reicht, hört man auf und nimmt den Zunder samt Bohrstaub in die Hand und beginnt ganz vorsichtig mit dem Blasen äh Pusten. Je mehr sich nun die Glut ausbreitet, um so kräftiger kann man pusten. Ist die Glut groß genug, wird sie vorsichtig in das vorbereitete Feuernest gelegt und dann weiter angeblasen. Dabei legt man schon vorsichtig die ersten größeren Zweige auf das Nest. Dann wird kräftig geblasen, bis es anfängt zu brennen. Brennt es, zügig dickeres Holz anlegen bis es richtig und sicher brennt.
Keine Sache, die gleich beim ersten Versuch gelingt. Man muss oder sollte es vorher öfter mal geübt haben. Wem es zum ersten mal gelungen ist, sich auf diese Weise ein Feuer zu machen, der wird das Gefühl nie mehr vergessen.
Tipp:
Die ersten Versuche nicht gleich mit einem richtigen Feuer draußen und wohl möglich noch vor Zuschauern machen. Der Balkon oder die Terrasse reicht als Übungsgelände und an Stelle des Feuers reicht eine Zigarette. Erst wenn man das ein paar mal gut geschafft und den Bogen raus hat, sollte man es mir einem Feuer im Freien versuchen.Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.
Wenn für Sinnvoll befunden, kann der Text ins Wiki :-))
MfG
Wizard
- Weiteres Feuer Wizard 20.5.2005 06:01 (2)
- Hab hier ein Nehberg Video, Nehberg zeigt wies geht :) Trickster 19.5.2005 00:24 (5)
- Ansonsten wers haben will , Mail an mich Trickster 19.5.2005 11:06 (0)
- Re: Hab hier ein Nehberg Video, Nehberg zeigt wies geht :) Starfire 19.5.2005 08:01 (2)
- Re: Hab hier ein Nehberg Video, Nehberg zeigt wies geht :) Badland Warrior 19.5.2005 08:37 (1)
- Fluffy Bunnies gehen auch *g* (n/t) Starfire 20.5.2005 11:12 (0)
- Re: Hab hier ein Nehberg Video, Nehberg zeigt wies geht :) Wizard 19.5.2005 04:10 (0)
- Feuer - aber ohne Survival-Romantik Baran 18.5.2005 20:53 (1)
- Re: Feuer - aber ohne Survival-Romantik Wizard 18.5.2005 21:47 (0)
- Re: Feuer (Link, Bilder) MattB 18.5.2005 09:50 (0)
- Re: Feuer Badland Warrior 18.5.2005 08:13 (5)
- Re: Feuer Wizard 18.5.2005 21:41 (3)
- Das ist keine Pompfe Badland Warrior 18.5.2005 22:08 (2)
- Re: Das geheimniss: wurzeln! gute keulen sind aus wurzelholz. (n/t) detlef 18.5.2005 23:10 (0)
- Re: Das ist keine Pompfe Wizard 18.5.2005 22:24 (0)
- Ah! das Forum findet endlich wieder zum Forenthema zurück! iwillsurvive 18.5.2005 12:09 (0)