Psychologische Aspekte

Geschrieben von franke43 am 12. Dezember 2003 09:41:57:

Als Antwort auf: Prophezeiungen in den Feldpostbriefen gar nicht vom "seltsamen Franzosen"? geschrieben von Georg am 12. Dezember 2003 08:46:03:

Hallo

Wir sollten uns mal verdeutlichen, was der
Franzose da gemacht hat.

Er war in Feindeshand und damit seine
Sicherheit gefährdet. Man konnte leicht
"standrechtlich" oder auch nur einfach so
erschossen werden.

Als gefangener Nichtkombattant konnte er
besonders leicht "beseitigt" werden. Man
brauchte ihm nur andichten, dass er ein
Franctireur gewesen sei. Wer wollte
später das Gegenteil beweisen, und wer
kümmerte sich schon um ein Einzelschicksal,
wo täglich so viele umkamen ?

Der Franzose riskierte also einiges, um
seine Mitteilungen vorzutragen. Er sagte
dem Feind gerade ins Gesicht, dass er den
Krieg verlieren werde, und das nach mehr
als 4 Kriegsjahren.

Derselbe Feind war zur selben Zeit (noch)
erfolgreich an allen Fronten, und der
Schlieffenplan schien perfekt zu
funktionieren. Der Krieg war auch noch
nicht zum Stellungskrieg verkommen. Es
herrschte Optimismus in den deutschen
Reihen. Alle glaubten den Sieg vor
Weihnachten 1914 in der Tasche zu haben.
Daher waren die Aussagen des Franzosen
auch nur ein "Lacherfolg". Das Gespräch
mit dem Franzosen muss vor dem 24.8.1914
stattgefunden haben, als es für die
deutschen Soldaten noch überall
"vorwärts" ging.

4 Wochen später hätten zumindest die
höheren Offiziere dieselbe Botschaft
ganz anders aufgenommen - wenn höhere
Offiziere dabeigewesen wären. Da war
nämlich die erste Marneschlacht
verloren, und damit die Hoffnung auf
den schnellen Sieg im Westen. Die
Verhältnisse hatten sich umgekehrt.
Die Erfolge wurden nicht mehr im
Westen erzielt, sondern im Osten
gegen Russland.

Vor der Marneschlacht war der Franzose
jedenfalls sehr mutig, was dafür
spricht, dass ihm die Mitteilungen
wichtig gewesen sein müssen.

Gruss

Franke




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