AKW's unter Wasser .....

Geschrieben von NoPasaran am 10. Dezember 2003 14:32:08:

Als Antwort auf: Frage : AKWs - was passiert bei einer ÜBERFLUTUNG? geschrieben von Apollo am 10. Dezember 2003 12:22:41:

Ich bin zwar nur sozusagen Halbfachmann - beim Bundesheer, damals noch in Österreich, Ausbildung in Sachen ABC-Abwehr inklusive ein halbes Jahr in einem Forschungsreaktor, und ich hab' hier in Deutschland die Prüfung, die Du brauchst, um irgendwo den Strahlenschutzbeauftragten machen zu dürfen -, aber schau'mer mal:

Entsprechende Analysen: Glaub' ich eher nicht, *das* Szenario ist für *die* Typen zu abartig. Außerdem ist Atomkraft ja, wie wir alle wissen, saubär und ungefehrlich. Der Buchstabendreher ist Absicht.

Von dem her, was ich über die Funktionsweise von AKS's weiß, folgende Überlegung:

Die gefährlichste Situation ist die, wenn in einem AKW die Kühlung über längere Zeit ausfällt, denn kommt's früher oder später zum core meltdown, zur Kernschmelze, und das gibt, radiologisch gesprochen, eine Riesensauerei, weil da all die Spaltprodukte aus den geschmolzenen Brennelementen sich auf den Weg in Gottes freie Natur machen, und je abgebrannter die Brennelemente sind, desto dreckiger sind sie, radiologisch gesehen.

Das heißt: Wenn bei einer totalen Überflutung das Meer, oder was sonst immer unser AKW überflutet, bis in den Primärkühlkreislauf reinkommt, bevor ein core meltdown passiert, dann dürfte diese Gefahr gebannt sein, denn dann wird maritim gekühlt. Es kommt zwar immer noch ein bißchen radioaktiver Dreck raus, aber das dürfte sich doch relativ schnell derartig verdünnen, daß da keine unmittelbare Gefahr davon ausgeht, zumindest, solange man dieses Wasser nicht trinkt oder sich damit wäscht, was bei Salzwasser eher unwahrscheinlich ist. Wieweit so ein Reaktorgebäude wasserdicht ist oder nicht, wie starkem Wasserdruck, wie starken Turbulenzen im Wasser es standhalten kann, und wieweit es im Falle einer massiven Überflutung dort stehen bleibt, wo es ist, das kann ich nicht abschätzen.

Wenn nach einem core meltdown größere Mengen Wasser auf einen geschmolzenen Reaktorkern treffen, dann wird's vermutlich wild, denn der hat dann Temperaturen von ein paar hundert Grad mindestens, wieviel genau weiß ich nicht, was bedeutet, daß das Wasser explosionsartig verdampfen wird, und wie sich das, falls in größerem Maßstab passierend, auf das Containment des Reaktors auswirkt - also ich weiß nicht, ob das für sowas ausgelegt ist.

Das worst case Szenario wäre, im Falle eines Impaktes, etwa so: Durch Erdbeben zerlegt's das Kühlsystem eines Reaktors, es kommt zum meltdown, und dann kommt die Überflutung und trägt den strahlenden Dreck davon. (Was genau dem entspricht, was uns die Apologeten der ach so friedlichen Nutzung der Kernenergie immer schon versprochen haben: Eine strahlende Zukunft.)

Was sich empfiehlt, sowieso, auch ohne Katastrophen, ist die Anschaffung einer Wasserfilteranlage auf Umkehrosmose-Basis: Die filtert alles raus bis in den zweistelligen Nanometer-Bereich runter, damit läßt sich Radioaktivität ganz gut in den Griff kriegen, und in friedlicheren Zeiten Nitrate, Athrazin und ähnlich aparte Genüsse. Man braucht allerdings ein paar bar Wasserdruck, damit das Ding arbeitet: Heutzutage der Leitungsdruck, man sollte sich aber überlegen, was man tut, wenn aus irgendwelchen Gründen die Wasserversorgung in die Binsen geht.

Btw, zum Thema Atomkraft: Der Geologe Alexander Tollmann, der in Österreich, zu Zeiten Zwentendorfs selig, des einen und einzigen österreichischen Atomkraftwerks, das dann nie in Betrieb ging, Atomenergiegegner in vorderster Front war, schrieb in seinem Buch "Und die Sintflut gab es doch .....", in dem's um das Thema Impakt & Co. geht, daß jegliche auch nur ansatzweise öffentliche Diskussion zum Thema möglicher Impakte seit Anfang der achtziger Jahre, als Vater und Sohn Alvarez auf den Endkreide-Impakt gestoßen waren und damit dieses Forschungsfeld überhaupt erst geschaffen hatten, von der Atomindustrie erfolgreich unterdrückt und verhindert wurde: Die hätten dann nämlich keine Chance mehr gehabt, sich halten zu können, was vielleicht doch einiges über das Gefahrenpotential der ganzen Sache aussagt. Erst seit ein paar Jahren hört man da ein bißchen mehr davon, weil man, seit NEAT und ähnliche Projekte laufen, erst mal mitkriegt, *was* da alles *wie nahe* an der Erde vorbeifliegt - beispielsweise vor ein paar Monaten ein hausgroßer Brocken in etwa 80000 km Entfernung, das ist grad mal ein bißchen mehr als das Doppelte des geostationären Orbits, aus astronomischer Sicht ist das schon so gut wie ein Streifschuß, und auch *das* Trumm hat man erst ein paar Tage nach dem Vorbeiflug gesehen, weil's mal wieder direkt aus der Sonne kam.

lg NoPasaran





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