Re: Anschlag auf US-Diplomaten-Konvoi / mehr dazu
Geschrieben von IT Oma am 15. Oktober 2003 19:55:31:
Als Antwort auf: Anschlag auf US-Diplomaten-Konvoi im Gaza-Streifen geschrieben von IT Oma am 15. Oktober 2003 11:11:21:
Erster Anschlag auf US-Diplomaten im Gaza-Streifen
Mit dem Anschlag auf drei US-Diplomaten im Gazastreifen hat die Gewalt in Nahost eine neue Eskalationsstufe erreicht. Washington setzt die palästinensische Regierung unter Druck, den Anschlag lückenlos aufzuklären. Die Auswirkungen auf den Friedensprozess sind noch nicht abschätzbar.
Jerusalem - Die USA sind laut US-Botschafter Daniel Kurtzer schockiert über den Anschlag. Er bekräftigte gleichzeitig, man werde weiterhin mit beiden Parteien zusammenarbeiten, um einen Weg zum Frieden zu suchen.Washington habe die Palästinensische Autonomiebehörde aufgefordert, die USA bei der Aufklärung des Verbrechens zu unterstützen und die Verantwortlichen festzunehmen. Ein Team der US-Bundespolizei FBI wird in den Gaza-Streifen reisen. "Die Regierung der Vereinigten Staaten wird den Vorfall vollständig untersuchen und mit den Regierungsbehörden zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen für diesen sinnlosen und brutalen Angriff zur Rechenschaft zu ziehen", sagte Kurtzer. Die FBI-Leute sollen sich auf das Sammeln von Beweisen und auf den Sprengstoff konzentrieren. Bereits kurz nach dem Anschlag kamen mit der palästinensischen Polizei sechs amerikanische Ermittler an den Tatort.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kurei reagierte ebenfalls "schockiert", und Sajeb Erekat, der langjährige Chefunterhändler der Palästinenser, verurteilte den tödlichen Anschlag "aufs Schärfste". "Die amerikanischen Märtyrer sind auf unseren Wunsch im Land, um die Umsetzung der Roadmap (Friedensplan) zu überwachen", meinte er am Mittwoch zornig im israelischen Rundfunk. Fast schon in Panik berief Palästinenserpräsident Jassir Arafat den Nationalen Sicherheitsrat ein, um über die Konsequenzen der Gewalttat zu beraten.
US-Außenminister Colin Powell appellierte an Kurei, gegen militante Palästinenser vorzugehen. Arafat und Kurei müssen sich zumindest auf wütende Proteste Washingtons gefasst machen, glauben diplomatische Beobachter in Ramallah. Denn bisher weigerte sich die Palästinenserführung rundheraus, sich den militanten Gruppen in den Autonomiegebieten entgegenzustellen.
Das Attentat richtete sich offenbar gezielt gegen die US- Beobachtergruppe in der Region. Die von US-Präsident George W. Bush Anfang Juni in die Konfliktregion entsandten Experten, darunter zahlreiche Experten des Geheimdienstes CIA, sollen die Umsetzung des internationalen Nahost-Friedensplans überwachen. Sie fuhren fast täglich in gepanzerten Fahrzeugen durch den Gazastreifen und waren bereits vor Wochen Ziel eines palästinensischen Anschlags. Die Bombe, die damals am Straßenrand neben dem Konvoi explodierte, richtete jedoch keinen Schaden an.
Der Anschlag vom Mittwoch hat das politische Chaos in der seit Wochen weitgehend führungslosen Autonomiebehörde nur noch weiter vergrößert. Die Konsequenzen für den brach liegenden Friedensprozess sind nach Meinung palästinensischer Beobachter noch gar nicht abzusehen.
Unklar ist, wer hinter der Tat steckt. Militante Palästinensergruppen, die den USA eine pro-israelische Haltung vorwerfen, haben seit Beginn des Aufstands vor drei Jahren zwar wiederholt Bombenanschläge auf israelische Soldaten und Zivilisten im Gaza-Streifen verübt, nicht aber auf US-Bürger. Hamas und Islamischer Dschihad wiesen eine Verwicklung in den Anschlag inzwischen zurück. Bei einer internationalen Nachrichtenagentur in Jerusalem meldete sich ein anonymer Anrufer im Namen eines "Komitees des Volkswiderstandes" und bekannte sich zu dem Attentat. Eine solche Gruppe ist israelischen Sicherheitskreisen bislang nicht bekannt.
Cui bono? oder: wer hat ein Interesse daran, daß der Friedensprozess scheitert?
Gruß
ITOma