Re: Sehr lesenswerte Zusammenfassung im Spiegel

Geschrieben von Andreas am 10. Oktober 2003 23:31:17:

Als Antwort auf: Re: Sehr lesenswerte Zusammenfassung im Spiegel geschrieben von katzenhai2 am 10. Oktober 2003 22:54:39:

>...noch innerhalb dieses Jahrzehnts. Das ist meine private Prophezeiung.

Hi, Katzenhai

Das wird die spannende Frage sein, von der die weltpolitische Entwicklung in erster Linie abhängt: Wann geht dem Imperium sozusagen die Luft aus? Auf meinem Pult liegt seit Wochen der Wälzer von Paul Kennedy "The Rise and Fall of the Great Powers". Leider habe ich das Buch immer noch nicht gelesen. In seiner ersten Ausgabe soll jedoch Kennedy argumentiert haben, dass bereits Vietnam die USA an den Rand eines "overstretchs" brachte. Mit den Golfkriegen scheint er ja nun zunächst widerlegt zu sein.
Widdowson als Militärexperte zweifelt weniger an der militärischen Stärke und Feuerkraft Amerikas als an seiner Fähigkeit, ordnungsstiftende Strukturen in die Welt zu bringen: Haben die USA schon seit jeher Afrika - im Gegensatz etwa zu Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg - völlig vernachlässigt, so bringen die Interventionen in Somalia, Kosovo, Afghanistan und Irak mehr Chaos als etwas anderes in die Welt.
Die Frage die ich mir stelle, ist: Woran liegt das? Liegt es am zu halbherzigen Einsatz von Bodentruppen? Der zunehmend weltweiten Verbreitung von automatischen Handfeuer- und Panzerabwehrwaffen (Disintegration) welche die Verluste am Boden rasch steigen lassen? Oder beides zusammen in Verbindung mit der "asymetrischen Kriegsführung" - etwa in Afghanistan, Somalia und im Irak (übrigens auch in Vietnam)? Eins ist auf jeden Fall klar: Es geht nicht mehr so leicht wie damals als die Spanier, Briten und Franzosen gegen die Indianer, die Inder und die afrikanischen Stämme vorgingen und dann die besetzten Gebiete viele Jahrzehnte in Schach hielten.
Gut, man mag darauf verweisen, dass das Britische Empire zunächst auch Probleme hatte - in Amerika - bevor es seine volle Macht entfaltete. Angesichts der Abnahme der amerikanischen Güterproduktion an der Gesamt-Weltproduktion (jaja, ich weiss, die Informationsrevolution), der schweren finanziellen und langfristigen währungspolitischem Probleme der USA und der zunehmenden Konkurrenz Asiens/Chinas sowie dem innenpolitischen Sprengpotential (wachsende und diskriminierte Minderheiten wie Mexikaner, Schwarze, fehlender Sozialstaat) würde es mich ehrlich gesagt wundern, wenn sich diese Weltmacht nochmals erholen könnte.

Ich persönlich gebe Amerika als Weltmacht zwar mehr als 10 Jahre - vielleicht wird es sogar aus einem begrenzten(?) Krieg mit China in einigen Jahrzehnten zunächst siegreich hervorgehen. Doch in jedem Falle wird es m. E. geschwächt aus dem Wettlauf mit China hervorgehen.

Gruss
Andreas





Antworten: