Re: Mühlhiasl und der "strenge Herr"
Geschrieben von Waldmeister am 06. Oktober 2003 00:23:13:
Als Antwort auf: Mühlhiasl und der "strenge Herr" geschrieben von Bonnie am 05. Oktober 2003 16:04:37:
Hi
ich habe auch so ein Mühlhiasl Buch und es erscheint doch recht deutlich, dass zuerst die Rede vom Fledermausgeld ist,(nach dem ersten Weltkrieg)
dann kommt der zweite Weltkrieg.
Vor diesem wurden die Kasernen für die Soldaten rund um Zweisel gebaut und aus dem Kirchturm wuchsen Birken heraus, was für die Einheimischen das typische Anzeichen des kommenden Krieges war.
Und danach die Prophezeiung zur Jetztzeit mit den vielen Steuern, die keiner mehr zahlen will oder auch kann.
Der kleine wird gross und der grosse wird klein.
Ich glaube, dass man die Vorhersagen vom Mühlhiasl ziemlich eng auf den Grossraum Bayerischen Wald anwenden sollte.
Da war eine vom Militär eingesetzte "Verwaltung" nach dem Krieg, die alle Autos und viele Pferde der arbeitenden Bevölkerung wegnahm und denen die Existenz entzog.Hier im Bayrischen Wald gab es früher viele Grossgrund und Glashüttenbesitzer, auch der Fürst Thurn und Taxi hat ein Schloss bei Zwiesel, eines vom Graf von Poschinger die eine der reichsten Familien aus Frauenau war, wurde nach dem Krieg abgerissen.
Der Graf Poschinger war Jahrzehntelang der Präsident des Bayerischen Senats.Die meisten dieser Grandseigneurfamilien sind ausgestorben, oder die Mitglieder ausgewandert und dafür andere Leute mit Handel oder Firmen zu schnellem Geld gekommen.
Der Wald zwischen Hennenkobel, das ist ein Berg bei Zwiesel und dem Rachel bei Spiegelau hat momentan in den tieferen Lagen noch sehr viel gesunden Wald. Der Lusen und die Hochlagen des Rachel dagegen sind schon sehr geschädigt und sehen aus wie des Bettelmanns Rock.
Die vielen Jäger sind auch schon da, in jedem kleinen Dorf gibt es mindestens drei oder vier Jagdberechtigte und zusätzlich noch die staatliche Forstaufsicht inclusive Förster.
Der Holzpreis ist momentan sehr niedrig, durch den Borkenkäferbefall und durch Lieferungen aus der Tschechei.Der Katholische Glaube ist im Niedergang begriffen, die Kirchgänger werden immer weniger und man braucht den Pfarrer nur mehr zur Hochzeit und zum Sterben.
Das Nachher, bei dem einer den anderen nicht mehr kennt, dann gehts an, das ist Gottseidank noch nicht eingetroffen.
Gruss Waldmeister
>Hier die Passage bei Mühlhiasl:
>"Zuvor werden viele Häuser gebaut wie Paläste, für die Soldaten, aber dann werden einmal die Brennesseln aus dem Fenster wachsen. Das Geld aber wird zu Eisen, wenn die Not kommt, und man wird sich dafür nichts kaufen können. Wenn die Fledermaus auf dem Geld erscheint, dann geht es zum zweiten großen Krieg. Da wird aber ein strenger Herr kommen und ihnen die Haut abziehen und ein strenges Regiment führen. Nachher kommt der große Krieg. Nach dem Krieg meint man, es ist Ruh, ist aber keine. Die hohen Herren sitzen zusammen und machen Steuern aus, die niemand zahlen wird. Aber die Kleinen werden groß und die Großen klein, und da wird sich erweisen, daß der Bettelmann, wenn er aufs Roß kommt, nicht zu derreiten ist."
>Der "strenge Herr" wird da mit dem zweiten Krieg in Verbindung gebracht. Man könnte meinen, er meint Hitler (das denken wohl auch die meisten), aber es ist nicht klar.
>Die Passage, die du meintest, wird Stormberger zugeschrieben. Da tritt der "strenge Herr" tatsächlich in einer anderen Zeit auf !!! Man muß sich etwas mehr dazu durchlesen. Hier der Text:
>"Die Leut werden in der Luft fliegen wie die Vögel. Ein großer weißer Vogel wird in den Wald kommen. Der Wald wird so licht werden wie des Bettelmannes Rock. Auf jedem Stock wird ein Jäger sitzen. Und vom Hühnerkobel bis zum Rachel wird man durch keinen Wald mehr gehen brauchen. Das Holz wird so teuer wie das Brot, aber es langt. Die Kleinen werden groß und die Großen klein. Dann wird es sich erweisen, daß der Bettelmann auf dem Roß nicht zu derreiten ist. Der Glauben wird so klein werden, daß man ihn unter einen Hut hinein bringt. Der Glaube wird so klein werden, daß man ihn mit dem Geißelschnalzen vertreiben kann. Sieben geistliche Herren werden in Zwiesel eine Messe lesen, und bloß sieben Leut werden's anhören. Die hohen Herren machen Steuern aus, die keiner mehr zahlen wird. Viele neue Gesetze werden gemacht, aber nimmer ausgeführt.
>Nachher geht's an. In der Stadt geht alles drunter und drüber. Und der Bruder wird seinen Bruder nicht mehr kennen, die Mutter ihre Kinder nicht. Von der Stadt werden die Leute aufs Land kommen und zum Bauern sagen: Laß mich ackern. Doch der Bauer wird sie mit der Pflugreuten erschlagen. Wer feine Händ hat, wird gehängt werden. Das dauert aber nur eine oder zwei Mondlängen. Die Mannsbilder werden sich tragen wie die Weiberleut und die Weiberleut wie die Mannsbilder, man wird sie nimmer auseinander kennen. Die Bauern werden sich hohe Zäune ums Haus machen und aus dem Fenster auf die Leut schießen. Zuletzt werden sie noch Steine zu Brot backen und betteln gehen. Den Herrgott werden die Leute wieder hervorziehen und ihn recht fromm aufhängen, doch wird es nimmer viel helfen. Die Sach geht ihren Lauf.
>Ein Himmelszeichen wird es geben, und ein gar strenger Herr wird kommen und den armen Leuten die Haut abziehen. Es wird aber nicht lange dauern, denn wenn alles das eingetroffen ist, dann kommt das große Abräumen. Das Bayernlandl wird verheert und verzehrt, das Böhmerland mit dem Besen auskehrt. Der Wald wird öd werden ohne Hunger und ohne Sterben. Über den Hühnerkobel, über den Falkenstein und über den Rachel werden sie kommen und rote Jankerl anhaben. Über Nacht wird es geschehen. In einem Wirtshaus in Zwiesel werden viele Leute beisammen sein, und draußen werden die Soldaten über die Brücke reiten. Die Berge werden ganz schwarz werden von Leuten. Die Leute werden aus dem Wald rennen. Wer zwei Laib Brot unterm Arm hat und einen verliert, der soll ihn liegen lassen, denn er wird mit dem einen Laib auch reichen. Die Leut, die sich am Fuchsenriegel verstecken oder am Falkenstein, werden verschont bleiben. Wer's übersteht, muß einen eisernen Kopf haben."
- Re: Mühlhiasl und der "strenge Herr" Bonnie 06.10.2003 08:51 (0)