Tag der deutschen Einheit: So schleppt sich dahin, was zusammen gehört
Geschrieben von Fleecer am 03. Oktober 2003 01:43:05:
Als Antwort auf: NACHRICHTEN (o.T.) geschrieben von Pez am 02. Oktober 2003 22:58:20:
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Derlei blässlicher deutscher Verfassungs- und Kulturpatriotismus hat wenig Chancen auf Wiederbelebung, solange sich nicht vielleicht die NoAngels die Flagge um die Hüfte drapieren, um einen bundesrepublikanischen Untergangs-Rap zu intonieren. Denn Nationalsymbole, die in der Hochzeit des Nationalismus einen Sinn machten, weil dahinter ein Staat stand, stiften in ausdifferenzierten Chaos-Gesellschaften, die sich mit sehr viel existenzielleren Problemen herumschlagen müssen, keine Bindungsmasse mehr. Kurzum, wer von Nationalität redet, dem ist sonntäglich zu Mute oder: Er lügt.
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Die blasse Rede von der Multikulti-Gesellschaft als dem pluralistisch toleranten Zusammenleben aller gesellschaftlichen Gruppen hat auch als Beschwichtigungsformel ausgedient. Heute definiert sich die vorgebliche Einheit Deutschlands als eine krude Mixtur aus wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und religiösen Differenzen, die nicht kleiner werden, sondern beste Chancen besitzen, zu den unüberbrückbaren Gräben einer identitätslosen Gesellschaft zu werden. Samuel Huntington warnte vor den äußeren Bruchlinienkriegen zwischen den Kulturen. Doch sind nicht die innergesellschaftlichen Bruchlinienscharmützel von Kulturen der explosivere Stoff?
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